{{suggest}}


Roter Reis gegen zu hohes Cholesterin?

Roter Reis soll als Nahrungsergänzungsmittel erhöhte Cholesterinwerte senken – quasi als pflanzliche Alternative zu Statinen. Doch Arzneimittelexperten warnen vor solchen Produkten

von Annett Zündorf, aktualisiert am 18.10.2016
Roter Reis

Roter Reis: Als Lebensmittel unproblematisch, in Kapselform nicht empfehlenswert


Roter Reis auf dem Teller sieht hübsch aus. Der perfekte Kontrast zu grünem Gemüse. Manche Menschen essen den roten Reis aber nicht wegen seines Aussehens oder seines Geschmacks. Sie nutzen Nahrungsergänzungsmittel mit den Inhaltsstoffen des roten Reises als Medizin oder um gesund zu bleiben. Nun warnt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vor dem Verzehr von Produkten aus rotem Reis. Warum?

Roter Reis ist gar keine richtige Reissorte. Er heißt auch Rotschimmelreis, Red Rice oder fermentierter Reis. Um ihn herzustellen, wird normaler Reis mit einem Schimmelpilz fermentiert. Dabei entstehen ein roter Farbstoff, der zum Beispiel zum Färben von Lebensmitteln verwendet wird, und der Stoff Monakolin K. Genau der ist der Grund für die Warnung. Monakolin K ist identisch mit dem in Deutschland häufig verschriebenen Arzneistoff Lovastatin, der zur Wirkstoffgruppe der Statine gehört.

Statine können diverse Nebenwirkungen verursachen

Statine sind Cholesterinsenker und werden bei einer sogenannten Hypercholesterinämie verschrieben – also dann, wenn die Konzentration von Gesamtcholesterin im Blut zu hoch ist. Cholesterin ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembran im menschlichen Körper. Es kommt in allen tierischen Zellen vor und niemand kann auf Cholesterin verzichten. Aber in zu hohen Dosen kann das Gesamtcholesterin Arteriosklerose begünstigen und steigert damit das Risiko für Herzkrankheiten.

Die zur Therapie eingesetzten Statine können Nebenwirkungen verursachen. "Manche Menschen bekommen Muskelschmerzen", erklärt Dr. Kerstin Stephan, Apothekerin für Arzneimittelinformation beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Statine stehen außerdem im Verdacht, den Blutzuckerspiegel zu erhöhen, Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Depressionen und Gedächtnisverlust werden diskutiert. Auch können Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln auftreten.

Red Rice ist keine natürliche Alternative

Eine natürliche Alternative ohne unliebsame Nebenwirkungen käme Patienten deshalb sehr gelegen. So sind seit Jahren Nahrungsergänzungsmittel mit den Inhaltsstoffen des roten Reises auf dem Markt. Werbeaussagen, sogenannte Health claims, sind für entsprechende Lebensmittel von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zugelassen und dürfen mit dem Slogan werben: "Monakolin K aus Rotschimmelreis trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei." Auch in einigen älteren Studien wird angegeben, dass Patienten diese Nahrungsergänzungsmittel gut vertragen würden, es kaum Nebenwirkungen gäbe, aber dafür der Cholesterinspiegel sänke. Die Präparate wurden sogar für Patienten empfohlen, die Statine nicht vertragen.

Trotzdem warnt nun das Bundesinstitut für Arzneimittel. "Es ist keine natürliche Alternative, auch wenn es so verkauft wird. Und es ist nicht ungefährlich", sagt Kerstin Stephan. Die gemeinsame Expertenkommission zur Einstufung von Stoffen ordnet Produkte aus Rotschimmelreis als Arzneimittel ein, wenn eine Tagesdosis mindestens fünf Milligramm Monakolin K enthält.

Neben den möglichen Neben- und Wechselwirkungen ist ein Grund für die Warnung die fehlende ärztliche Aufsicht. Cholesterin ist nur einer von mehreren Blutfettwerten. Um die richtige Diagnose stellen zu können, überprüfen Ärzte alle Cholesterinwerte. "Ein erhöhter Cholesterinspiegel kann zudem ein Hinweis auf eine andere Erkrankung wie Diabetes oder eine Schilddrüsenerkrankung sein", sagt Stephan. Wer den Cholesterinspiegel auf eigene Faust senkt, verschleiert die eigentliche Erkrankung möglicherweise und erschwert Diagnose und Therapie. "Zur Behandlung einer Hypercholesterinämie sollte ein echtes Medikament mit einer gleichbleibenden Konzentration des Wirkstoffes eingesetzt werden und kein Nahrungsergänzungsmittel", sagt Stephan.

Nebenwirkungen auch bei rotem Reis möglich

Besonders kritisch sehen die Experten den Einsatz bei gesunden Menschen. Wer regelmäßig Kapseln mit Extrakten aus rotem Reis schluckt, nimmt regelmäßig ein Medikament zu sich. In einer Dosierung, wie sie tatsächlich in der Therapie eingesetzt wird. "Haben die Leute dann Probleme wie sie sonst nach der Einnahme von Statinen eintreten, erkennt das niemand", sagt Stephan.

Bisher ist nur von wenigen Menschen bekannt, dass sie durch den Verzehr von Produkten aus rotem Reis Beschwerden bekommen haben. Doch Stephan hält die Dunkelziffer für hoch: "Niemand bringt Muskelschmerzen in Zusammenhang mit einem Lebensmittel."

Fazit: Wer einem hohen Cholesterin-Spiegel vorbeugen will, sollte also lieber auf Nahrungsergänzungsmittel aus rotem Reis verzichten. Eine kalorienarme Ernährung und regelmäßiges Bewegen helfen ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

Und der echte rote Reis? Den gibt es im Asia-Laden. "Darin wurde kaum Monakolin K gefunden", sagt Stephan. Er darf auch weiterhin auf dem Teller Auge und Zunge erfreuen.