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Deutschland vs. Österreich: Der Corona-Hütten-Check

Eine Bergtour im Corona-Spätsommer 2020 – Wirklich eine gute Idee? Oder verbunden mit einem hohen Infektionsrisiko? Unsere Kollegin Katja Töpfer hat es ausprobiert. Hier schildert sie ihre Erfahrungen auf österreichischen und deutschen Berghütten

von Katja Töpfer, 16.09.2020

Endlich kann ich sie sehen. Nach 800 Höhenmetern und drei Stunden Aufstieg. In der Ferne ein graues Dach, wie ein Funken Zivilisation in den schier endlosen Felsformationen des Steinernen Meeres. Die Hütte scheint in greifbarer Nähe. Doch dann: Biegung um Biegung, Kehre um Kehre, noch eine Senke, noch zwei Stunden. Ich habe Bärenhunger, ein Riesen-Glücksgefühl und ein bisschen Bauchweh, als wir die Hütte erreichen. Das flaue Gefühl in meinem Magen ist bedingt durch Corona.

Es ist fast Mitte September, die Sommerferien sind vorbei und die Zahl der Corona-Infizierten steigt europaweit wieder an. Ist das wirklich ein guter Zeitpunkt für eine Bergtour mit Hüttenübernachtung?

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Strengere Regeln auf deutschen Hütten

Daher bin ich ein wenig besorgt, als ich die Schwelle der Hütte  des Deutschen Alpenvereins im steinernen Meer im Nationalpark Berchtesgaden überschreite.  Meine Sorge ist unbegründet. Eine junge Frau aus dem Wirtsteam begrüßt mich herzlich an einem Schalter hinter Plexiglas und erklärt kurz die Hygiene-Regeln. Im Haus herrscht Maskenpflicht, die Gäste essen an für sie reservierten Tischen, Frühstück wird portionsweise ausgegeben. Die Hütte darf nur etwa ein Drittel der sonst üblichen Gästezahl beherbergen. Ein Doppelzimmer für mich und meine Reisebegleitung – was für uns etwas ist wie ein Sechser im Hüttenlotto, bedeutet für die Hüttenwirte empfindliche finanzielle Einbußen.

Mächtige Gipfel, getaucht in die leuchtenden Farben des Sonnenuntergangs, belohnen uns für den Aufstieg. In den frühen Morgenstunden wandern wir weiter am Fuße des Watzmanns. Diesmal übernachten wir auf einer österreichischen Alpenvereins-Hütte.

Schild Corona Hygieneregeln Gastwirtschaft

"Auf der Alm, da gibt's koa Sünd – und auch koa Corona?"

Die österreichischen Regelungen für den Infektionsschutz in Beherbergungsbetrieben und der Gastronomie  sind laxer als in Deutschland und werden auf manchen Hütten sehr großzügig interpretiert, frei nach dem Motto "Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd  – und auch koa Corona". Das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung wird auf österreichischen Hütten häufig sehr flexibel gehandhabt. Am Frühstücksbuffet stehen die Wanderer meist dicht gedrängt und greifen alle nach dem gleichen Marmeladenlöffel. Desinfektionsmittel ist oftmals Mangelware. Natürlich nehmen auch viele österreichische Hüttenwirte den Infektionsschutz ernst. Doch es geht eben auch ums Geschäft: Und da werden die gesetzlichen Spielräume offenbar voll ausgeschöpft. 

Hüttenwanderung Deutschland Alpen Bergwandern Freizeit

Hitzige Corona-Diskussion im Schlafanzug

Auf der österreichischen Hütte ist nichts mit Doppelzimmer. 12-Lager ist angesagt, gut gefüllt. Ich schnappe mir einen Schlafplatz direkt am Fenster. Bevor ich mich in den Schlafsack kuschle, reiße ich das Fenster weit auf. Der Schwabe mittleren Alters, mit dem ich früher am Abend bei einem Bier Tourenpläne diskutiert hatte, macht Anstalten das Fenster zu schließen.

Und schon befinden wir uns in einer hitzigen Corona-Diskussion im Schlafanzug. Er hat Angst, sich zu erkälten, ich will kein Corona. Ich kratze all meine Autorität und virologisches Wissen zusammen. Der Punkt geht an mich. Auch die anderen Übernachtungsgäste ziehen kalte Nachtluft einer Corona-Infektion vor. Wir ziehen uns wärmer an und reißen alle Fenster und Türen auf, um für Durchzug und frische Luft zu sorgen. Gut geschlafen habe ich in dieser Nacht trotzdem nicht. Aber wenigstens hat mich nicht die Angst vor Corona-Aerosolen um den Schlaf gebracht, sondern die nicht enden wollenden Schnarchgeräusche des schwäbischen Bergsteigers.

 

Regeln Deutschland Österreich
Frühstück

In der Regel portioniertes Frühstück

Frühstücksbuffet oftmals erlaubt
Mindestabstand

1,5 Meter

1 Meter
Mund-Nasenschutz

Verpflichtend

In Beherbergungsbetrieben wieder verpflichtend seit 14. September
Duschen

In der Regel nicht möglich

In der Regel nicht möglich
Schlafen Eigener Schlafsack, Laken und Kissen müssen mitgebracht werden. Teilweise wurden Trennwände zwischen den Schlafplätzen eingebaut. Eigener Schlafsack, Laken und Kissen müssen mitgebracht werden. Teilweise wurden Trennwände zwischen den Schlafplätzen eingebaut.

Wichtig: Die Regelungen für den Infektionsschutz in Deutschland und Österreich können aufgrund steigender Infektionszahlen kurzfristig geändert werden. Sie werden auf den einzelnen Hütten teils unterschiedlich umgesetzt. Erkundigen Sie sich vor der Tour telefonisch bei der Hütte, welche konkreten Regeln gelten und was Sie beachten müssen.


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