Wundheilung: Narben klein halten

Eine Verletzung, Verbrennung oder Operation hinterlässt meist eine Narbe auf der Haut. Was hilft, damit sie möglichst unauffällig bleibt

von Barbara Kandler-Schmitt, aktualisiert am 18.04.2018
Frau mit Narbe

Sichtbare Erinnerungen: Im Gesicht fallen auch kleine Narben auf


Der Sturz vom Fahrrad, die Blinddarm-OP, der Hundebiss – jede Narbe erzählt eine Geschichte, macht uns unverwechselbar. Dennoch empfinden wir die Spuren, die das Leben auf unserer Haut hinterlassen hat, oft als Makel.

"Viele Menschen haben heute ein sehr stark ausgeprägtes ästhetisches Empfinden", sagt Dr. Gerd Gauglitz, Leiter der Abteilung für ästhetische Dermatologie und Lasermedizin an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Uni München. Dabei sei Narbenbildung eine normale Schutzfunktion des Körpers, mit der er die verletzte Haut schnell verschließt.

Narbenentstehung

Zweckmäßiger Ersatz der verlorenen Haut

Bei dieser Reparaturmaßnahme setzt der Körper mehr auf Zweckmäßigkeit als auf Schönheit. Das neu entstandene Binde­­gewebe enthält keine Pigmentzellen, Haarfollikel, Talg- oder Schweißdrüsen und unterscheidet sich deshalb optisch von seiner Umgebung. "Wenn alles gut läuft, sind Narben nur minimal verbreitert und heben sich kaum von Haut­niveau und -farbe ab", sagt Dermatologe Gauglitz.

Doch je nach Körperstelle, Ursache, Heilungsverlauf und indivi­dueller Anlage kann auch zu viel oder zu wenig Narbengewebe gebildet werden. Dann entstehen kraterartig eingesunkene, wulst­artig verdickte, in seltenen Fällen sogar über das eigentliche Wundgebiet wuchernde Narben.

Bildergalerie: Gestörte Wundheilung mit zu wenig oder zu viel neuem Bindegewebe

Narben können seelisch belastend sein

Die betroffenen Patienten stehen oft unter enormem Leidensdruck. Das erlebt auch Hautarzt Gauglitz im Klinik­alltag häufig: "Trotz moderner Behandlungsmöglichkeiten sind Narben noch immer eine therapeutische Herausforderung." 

Zu eingesunkenen Narben etwa kommt es unter anderem durch entzündliche Prozesse, beispielsweise schwere Akne. Zwar lässt sich die Haut durch Laser­­behandlungen oder mikroskopisch ­feine Nadeln zur Neuproduktion von Binde­gewebe anregen, dennoch raten Experten zur Vorbeugung. "Die Akne sollte frühzeitig medizinisch behandelt und die Haut mit geeigneten Produkten gepflegt werden", sagt Christian Redmann, Apotheker aus Ebermannstadt. "Auf keinen Fall sollten Betroffene die Pusteln mechanisch bearbeiten."

Christian Redmann

Was Betroffene selbst tun können

Nach einer Verletzung oder Opera­tion können Patienten ebenfalls viel selbst dazu beitragen, dass die Narben unauffällig bleiben und keine Beschwerden wie Juckreiz, Spannungs­gefühl und Schmerzen verursachen. "Sobald die Wunde nach etwa zwei Wochen verschlossen ist, sollte man das Narbengewebe regelmäßig vorsichtig massieren", rät Apotheker Redmann.

Unterstützend wirken spezielle Narbencremes, die das Gewebe mit Feuchtigkeit versorgen und Entzündungen sowie die Neubildung von Narben-gewebe hemmen sollen. Cremes oder Pflaster mit Silikonöl wirken physikalisch, indem sie eine feuchte Kammer auf der Haut bilden und das Gewebe aufweichen. "Wichtig ist zudem ein konsequenter Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor, da das Narbengewebe kein schützendes Melanin mehr bilden kann", sagt Redmann.

Spannung und Druck vermeiden 

Auf jeden Fall benötigt man Geduld: "Bis die Narbenbildung abgeschlossen ist, kann ein Jahr vergehen", weiß der Apotheker. In den ersten Wochen sollte der Patient Zug, Druck und Spannung in der ­­betrof­fenen Region vermeiden – etwa durch Sport oder schweres Heben.

"Sonst meint der Körper, er muss mehr schützendes Narbengewebe produzieren, und es entstehen unschöne Wülste", sagt Dermatologe Gauglitz. Auch er empfiehlt vorsichtige Massagen und Narbengel: "So kann der Patient selbst zur Heilung beitragen und merkt frühzeitig, wenn die Narbe zu wuchern beginnt."

Maßnahmen bei Keloiden

Bei wulstig verdickten Nar­ben und wuchernden Keloiden hilft nur noch der Gang zum Hautarzt. Dieser kann die Stelle mit flüssigem Stickstoff vereisen oder eine Kortisonkristall­suspension ins betroffene Gewebe spritzen. "Kortison wirkt entzündungshemmend und unterdrückt die Vermehrung des Binde­gewebes", so Gauglitz. Auch mit verschiedenen Laser­arten seien mittlerweile gute Erfolge zu erzielen.

Um die Narbe so weit wie möglich an die umgebende Haut anzugleichen, sind in der Regel mehrere Sitzungen erforderlich, die die ­Patienten allerdings meist selbst be­zahlen müssen. "Mögliche Schmerzen und Juckreiz lassen sich so reduzieren, und optisch erreichen wir häufig sehr zufriedenstellende Ergebnisse", sagt Gauglitz. "Aber Wunder können wir leider keine vollbringen. Eine Narbe wird sich immer von der gesunden Haut unterscheiden."