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Coronavirus: Warum OPs verschoben werden

Der Regierungsbeschluss steht: Alle planbaren Operationen, Eingriffe und Krankenhausaufenthalte sollen auf unbestimmte Zeit verschoben werden – sofern es medizinisch vertretbar ist. Doch was bedeutet das genau?

von Sabine Pusch, aktualisiert am 18.03.2020

Warum ist ein solcher Schritt nötig?

Durch das Verschieben der Eingriffe sollen sich die Krankenhäuser auf den "erwartbar steigenden Bedarf an Intensiv- und Beatmungskapazitäten zur Behandlung von Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen durch COVID-19" konzentrieren können, heißt es in dem Beschluss der Bundesregierung. Denn bei jeder Operation, auch bei geplanten, kann bei unvorhergesehenen Komplikationen ein Intensivbett gebraucht werden. Und diese Betten sollen für Menschen mit schweren Krankheitsverläufen bei einer Coronavirus-Infektion frei gehalten werden. Außerdem kann das Pflegepersonal dort eingesetzt werden, wo es aktuell und zukünftig dringender gebraucht wird.

Wie wird ausgewählt, was verschoben wird?

"Die Entscheidung liegt immer bei den Ärzten in den Kliniken, die nach medizinischen Kriterien entscheiden", sagt ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). In jedem Einzelfall wägen also die behandelnden Ärzten alle Faktoren ab und legen fest, welche Maßnahmen aufgeschoben werden können und welche nicht. An erster Stelle steht dabei immer: Der Patient darf keinen Schaden nehmen.

Welche Operationen, Eingriffe und Aufenthalte werden abgesagt? Welche eher nicht?

"Verschiebbar ist zum Beispiel die Begradigung einer Nasenscheidewand oder auch viele typische Hüft-OPs. Nicht verschoben werden dringende Behandlungen von Krebspatienten oder schwer chronisch Kranken, die keinen Aufschub erlauben", heißt es von Seiten der DKG. Ebenfalls nicht verschoben werden etwa Krebs- und Tumorbehandlungen. "Wir bitten die Patienten, deren verschiebbare OP zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet, um Verständnis. Es muss sich niemand sorgen, dass seine dringende OP verschoben wird", beruhigt die Deutschen Krankenhausgesellschaft. Notfall-OPs finden natürlich statt – dazu gehören zum Beispiel ein entzündeter Blinddarm oder die akut entzündete Gallenblase.

Wie viele Kapazitäten können dadurch voraussichtlich geschaffen werden?

Aktuelle bundesweite Zahlen gibt es bisher nicht. Jochen Brink, Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW), erklärte jedoch im Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk, dass jeder zweite Klinikaufenthalt ein sogenannter elektiver Aufenthalt sei, also ein planbarer Aufenthalt mit vorheriger Anmeldung und Termin. All diese Operationen, Eingriffe und Aufenthalte werden jetzt vom medizinischen Fachpersonal geprüft und gegebenenfalls verschoben.

Wenn Operationen und Aufenthalte abgesagt werden, hat das auch wirtschaftliche Folgen für die Krankenhäuser. Wie wird hiermit umgegangen?

Durch gesetzliche Maßnahmen will die Bundesregierung schnell sicherstellen, "dass die dadurch entstehenden wirtschaftlichen Folgen für die Krankenhäuser seitens der gesetzlichen Krankenkassen ausgeglichen werden und kein Krankenhaus dadurch ins Defizit kommt". Im Gegenzug gebe es zusätzlich einen Bonus für jedes Intensivbett, das zusätzlich provisorisch geschaffen und vorgehalten wird.

Wer informiert die Patienten, dass die geplante Operation verschoben wird?

Das macht für gewöhnlich das ambulante Zentrum für die Operationen der Klinik – also die gleiche Stelle, bei der auch der ursprüngliche Termin vereinbart wurde.

Wie sieht es aus, wenn ein Patient aus Furcht vor Infektionsrisiken eine Reha-Maßnahme verschieben möchte?

Wer einen Reha-Aufenthalt verschieben möchte, sollte bei der Stelle nachfragen, die die Maßnahme bewilligt und bezahlt bzw. bezuschusst hat. In den meisten Fällen sind das Krankenkasse, Renten- oder Unfallversicherung. "Grundsätzlich gibt es keine Verfallsfrist, ab wann eine einmal genehmigte Leistung nicht mehr als genehmigt gilt", heißt es von Seiten des GKV-Spitzenverbands, dem bundesweiten Verband der Krankenkassen in Deutschland.