Menstruationstasse: Tampon-Alternative?

Sie ist weich und trichterförmig: die Menstruationstasse. Immer mehr Frauen benutzen sie anstelle von Tampons oder Binden. Eine gute Wahl?

von Valerie Till, aktualisiert am 27.07.2016

Alternative zu Tampons: Die Menstruationstasse


Tampons oder Binden: Wenn es um die Monatshygiene geht, kannten Frauen lange Zeit nur diese zwei Möglichkeiten. Eine weitere Alternative scheint jedoch immer beliebter zu werden: die Menstruationstasse – auch bekannt als Menstruationskappe oder Menstruationsbecher. Sie ist kelchförmig, aus weichem Material wie zum Beispiel medizinischem Silikon gefertigt und in verschiedenen Größen erhältlich. Der Menstruationsbecher wird wie der Tampon in die Scheide eingeführt und fängt dort die Regelblutung diskret auf. Anders als beim Tampon wird die Tasse allerdings nach dem Entnehmen nicht entsorgt, sondern entleert, ausgewaschen und wiederverwendet. Hersteller sprechen bei richtiger Anwendung von einer Lebensdauer von bis zu 15 Jahren.

Insbesondere im Internet kann der wachsende Tassen-Trend beobachtet werden: Auf Blogs und in sozialen Netzwerken wie Facebook und YouTube teilen tausende Anwenderinnen ihre Erfahrungen mit und diskutieren über die Alternative. Während Hersteller ihre Produkte anfangs ausschließlich online verkauften, sind die Menstruationstassen seit einiger Zeit auch in der Apotheke oder in der Drogerie zu erwerben.

Studie: Tasse als Alternative zum Tampon

Im Jahr 2011 testeten kanadische Forscher in einer Studie, ob für Frauen, die hauptsächlich Tampons nutzen, die Menstruationstasse als Alternative infrage kommt. Das Ergebnis: Die große Mehrheit der Teilnehmerinnen gab an, mit den Tassen genauso zufrieden zu sein wie mit Tampons. Sie würden das Produkt auch nach Studienende nutzen und es weiterempfehlen. Aber welche Vorteile hat die Menstruationskappe?

Wenn sie mehrere Jahre verwendet wird, ist sie im Vergleich zu Tampons oder Binden günstiger. Auch sinkt die Umweltbelastung durch Müll. Dr. Maren Goeckenjan, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Dresden beschreibt zudem mögliche hygienische und gesundheitliche Vorteile: "Im Vergleich zu Tampons scheint die Menstruationstasse weniger Rückstände in der Scheide zu hinterlassen. Es wird auch vermutet, dass mit ihr sogar weniger Infektionen auftreten, da die Scheidenhaut nicht so stark gereizt wird und sich die Scheidenflora weniger verändert."

Toxisches Schocksyndrom: Ein Fall bekannt

Oft wird mit Tampons die Gefahr des Toxischen Schocksyndroms (TSS) in Verbindung gebracht. Hauptsächlich wird das Syndrom dadurch ausgelöst, dass die Tampons zu lange getragen werden. Hersteller des Menstruationsbechers geben einen Tragezeitraum von acht bis zwölf Stunden an. Besteht da nicht auch die Gefahr, ein TSS zu bekommen? Bisher ist dazu nur ein Fallbericht bekannt, der im Sommer 2015 im Canadian Journal of Infectious Diseases and Medical Microbiology erschien. Eine 37-jährige Frau nutzte die Menstruationstasse zum ersten Mal. Nach zehn Tagen traten Symptome des TSS bei ihr auf. Ärzte vermuteten, dass die Patientin beim Einführen eine kleine Verletzung verursacht hat, sodass Bakterien ins Innere gelangten. "Ich sehe diesen Einzelfall nicht als Beweis dafür, dass Menstruationstassen gefährlich sind", sagt Goeckenjan. Frauen müssten sich der Gefahren, die bereits von Tampons her bekannt sind, nur bewusst sein.

Den Menstruationsbecher richtig anwenden

Vor der ersten Anwendung und nach jedem Zyklus:

Menstruationstasse sterilisieren. Dazu die Tasse für zehn Minuten in einem Topf mit heißem Wasser auskochen. Wichtig: Genügend Wasser einfüllen, damit sie sich bewegen kann.


Im regelmäßigen Gebrauch:

- Vor dem Einführen und nach dem Herausnehmen des Menstruationsbechers: Hände waschen!

- Becher mithilfe der favorisierten Falttechnik einführen und anschließend prüfen, ob er sich vollständig entfaltet hat. Dazu entweder mit einem Finger um ihn herumstreichen oder leicht drehen.

- Den Becher je nach Stärke der Periode in etwa nach 8, maximal jedoch 12 Stunden, entleeren.

- Zum Herausnehmen, die Tasse am Ende leicht zusammendrücken und am Stiel, Ring oder an der Kugel herausziehen.

- Den Inhalt der Kappe in die Toilette kippen. Anschließend diese unter fließendem, lauwarmen Wasser mit einer milden Seife säubern. Kein Desinfektions- oder andere scharfe Reinigungsmittel verwenden! Dann wieder einsetzen.

- Nach dem Ende der Menstruation: Tasse in einem sauberen, atmungsaktiven Behälter bis zum nächsten Zyklus aufbewahren.

 

Die Menstruationstasse kann auch beim Sport oder in der Sauna getragen werden.

