Immunsystem stärken gegen Erkältungen

Schnupfen und Husten die kalte Schulter zeigen, das geht auch ohne strenge Regeln – und mit viel Spaß

von Lisa Meyer, 02.11.2018
Im Regen spazieren gehen

Zur Vorbeugung gegen lästigen Schnupfen und hartnäckigen Husten eignet sich ein ausgiebiger Spaziergang durch den Regen


Wenn die Temperaturen in den Keller rutschen, füllen sich Jahr für Jahr die Hausarztpraxen, weil die Hälse kratzen und die Nasen triefen. Wie kann man diesem Schicksal entgehen? Auf der Suche nach Strategien, die das Abwehrsystem für die Erkältungszeit wappnen, landet man schnell bei zwei Empfehlungen: sich Ansteckungsquellen vom Leib halten und Hygiene großschreiben.

"Die Erreger grippaler Infekte werden größtenteils mit den Händen übertragen", sagt Professor Paul Schnitzler vom Zentrum für Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg. "Sie sollten häufig und gründlich gewaschen werden. Niesen sollte man nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge." Wer kann, meidet Großveranstaltungen und den öffentlichen Nahverkehr.

Es gibt jedoch noch viele weitere Möglichkeiten, das Immunsystem auf Trab zu bringen. Und die meisten machen auch noch Spaß!

Entspannung

Chronischer Stress schwächt unser Abwehrsystem. Ein Grund dafür ist das Stresshormon Kortisol. Stehen wir dauerhaft unter zu großem Druck, sind wir anfälliger für Infektionskrankheiten.

Natürlich kann niemand deshalb vorsorglich jede Anspannung aus seinem Leben verbannen. Man kann jedoch belastenden Phasen ausreichende Momente der Entspannung entgegensetzen. Methoden wie autogenes Training, Meditation oder Yoga helfen dabei.

Schlafen

"Studien haben gezeigt, dass sechs Stunden Schlaf oder weniger pro Nacht das Infektrisiko um das Zwei- bis Vierfache erhöhen", sagt Professor Oliver Keppler vom Max-von-Pettenkofer-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Gelegentlicher Schlafmangel ist kein Problem. Doch wer regelmäßig unausgeschlafen aus dem Bett steigt, schadet der Gesundheit und sollte mehr Schlafzeit einplanen. Ideal: sieben bis acht Stunden pro Nacht.

Saunabaden

Die Finnen wissen es schon lange: Regelmäßiges Schwitzen plus
Kältereize härten uns ab. Viele Studien geben ihnen Recht. Sie zeigen, dass regelmäßige Saunagänger deutlich seltener unter Erkältungen leiden.

Empfohlen werden – für gesunde Menschen – vor allem Saunaarten, bei denen der Kontrast zwischen Wärme und Abkühlung besonders groß ausfällt.

Massagen

Mediziner vom Städtischen Krankenhaus München-Bogenhausen kommen in einer Studie zu dem Schluss: "Es lassen sich eindeutige Einflüsse einer klassischen Massage auf das Immunsystem nachweisen." Die Zahl der natürlichen Killerzellen steigt, die Konzentration des Stresshormons Kortisol sinkt. Der Einsatz von Massagen wird als Begleittherapie bei etlichen Krankheiten diskutiert.

Langfristige Effekte auf das Immunsystem konnten bisher zwar nicht
belegt werden. Fest steht jedoch: Massagen beruhigen und entspannen.

Körperliche Nähe

Auch Umarmungen, Streicheleinheiten und Sex sollen unsere Abwehr auf Vordermann bringen.

Wissenschaftler der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh (USA) befragten Probanden nach ihren sozialen Kontakten und infizierten sie dann mit Erkältungsviren. Ergebnis: Diejenigen, die von vielen Umarmungen berichteten, zeigten weniger Krankheitssymptome. Vermutlich lindert körperlicher Kontakt die gesundheitlichen Folgen von Stress.

Ausgewogene Ernährung

Wer gesund bleiben will, sollte sich gesund ernähren. Doch wie genau sich unser Essen auf die Abwehrkräfte auswirkt, lässt sich schwer erforschen. Mediziner wissen zwar, dass die Bakterien im Darm mit dem Immunsystem zusammenspielen. "Aber niemand kann den Effekt von Ernährung isoliert messen", sagt Virologe Keppler. "Da spielen zu viele andere Faktoren mit rein, zum Beispiel die Veranlagung oder der Lebensstil."

Gesichert ist nur: Fehlen dem Körper Nährstoffe wie Zink und Selen sowie B-Vitamine, kann das Immunsystem nicht mehr optimal arbeiten. "Wer gesund ist und sich normal ernährt, hat aber keinen Mangel", so Keppler. Immunpräparate seien als Nahrungsergänzung deshalb nicht zu empfehlen.

Lebensmittel

Sport

Der positive Einfluss von Bewegung aufs Immunsystem ist unbestritten. "Sport hat eine schützende Wirkung", sagt Virologe Keppler. "Allerdings nur Training in einem moderaten Maß. Zu intensive Belastung bedeutet Stress für den Körper."

Mit 30 Minuten Bewegung pro Tag kann man das Ansteckungsrisiko senken – egal ob man joggt oder tanzt.

Impfen

Zugegeben: Eine Spritze zu bekommen ist nicht angenehm. Dafür ist die Wirkung des Pikses aber gut belegt. "Für viele Krankheiten wie Influenza gibt es heute gute und sichere Impfstoffe", sagt Experte Schnitzler.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt unter anderem Personen ab 60 Jahren eine jährliche Immunisierung gegen Grippe. Vor einer folgenschweren Lungenentzündung schützt eine Pneumokokken-Impfung.

Humor

Lachen ist die beste Medizin – dieser Spruch hat einen wahren Kern. Eine Reihe von Experimenten untersuchte, wie das Immunsystem auf humorvolle Reize reagiert, und entdeckte positive Veränderungen.

Mediziner halten es aber für wahrscheinlich, dass nicht kurze Lacher, sondern eine allgemein gelassene, optimistische Grundeinstellung die Effekte verursacht.

Mann und Frau küssen sich

Küssen

Treffen die Lippen zweier Menschen aufeinander, wird nicht nur Zärtlichkeit ausgetauscht. Bei jedem Kuss lernt die Abwehr auch die Erreger im Speichel des anderen kennen. "Entsprechend können sich hier Mikroben-Gemeinschaften neu strukturieren oder genetische Informationen austauschen", weiß Professor Michael Schloter vom Helmholtz-Zentrum München.

Inwieweit dieser Austausch das Immunsystem trainiert, ist unklar. Möglicherweise entwickelt der Körper Abwehrstrategien gegen Eindringlinge.

Doch Achtung: Wenn der Partner hustet und schnieft, nicht auf Keim-Austausch setzen. "Atemwegsviren sind bei Mundkontakt immer infektiös", warnt Experte Schnitzler. Wer Erkältungssymptome hat, sei auch ansteckend.