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Bei Herzschwäche gut beraten

Kraft fürs kranke Herz: In der Apotheke vor Ort finden Menschen mit Herzschwäche kompetente Beratung. Das kann auch bewirken, dass die Medikamente regelmäßiger eingenommen werden

von Christian Krumm, 03.01.2020
Frau in der Apotheke beim Blutdruck messen

Blutdruck messen beim Apotheker: Eine Studie zeigte, dass Patienten von einer intensiven Betreuung in der Apotheke profitieren


Eine gute Therapie steht und fällt mit der Mitarbeit des Patienten. Menschen mit Herzinsuffizienz – hierbei kann das Organ nicht mehr genug Blut pumpen – fällt das mitunter schwer. Bis zu zehn verschiedene Arzneimittel werden ihnen in schweren Fällen verordnet.

Medikamente regelmäßig einnehmen und richtig dosieren

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) nimmt aber fast die Hälfte der Patienten die Medikamente unregelmäßig, in zu geringer Dosierung oder überhaupt nicht.

Mit ernsten Folgen: "Das Nicht-Einnehmen von wassertreibenden Mitteln ist die häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen bei chronischer Herzinsuffizienz", warnt Herzexperte Professor Michael Böhm, Kardiologe am Uniklinikum Homburg/Saar und Sprecher der DGK.

Betreuung in der Apotheke vor Ort

Helfen könnte den Patienten eine intensive Betreuung durch die Apotheke vor Ort. Das zeigte eine Studie der Universität des Saarlandes in Zusammenarbeit mit den deutschen Apo­thekerverbänden. Insgesamt wurden 237 Herzinsuffizienz-Patienten über zwei Jahre hinweg beobachtet. 127 Studienteilnehmer wurden nur ein Mal in der Arztpraxis über ihre Medi­­kation aufgeklärt.

In der zweiten Gruppe ließen sich 110 Probanden zusätzlich alle ein bis zwei Wochen in ihrer Stammapotheke betreuen. Bei einem Erstgespräch erfassten die Apotheker zunächst alle Medikamente, die die Patienten einnahmen.

Mit Medikationsplan den Überblick behalten

"Auch Präparate, von denen der Arzt nicht unbedingt etwas weiß, wie zum Beispiel Vitamine, Mineralstoffe oder Nahrungsergänzungmittel", sagt Apothekerin Uta Jürgenliemk aus Seubersdorf, die ebenfalls Patienten aus der Studie betreute. Die Teilnehmer bekamen anfangs einen Medikationsplan sowie Tipps zur Einnahme und zur Ernährung.

Später gab es die Arzneien für die ganze Woche, verblistert in einzelnen Tagesdosen. "Das hatte den Vorteil, dass die Patienten immer ­sehen konnten, wenn sie mal vergessen hatten, ihre Medikamente einzunehmen", erklärt Jürgenliemk.

Gespräche allein reichen nicht

Im Rahmen der Studie wurden bei den Teilnehmern zudem jedes Mal Blutdruck und Puls in der Apotheke gemessen. Das sei viel besser, als nur ein Gespräch zu führen, ­erklärt Herzspezialist Böhm: "Die Akzeptanz beim Patienten ist dann deutlich größer." Der positive Nebeneffekt: Die Beteiligten blieben eher bei ihren Verordnungen.

Apothekerin Uta Jürgenliemk

Tatsächlich lohnte sich das Vorgehen für die Patienten. Bei allen Studienteilnehmern verbesserte sich die sogenannte Therapietreue. In der Apotheken-Gruppe verdoppelte sie sich sogar von 43 auf 86 Prozent.

Es wird weitergeforscht

Weitere Studien sollen jetzt zeigen, ob Patienten, die in der Apotheke so eng betreut werden, auch seltener ins Krankenhaus müssen – und ob die Lebenserwartung steigt. Apotheker könnten dann noch stärker in die Gesundheitsversorgung eingebunden werden.

Uta Jürgenliemk freut sich, dass es ihren Patienten auch ein Jahr nach Abschluss der Studie gut geht. "Einer möchte seine Medikamente sogar weiterhin regelmäßig verblistert bekommen."

So helfen Sie Ihrem Herzen

Was Patienten selbst tun können

  • Sich bewegen: Suchen Sie sich eine Herzsportgruppe. Dort werden Sie von Fachleuten betreut, das Training ist speziell auf die Patienten abgestimmt. Liegt ein ärztliches Attest vor, übernimmt die Krankenkasse die Kosten.
  • Übergewicht abbauen: Wer mit gesunder Ernährung und Sport nach und nach Kilos abbaut, entlastet das Herz.
  • Sich täglich wiegen: Ein Anzeichen für eine schwächer werdende Herzleistung sind Wassereinlagerungen im Gewebe. Nehmen Patienten plötzlich schnell zu, sollten sie den Arzt aufsuchen.