 

Auf öffentlichen Toiletten darauf achten, dass sowohl Toilette als auch Waschbecken sauber sind. Von Vorteil ist, wenn sich das Waschbecken im Toilettenraum befindet. Das ist nicht immer der Fall. Deswegen am besten eine Ersatz-Menstruationstasse in der Tasche, inklusive Beutel oder Behälter, mitnehmen. Die benutzte Tasse entleeren, mit Toilettenpapier säubern und gegen die neue austauschen.

Anders als beim Tampon oder bei der Binde, die das Menstruationsblut aufsaugen, kommen Anwenderinnen des Menstruationsbechers eher mit ihrem Blut in Kontakt. Beim Einsetzen oder Herausnehmen kann es über die Finger laufen und der gefüllte Becher muss entleert und gereinigt werden. Das ist nicht jedermanns Sache. "Das Menstruationsblut ist etwas, das Frauen möglichst gar nicht sehen wollen", sagt Goeckenjan. Dabei kann es Frauen helfen, ihre Periode und ihren Körper besser kennen und verstehen zu lernen, wenn sie die Veränderungen während des Menstruationszyklus und besonders die Flüssigkeiten in der Scheide, wie Schleim und Blut, genau beobachten.

Für Frauen jeden Alters geeignet

Ganz neu ist diese Art der Monatshygiene nicht. Die erste Idee zu einem Menstruationsbecher kam 1867 in den Vereinigten Staaten auf. Allerdings war die damalige Version in der Handhabung sehr umständlich und fand keinen Erfolg. 70 Jahre später, im Jahr 1937, ließ die US-Amerikanerin Leona Chalmers ihr verändertes und vereinfachtes Konzept einer Menstruationstasse patentieren. Dieses wird heute als Prototyp für Weiterentwicklungen verwendet.

Laut den Herstellern ist die Tasse für Frauen jeden Alters geeignet. Da jede Frau einen anderen Körperbau besitzt und auch die Stärke der Blutung variiert, wird sie in unterschiedlichen Größen angeboten. Jungen Frauen wird empfohlen, eine kleine Größe auszutesten. Ältere, insbesondere wenn sie bereits entbunden haben, sollten zu einem Produkt mit größerem Fassungsvermögen greifen. "Man muss ein bisschen ausprobieren, welche Tasse und welche Größe am besten zu einem passt", sagt Goeckenjan. Auch brauche es etwas Zeit und Übung, sie richtig einzuführen. "Frauen brauchen Lust am Ausprobieren und sie dürfen sich nicht sofort entmutigen lassen, wenn die Menstruationstasse nicht auf Anhieb richtig sitzt", sagt die Gynäkologin. Nur einer Personengruppe würde Goeckenjan von dieser Art der Monatshygiene abraten: "Mädchen, die noch keinen Sex hatten, würde ich es nicht empfehlen." Es habe was mit sich selbst anfassen oder in die Scheide einführen können zu tun, was sich nach Meinung der Ärztin erst etwas später entwickelt. Einige Hersteller weisen auch daraufhin, dass beim Einsetzen eventuell das Jungfernhäutchen verletzt werden könnte.

Richtig einführen – 3 mögliche Falttechniken:

"Frauen haben den Kontakt zu ihrem Körper verloren"

Goeckenjan hat die Erfahrung gemacht, dass hauptsächlich Frauen die Menstruationskappe anwenden, die ein sehr gutes Körperbewusstsein haben und natürlich mit ihrem Körper umgehen. Zufälligerweise seien es auch Frauen, die ihren Monatszyklus gut beurteilen und mit natürlicher Familienplanung und nicht mit Pille verhüten. "Viele Frauen haben den Kontakt zu ihrem Körper verloren und da ist die Nutzung der Menstruationstasse eine angenehme Gegenbewegung", sagt Goeckenjan.

Dass ein Großteil der Frauen diese Art der Monatshygiene langfristig nutzen wird, glaubt die Gynäkologin nicht: "Ich denke, dass die Nutzung der Menstruationstasse ähnlich hoch sein wird, wie die Anwendung der natürlichen Familienplanung. Nur ein Teil der Frauen wird dabei bleiben und die Vorteile sehen."

Warum der Hype jetzt erst aufkam, obwohl es die Menstruationstasse bereits seit den 1930er-Jahren gibt? Goeckenjan erklärt sich das folgendermaßen: "Ich glaube, wir haben alle eine angeborene Skepsis vor Fremdkörpern, die wir in den Körper einführen. Und die Nutzung der Menstruationstasse ist ja auch ein bisschen komplizierter als die des Tampons." Die Gynäkologin glaubt, dass das dazu geführt habe, dass Frauen sich lange Zeit nicht vorstellen konnten, die Tasse gut zu nutzen. Erst die positiven Erfahrungsberichte hätten zu einem Umdenken geführt.

Vor- und Nachteile der Menstruationstasse im Überblick:

  • Vorteile: Im Vergleich zu Tampons kann sie länger am Tag getragen werden, sie verursacht weniger Müll, ist bei längerer Anwendung günstiger, wahrscheinlich hinterlässt sie weniger Rückstände in der Scheide und es treten weniger Infektionen auf.
  • Nachteile: Frauen kommen eher mit ihrem Menstruationsblut in Kontakt, die Nutzung erfordert etwas Übung und auf öffentlichen Toiletten kann es schwierig sein, die Tasse zu säubern. Die Gefahr eines Toxischen Schocksyndroms (TSS) besteht auch bei der Tasse.