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Was bringt eine Fußmassage?

Die Füße zu verwöhnen tut gut, zum Beispiel durch eine Selbstmassage. Manche glauben sogar, dass eine Reflexzonenmassage positiv auf den gesamten Organismus wirken kann. Belegt ist das allerdings nicht

von Ute Essig, 25.04.2019
Fuß

Eine Wohltat: Drücken und kneten


Was die Augen mit den Zehen zu tun haben? Laut indischer Volks­medizin eine ganze Menge. Die so weit auseinanderliegenden Bereiche des Körpers sind demnach über Energiebahnen miteinander verbunden. In einem Ayurveda-Lehrbuch heißt es daher, dass die Massage der Füße mit Öl oder Ghee (geklärter, medizinisch aufbereiteter Butter) vor Sehstörungen schützen könne, ebenso vor Rückenschmerzen und Gefäßverengungen.

Nebenbei beseitigt die Behandlung natürlich auch Trockenheit, Müdigkeit und Taubheit an Sohlen und Zehen selbst. Die Annahme, dass eine Massage der Füße Fernwirkungen auf innere Organe erzielt, ist nicht nur in Indien populär. Auch in der Tuina-Massage der traditionellen chinesischen Medizin spielt sie eine Rolle. Werden bestimmte Druckpunkte an den Fußsohlen stimuliert, bringt das angeblich die stockende Lebensenergie Qi wieder ins Fließen.

Unsere Füße - Spiegel des Körpers?

Fernöstliche Behandlungsmodelle wie diese beeinflussten wiederum die west­­liche Naturheilkunde. Ergebnis ist das Konzept der Fußreflexzonentherapie. Als ihr Erfinder gilt der US-amerikanische Hals-Nasen-Ohren-Arzt William Fitzgerald (1872 bis 1942). Dieser Massageform liegt die Vorstellung zugrunde, dass die Füße unseren Körper verkleinert spiegeln.

barfußgehen

Kopf und Nacken beispielsweise sollen den Zehen entsprechen, die Mitte der Fußsohle dem Brustraum. Knöchel und Fersen seien mit den Bauchorganen und dem Becken verbunden. Leichtes Massieren, Ziehen oder Kneten soll über die Nervenbahnen das zugehörige Organ am anderen Ende der Leitung stimulieren. So weit zumindest die Theorie.

"Dass eine Verbindung zwischen den Füßen und den Organen existiert, konnte wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden", betont Bernhard Bojanowski aus Raubling (Oberbayern). Dass die Behandlung – wie jede andere Fußmassage – positive gesundheitliche Wirkungen erziele, sei jedoch unbestritten, sagt der Ausbilder und Dozent für Fußreflexzonen­therapie beim Verband Physikalische Therapie. "Sie beeinflusst das vegetative Nervensystem und stabilisiert dadurch das körperlich-seelische Wohlbefinden."

Seelische und körperliche Entspannung

Bojanowski hat die Erfahrung gemacht, dass unter anderem Patienten mit Rückenschmerzen die Behandlung als sehr angenehm empfinden und über eine Linderung ihrer Beschwerden berichten. Eine schon ältere Studie der Universität Jena zeigte, dass eine Fußreflexzonen­therapie bei moderater Knie­arthrose die Schmerzen verringert.

Dr. Christian Kessler vom Immanuel- Krankenhaus in Berlin kann die Hypothesen der Fußreflexzonentherapie aus wissenschaftlicher Sicht ebenfalls nicht nachvollziehen. Doch auch er bestätigt, dass die Massagen allgemein sowohl lokal als auch systemisch positive Gesundheitswirkungen erzielen können. Dem Internisten und Ayurveda-Experten zufolge sind Effekte beispielsweise zu erwarten bei Gelenkproblemen, Durchblutungsstörungen und trockener Haut. Wegen ihrer entspannenden Wirkung sei die wohltuende Behandlung auch bei Nervosität und innerer Unruhe angezeigt.

Einsatz im Krankenhaus und im Wellness-Berreich

Kessler ist als Oberarzt am naturheilkundlich orientierten Immanuel-Krankenhaus tätig und setzt dort Fußmassagen manchmal auch ergänzend bei Herz- oder Krebs­erkrankungen ein. "Sie sind in der Regel sehr gut verträglich und daher besonders für geschwächte Patienten geeignet, für die eine Ganzkörpermassage mit inten­siven Reizen oft zu belastend wäre."

Fußreflexzonenmassagen sind ein alternativmedizinisches Verfahren. Deshalb sollten Patienten vorab klären, ob ihre Krankenkasse die Kosten für eine Behandlung übernimmt. Häufig werden die Maßnahmen auch in Wellnesseinrichtungen oder Fußpflegepraxen angeboten. Durchgeführt werden sie in der Regel von speziell ausgebildeten Masseuren.

Frau am Strand

Selbst wer nicht davon überzeugt ist, dass eine Fußmassage auch außerhalb von Sohlen und Zehen wirkt, sollte dem tragenden Teil seines Körper ab und an ein wenig Fürsorge gönnen. Immerhin legen sie mehrere Tausend Schritte am Tag zurück. Also mehr als hunderttausend Kilometer im Lauf eines Lebens: zweieinhalb Mal um den Globus.

Barfuß gehen

Die zahlreichen Muskeln, Sehnen und Bänder in den unteren Extremitäten sind großen Belastungen ausgesetzt. Meist stecken die Füße den ganzen Tag in Schuhen. Wenn diese nicht optimal passen, begünstigt das Fehlstellungen. Die häufigsten Beschwerden und orthopädischen Probleme reichen von Hühner­augen und Hornhaut bis hin zu Krallen- und Ballenzehen (Hallux valgus).

Der einfachste Weg, den Füßen etwas Gutes zu tun: barfuß laufen. Das stimuliert die Nerven, Muskeln und Sehnen in der Sohle und stärkt ihr Zusammenspiel – vor ­allem, wenn man über natürliche Untergründe wandelt. Übungsparcours für Einsteiger sind die Barfußpfade in Urlaubsregionen und Kurorten, auf denen die nackten Fußsohlen Kontakt mit verschiedensten Materialien wie Sand, Kieseln und Rindenmulch haben. Man kann aber auch einfach mal während eines Waldspaziergangs Socken und Schuhe ausziehen und ein Stück barfuß gehen.

Übungen für die Füße

Außerdem macht spezielles Training unseren Füßen mitunter Beine. Zum Beispiel wenn man sich abwechselnd auf die Zehen und Fersen stellt. Eine weitere gute Übung ist der Einbeinstand auf weichem Untergrund, etwa auf Sand oder Rasen. Jeweils eine Minute lang so bleiben, dann wechseln. Wer das Gleichgewicht bereits gut halten kann, malt mit dem Bein, das nicht auf der Erde steht, kleine Kreise oder Rechtecke in die Luft.

Fortgeschrittene balancieren über eine knapp über dem Erdboden gespannte Slackline oder auf einem Wackelbrett. Dieses Gymnastikgerät ist auch in vielen Fitnessstudios populär und wird hier in Kursen eingesetzt.

Wer es weniger aktiv mag, gönnt sich eine Selbstmassage der Füße – besonders wirkungsvoll ist das vor dem Schlafengehen. Dazu etwas Körperöl in den Handflächen verreiben. Dann Fußrücken und -sohlen je zwei Minuten kräftig durchkneten. Die Zehen und ihre Zwischenräume nicht vergessen.