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Mikrobiom der Haut: Dicht besiedelt

Auf unserer Haut leben zahlreiche Mikroorganismen. Wie sie Krankheiten beeinflussen können

von Larissa Gaub, 15.02.2019
Fingerkuppe

Lebensgemeinschaft: Über 10 Billionen Mikroorganismen siedeln auf und in einem Menschen


Für manch einen mag es unheimlich klingen: Der Mensch ist nicht allein in seinem Körper. Mikro­organismen bedecken ihn. Forscher gehen davon aus, dass auf und in uns genauso viele Bakterien und andere winzige Lebensformen siedeln, wie Zellen im Körper vorhanden sind: also etwa 10 bis 100 Billionen. Die Zusammensetzung des Mikrobioms in Mundhöhle, Darm oder auf der Haut ist bei jedem Menschen anders. Das erschwert die Forschung: Wenn das Mikrobiom so einzigartig ist, wie der Finger­abdruck, lassen sich aus Studien nur schwer allgemeingültige Schlüsse ziehen.

Mikroorganismen gegen Krankheiten

Am besten erforscht wurde bisher das Darm-Mikrobiom. Die Bakterien, die dort leben, verhindern beispielsweise, dass sich Krankheitserreger ausbreiten. Sie fördern die Aufnahme von Nährstoffen im Blut und unterstützen das Immunsystem. Bei einem stabilen Gleichgewicht der verschiedenen Mikroorganismen haben Eindringlinge kaum Chancen. Ist aber die Balance gestört und einzelne Bakterien nehmen überhand, bekommt man das zu spüren. Das kann etwa bei der Ein­nahme von Antibiotika geschehen. Sie schädigen das Mikrobiom des Darms. Profiteure sind resistente Bakterien, wie zum Beispiel Clostridium difficile, die sich dann ausbreiten können. Die Folge: Viele Menschen reagieren auf Antibiotika mit Durchfall.

Auch für das Mikrobiom der Haut ist es wichtig, dass sich verschiedene Organismen ansiedeln. "Größtenteils leben auf der Haut Vertreter aus der Bakterienfamilie der Staphylokokken", erklärt Professorin Claudia Traidl- Hoffmann. Sie ist Umweltmedizinerin am Universitären Zentrum für Gesundheitswissenschaften des Klinikums Augsburg. Die rundlichen Staphylokokken finden sich nahezu überall: in der Luft, in unserer Nase, auf unserer Haut. Nicht alle sind harmlos. Breitet sich beispielsweise der Keim Stapyhlococcus aureus aus, kann es zu Entzündungen auf der Haut kommen. Das kann besonders in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern zum Problem werden.

Schutz durch Bakterien

Grundsätzlich handelt es sich bei den Bakterien, Viren oder Pilzen auf unserer Haut nicht um aggressive Angreifer. "Ein ausgewogenes Verhältnis von Mikroorganismen unterstützt verschiedene Stoffwechselprozesse, hilft bei der Wundheilung und schützt vor Eindringlingen", erklärt Professorin Regine Gläser von der Universitäts-Hautklinik Kiel. Viele der Bakterien, die auf unserer Haut leben, stellen Eiweiße her, die andere Keime töten. "Diese körpereigenen Eiweiße wirken wie Antibiotika auf Eindringlinge und drängen sie zurück", erläutert Regine Gläser, die unter anderem diese Vorgänge auf der Haut untersucht.

Bedenkliche Siedler

Wie Forscher in Studien feststellten, ist bei vielen Patienten mit Hautkrankheiten die Zusammensetzung des Mikrobioms verändert. Im Vergleich zum gesunden Menschen ist die Besiedlung mit Bakterien weniger vielfältig. "Die Anzahl nimmt zwar nicht ab, aber das Gleichgewicht verschiebt sich, und so können manche Arten wie Staphylococcus aureus alle anderen über­wuchern", so Umweltmedizinerin Traidl-Hoffmann.

Behandlungsoptionen bei Neudordermitis

Ein Beispiel dafür ist Neurodermitis, eine nicht ansteckende, chronisch entzündliche Hautkrankheit, die vererbt werden kann. Wissenschaftler stellten fest, dass sich das Besiedlungsmuster der Haut von Betroffenen an entzündeten Stellen, wie den Armbeugen oder Kniekehlen, verändert. Die Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachblatt Journal of Allergy and Clinical Immunology. Die Vielfalt der guten Bakterien nehme ab, die "schlechten" Organismen hingegen vermehrten sich und befeuerten so die Entzündungen.

Was die Forscher überraschte: Auch die nicht entzündete Haut von Betroffenen zeigte ein verändertes Mikrobiom. Die Ergebnisse sollen künftig neue Behandlungs­optionen ermöglichen. "Entweder müsste man die guten Mikroorganismen wieder stärken oder die schlechten gezielt unterdrücken", schildert Traidl-Hoffmann

Neurodermitis-Patienten wird schon seit Längerem konsequente Hautpflege empfohlen. Sie soll helfen, die  natürliche Hautbarriere wieder aufzubauen. Heute weiß man, dass sich mit gezielter Pflege auch der Bestand von keimtötenden Eiweißen und das Mikrobiom fördern lassen, wie Gläser erläutert. Teil dieser Pflege-Therapie: harnstoffhaltige Cremes, welche die Hautbarriere stärken. Hautärzte und Apotheker können bei der Auswahl beraten. "Auch ohne Medikamente lässt sich so das ­Mikrobiom der Patienten dem Mikrobiom eines gesunden Menschen angleichen", sagt Gläser.

In aktuellen Studien konnte bereits gezeigt werden, dass auch kortisonhaltige Cremes bei Ekzemen nicht nur gegen die Entzündung der Haut wirken, sondern zudem das Mikrobiom der Patienten stabilisieren. Dermatologin Gläser erklärt: "So lässt sich das Zusammenspiel der verschiedenen Organismen auf der Haut wieder aufbauen."