Machen Light-Produkte wirklich schlank?

Fettreduziert, zuckerfrei, leicht: Solche Angaben auf Lebensmitteln verleiten zum Kauf, wenn man sich figurbewusst ernähren möchte. Eine Expertin sagt, ob das funktioniert

von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 02.02.2017
Paar kauft ein

Light-Produkte ja oder nein? Manchen fällt die Entscheidung beim Einkaufen schwer


Bei Quark und Joghurt locken die Halbfett- oder Magerstufe, Müsli gibt es immer öfter zuckerreduziert und Limonade sogar ganz kalorienfrei. Weil die Light-Varianten von Lebensmitteln weniger Kalorien bei gleichem Genuss versprechen, kaufen viele Diätwillige "leicht" ein. Schließlich wünschen sich laut einer Studie aus dem Jahr 2014 des Instituts für Demoskopie Allensbach 39 Prozent aller Männer und 51 Prozent aller Frauen in Deutschland, Gewicht zu verlieren. Doch helfen die verschlankten Produkte tatsächlich beim Abnehmen?

Leicht ist nicht gleich kalorienarm

Heidrun Schubert, Fachberaterin für Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Bayern, sagt: Nicht unbedingt. "Zuerst mal muss man sich klarmachen, was der Begriff light überhaupt aussagt", so die Expertin. "Hersteller dürfen diese Auszeichnung dann verwenden, wenn ein Lebensmittel mindestens 30 Prozent weniger Fett oder Zucker enthält als ein vergleichbares Produkt. Light-Lebensmittel sind deshalb nicht automatisch kalorienarm."

Das zeigt sich am Beispiel fettreduzierter Kartoffelchips. Selbst, wenn der Fettanteil um 30 Prozent niedriger liegt, fällt die Gesamtkalorienmenge im Vergleich zu regulären Chips nur etwas geringer aus. Der Geschmacksträger Fett wird nämlich meist durch mehr Kohlenhydrate und etliche Zusatzstoffe ausgeglichen. Auch in leichten Joghurts oder Fruchtquarks steckt oft ordentlich Zucker, um das fehlende Fett durch Süße zu vertuschen.

Manchmal führt der Begriff "leicht" schlicht in die Irre: "Wer ein Schokoladendessert oder Vanilleeis in Light-Form kauft, hat trotzdem noch eine Kalorienbombe vor sich", meint Heidrun Schubert. Ein kritischer Blick auf die Zutatenliste und den Energiegehalt lohnt sich also, bevor man die oft teureren Light-Produkte in den Einkaufswagen packt.

Weniger Energie, mehr Appetit

"Ist weniger Fett oder Zucker drin, da kann ich mich mit gutem Gewissen satt essen…" – dieser Gedanke trägt ebenfalls dazu bei, dass light uns nicht unbedingt leichter macht. "Viele essen dann größere Portionen und nehmen am Ende mehr Kalorien zu sich als sie es mit einem normalen Produkt getan hätten", weiß die Expertin.

Auch vermuten Forscher, dass fett- oder zuckerreduzierte Lebensmittel kein anhaltendes Sättigungsgefühl auslösen und Light-Konsumenten daher über den Tag verteilt häufiger und mehr essen. Vor allem künstliche Süßungsmittel wie Aspartam oder Saccharin als Zuckerersatz stehen immer wieder im Verdacht, Heißhunger zu verursachen. Süßstoffe senden irreführende Informationen ans Gehirn und stören dadurch das hormonelle Gleichgewicht, so die bisher nicht bestätigte Theorie.

Erwiesen hingegen ist die häufige Verwendung von Geschmacksverstärkern, Emulgatoren oder anderen Zusatzstoffen bei leichten Lebensmitteln, die Aroma oder Beschaffenheit verbessern. Daher sollten gerade Allergiker darauf achten, wie sie auf Light-Produkte reagieren.

Kalorienfreie Limo statt Wasser?

Softdrinks ohne Zucker scheinen eine leckere Alternative zu Mineralwasser zu sein, wenn man beim Trinken das Kalorienkonto nicht belasten möchte. "Gelegentlich halte ich das für unproblematisch", bestätigt Heidrun Schubert. "Trotzdem sollte zuckerfreie Limo oder Cola niemals das Wassertrinken ersetzen." Denn sonst gewöhnt man sich an eine zu intensive Süße, kann natürlichen Zuckergehalt nicht mehr richtig wahrnehmen. Außerdem fanden Forscher Hinweise darauf, dass starker und regelmäßiger Konsum von künstlichen Süßstoffen Darmflora und Nierentätigkeit beeinträchtigen kann.

Fazit: "Light" garantiert keine Gewichtsabnahme, weil individuelle Ernährungsgewohnheiten nicht verändert werden und die Gesamtkalorienmenge nicht unbedingt niedriger liegt. Damit die Kilos schwinden, muss jeder einen aktiven Beitrag leisten. Dazu zählen regelmäßige Bewegung und eine langfristige Umstellung auf gesundes Ernährungsverhalten mit möglichst naturbelassener Mischkost. Natürlich kann dann auch dazugehören, dass man zum Beispiel das gezuckerte Müsli einfach durch Haferflocken ersetzt oder sich leckere Fruchtquarks aus frischem Obst und Magerquark natur zusammenmischt.