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Coronavirus: Was tun bei Symptomen?

Viele Menschen plagen zurzeit Husten, Fieber und Abgeschlagenheit. Doch wann könnte eine Coronavirus-Infektion dahinterstecken? Wie Sie vorgehen sollten, wenn Sie bei sich selbst Verdacht schöpfen

von Marlen Schernbeck, 03.03.2020

Derzeit sind viele Menschen verunsichert: Steckt hinter dem Hustenreiz oder der erhöhten Körpertemperatur ein grippaler Infekt oder könnte es doch eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 sein? Die Symptome ähneln einander und sind schwer zu unterscheiden.

In vielen Fällen ist eine Infektion mit dem Virus jedoch unwahrscheinlich. Nicht jeder Mensch mit Symptomen wie Husten und Abgeschlagenheit wird daher auf das Virus getestet. Nur dann, wenn der Arzt dies als "medizinisch notwendig einschätzt", erklärt der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Dr. Andreas Gassen.

Mehrzahl sind milde Verläufe

Bestätigt sich eine Infektion, ist dies in der Regel kein Grund zur Panik: Die meisten Infizierten zeigen nur milde Krankheitsverläufe. Allerdings sollten vor allem Risikopatienten wie zum Beispiel Menschen mit einer chronischen Krankheit, die das Immunsystem schwächt, verstärkt auf bestimmte Vorsichtsregeln achten und etwa Menschenmassen meiden.

Wie Sie selbst vorgehen sollten, wenn Sie das Virus bei sich vermuten – und wann der Verdacht tatsächlich begründet und ein Test auf das Coronavirus sinnvoll ist, lesen Sie hier:

Nicht gleich zum Arzt – erst telefonieren

Wer aufgrund von Erkältungssymptomen befürchtet, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte zunächst zum Telefon greifen – und zum Beispiel seine Hausarztpraxis anrufen, um die Beschwerden zu schildern. Zudem ist der Patientenservice des ärztlichen Bereitschaftsdienstes unter der Nummer 116117 rund um die Uhr zu erreichen.

Menschen, die persönlichen Kontakt zu jemandem hatten, bei dem das Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unabhängig von Symptomen unverzüglich per Telefon an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden. Dieses können Sie über eine Datenbank des Robert Koch-Instituts ermitteln.

Wichtig: Keinesfalls sollten Sie jedoch direkt und ohne telefonische Rücksprache das Wartezimmer einer Arztpraxis aufsuchen und damit unter Umständen riskieren, andere Menschen anzustecken.

"Durch die jahreszeitlich bedingte Grippe sitzen dort bereits Menschen mit einem angeschlagenen Immunsystem", erklärt der Pressesprecher des Deutschen Hausärzteverbandes Christian Schmuck. Man müsse unbedingt vermeiden, vorhandene Keime gegenseitig auszutauschen.

Symptome und Aufenthaltsorte abklären

Am Telefon erfragen Praxispersonal und Ärzte, welche Symptome bei dem Patienten vorliegen, und ob er sich vor kurzem in einem vom Robert-Koch-Institut ausgewiesenen Risikogebiet in China, im Iran, in Südkorea oder in Norditalien aufgehalten hat – oder er zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen beim Karneval sehr aktiv war.

Anhand dieser Informationen schätzen die Ärzte bereits grob ein, ob es sich bei dem Betroffenen um eine Coronavirus-Infektion handeln könnte oder eher eine Erkältung hinter den Beschwerden steckt.

Danach besprechen Hausarzt und Patient das weitere Vorgehen, vereinbaren bei Bedarf zum Beispiel einen gesonderten Termin außerhalb der Praxis-Sprechzeiten oder verabreden einen Hausbesuch, um keine anderen Patienten zu gefährden. "So lässt es sich sehr gut verhindern, dass plötzlich jemand unangemeldet am Tresen der Praxis steht und dann vielleicht auch noch in den Raum hustet", erklärt Christian Schmuck.

 

Coronavirus: Typische Beschwerden

Laut Weltgesundheitsorganisation sind typische Symptome einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus Fieber, trockener Husten, Abgeschlagenheit, Halskratzen oder Atemnot. Es handelt sich also um unspezifische Erkältungssymptome. Deshalb müssen Menschen mit diesen Symptomen nicht sofort befürchten, an dem Virus Sars-CoV-2 erkrankt zu sein.

Liegt aber tatsächlich eine Infektion mit dem Coronavirus vor, verläuft diese in den meisten Fällen mild. Es gibt aber auch schwere Verläufe, die zu ernsten Lungenproblemen führen und tödlich enden können. Davon betroffen sind nach derzeitigem Stand vor allem ältere Menschen ab 80 Jahren oder Personen mit schweren Vorerkrankungen.

Test bei begründetem Verdacht

Besteht aufgrund der geschilderten Symptome und Aufenthaltsorte des Patienten ein begründeter Verdacht auf eine Infektion, können die Ärzte einen Test anordnen. Die Krankenkassen übernehmen dann die Kosten dafür. Der Test erfolgt in Form eines Rachenabstrichs – entweder zu Hause bei den Patienten oder in einem isolierten Bereich in der Arztpraxis.

Achtung: Auf dem Weg zur Praxis sollten Patienten keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, um keine weiteren Menschen anzustecken. Falls jemand kein Auto zur Verfügung hat, bespricht er am besten mit der Arztpraxis, ob zum Beispiel ein Hausbesuch möglich ist.

Gesundheitsamt informieren

Bei einem begründeten Verdacht kontaktiert der Haus- oder Bereitschaftsarzt das zuständige Gesundheitsamt. Dieses koordiniert die weiteren Maßnahmen, die genaue Handhabung ist jedoch regional unterschiedlich. In den meisten Fällen findet eine Isolation des Patienten zu Hause statt bis das Testergebnis da ist.

Wenn eine Krankenhaus-Einweisung sinnvoll erscheint, kann der Arzt diese – wenn möglich in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt – veranlassen, sodass der Betroffene unter Schutzvorkehrungen transportiert und in der Klinik isoliert werden kann.

Positives Testergebnis: Quarantäne

Den Abstrich schicken die Ärzte an ein Labor. Das Ergebnis liegt meist bereits einen Tag später vor. Ist es positiv, also die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt, wird es dem Gesundheitsamt gemeldet. Dieses leitet sofortige Schritte ein und koordiniert die nötige Quarantäne, also die isolierte Unterbringung und Behandlung des infizierten Patienten.

Ruhe bewahren, aber wachsam sein

Um sich und andere vor dem Virus zu schützen, kann jeder Einzelne etwas tun. "Das allerwichtigste ist eine erhöhte Wachsamkeit", sagt Pressesprecher Christian Schmuck vom Hausärzteverband.

Dazu zähle etwa Menschenmassen zu meiden und vor allem Hygienemaßnahmen einzuhalten wie zum Beispiel mehrfach am Tag gründlich die Hände zu waschen, in ein Taschentuch oder die Armbeuge zu niesen sowie einen Abstand von mehr als einem Meter zu Erkrankten zu halten.