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Coronavirus: Warum jetzt die Mithilfe aller gefragt ist

Damit das Gesundheitssystem weiter funktionieren kann, sollte jeder Einzelne an der Verlangsamung der Corona-Epidemie mitwirken. Wie das funktionieren kann

von Tina Haase, 09.03.2020
Coronavirus Fahrradfahrer

Fahrrad fahren statt mit den Öffentlichen: Auch so können Großstädter laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Ansteckungsgefahr senken


Tag für Tag steigt nun auch hierzulande die Zahl der Patienten, die die Covid-19-Erkrankung haben. Zunehmend mehr Menschen werden in Krankenhäusern behandelt oder müssen in Quarantäne. Es gibt inzwischen auch die zwei ersten Todesfälle in Deutschland. Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) Professor Lothar Wieler betonte am Montag auf einer Pressekonferenz in Berlin: "Das ist eine ernste Lage, und diese Lage könnte sich weiter zuspitzen."

Auch Professor Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité Berlin, sieht eine "absolut ernste Situation". Es gebe Indizien dafür, dass sich die Zahl der Infizierten knapp alle sieben Tage verdoppele. Das Frühjahr und der Sommer – mit wärmeren Temperaturen – dürften die Ausbreitung des Coronavirus neuen Erkenntnissen nach doch nicht sehr stark verlangsamen. Es sei damit zu rechnen, "dass wir direkt in eine Epidemiewelle hineinlaufen", sagte Christian Drosten. Der saisonale Effekt auf diese Viren sei voraussichtlich nicht so groß wie auf einige andere Erkältungsviren.

Mehr daheim bleiben – und Hygieneregeln einhalten

Ziel müsse es also weiterhin sein, die Dynamik zu verlangsamen, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. "Wir müssen den Ausbruch verlangsamen, damit unser Gesundheitssystem weiter funktionieren kann", betonte er. Je besser Ansteckungen unterbunden werden, desto mehr können sich Ärzte und Kliniken um die Kranken kümmern. "Dazu brauchen wir die gesamte Gesellschaft. Wir brauchen jeden einzelnen Bürger und jede einzelne Bürgerin."

Jens Spahn rief die Menschen hierzulande auf, die bekannten Hygienemaßnahmen einzuhalten. Außerdem sollten diese von nicht notwendigen Reisen absehen, eventuell Konzertbesuche absagen und, wenn möglich, von zu Hause aus arbeiten. Ansteckungen sollen so vermieden werden.

Auf große Zahl an Erkrankten einstellen

Bei Krankheitssymptomen gelte es, den Arzt und den Arbeitgeber telefonisch zu kontaktieren. Vor allem in Großstädten könnten Bürger möglicherweise auch zu Fuß gehen oder das Fahrrad nehmen, statt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, so der Gesundheitsminister. Spahn bekräftigte auch seine Empfehlung, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern abzusagen. Er ermuntere die Verantwortlichen dazu ausdrücklich. Der Gesundheitsminister sprach sich zugleich dagegen aus, Schulen und Kindertagesstätten flächendeckend zu schließen, damit Eltern weiter arbeiten können.

Auch RKI-Chef Lothar Wieler forderte schnelle Vorkehrungen. Um eine zügige Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, müssten die zuständigen Behörden etwa vor Ort auch über mögliche zeitweise Schließungen öffentlicher Einrichtungen entscheiden. Wieler betonte, Arztpraxen, Kliniken oder Altenheime müssten jetzt mit Covid-19-Patienten umgehen können. "Die Vorbereitungen müssen jetzt abgeschlossen sein." Alle sollten sich auf eine große Zahl an Erkrankten einstellen, und auch auf Patienten, die intensivmedizinisch betreut und beatmet werden müssten.

AU-Bescheinigung für manche Patienten ohne Arztbesuch

Um die Arztpraxen zu entlasten und weitere Infektionen zu vermeiden, haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband darauf geeinigt, dass Patienten mit leichten Erkrankungen der oberen Atemwege ab sofort nach telefonischer Rücksprache mit ihrem Arzt eine Bescheinigung auf Arbeitsunfähigkeit (AU) bis maximal sieben Tage ausgestellt bekommen. Sie müssen dafür nicht die Arztpraxen aufsuchen.

Die Regelung gilt für Patienten, die an leichten Erkrankungen der oberen Atemwege erkrankt sind und keine schwere Symptomatik vorweisen oder Kriterien des Robert-Koch-Instituts für einen Verdacht auf eine Infektion mit Covid-19 erfüllen. Diese Vereinbarung gilt ab sofort und zunächst für vier Wochen.

Zeit im Kampf gegen das Virus gewinnen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Montag beim deutsch-griechischen Wirtschaftsforum in Berlin die bisherigen Anstrengungen gegen das Coronavirus gelobt. Sie erklärte, dass sich das Virus weiter ausbreite, heiße nicht, dass alle Maßnahmen zur Unterbrechung der Infektionsketten, zum Beispiel Quarantäne-Anordnungen, vergebens gewesen wären.

Damit sei Zeit gewonnen worden. Diese sei nötig für die Forschung an Medikamenten und einem Impfstoff. Es gehe aber auch darum, eine Überlastung von Ärzten und Krankenhäusern zu vermeiden, "die entstehen würde, wenn innerhalb kürzester Zeit sehr viele Menschen gleichzeitig wegen Corona zu behandeln wären".

Bisher gibt es weder eine schützende Impfung noch eine spezielle Therapie zur Behandlung der Erkrankung Covid-19. Oberstes Ziel der Bundesregierung ist daher weiterhin, Zeit im Kampf gegen das Virus zu gewinnen. Denn beides wird gerade entwickelt.