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Coronavirus: So wird darauf getestet

In Deutschland werden immer mehr Menschen auf Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 getestet. Ein Facharzt für Mikrobiologie erklärt, wie der Test abläuft und wie zuverlässig er ist

von Julia Rudorf, 28.02.2020
Mann macht Abstrich

Probengewinnung: Für den Test nimmt der Arzt einen Abstrich der Rachenschleimhaut vor


Dr. Martin Eisenblätter ist Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie und arbeitet für das Labor Becker & Kollegen aus München. Er hat uns zu folgenden Fragen Auskunft gegeben.

Wie lange kann man schon auf das neuartige Coronavirus testen?

Im Januar 2020 entwickelte eine Forschergruppe um Professor Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité und Leiter des Konsiliarlabors für Coronaviren in Berlin den weltweit ersten Diagnostiktest. Die Weltgesundheitsorganisation WHO publizierte das Testprotokoll dann online. Schon Ende Januar, also nur zwei Wochen später, konnten bereits viele Labore in Deutschland, sowohl in Krankenhäusern und Forschungseinrichtungen als auch private Labors, die Tests auf SARS-CoV-2 durchführen.

Wie läuft der Test  ab?

Liegt ein Verdachtsfall vor wird bei dem Betroffenen ein Abstrich von der Rachenschleimhaut entnommen. "Das Vorgehen ist ähnlich wie bei Grippeviren", erklärt Martin Eisenblätter, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. "Die Erkenntnisse zu diesem neuen Virus ändern sich aktuell noch schnell und damit auch die Hinweise zum besten diagnostischen Vorgehen."

Was passiert im Labor mit den Proben?

Wenn die Proben das Labor erreichen, wird daraus zunächst mit einem speziellen Labor-Gerät die Erbsubstanz des Erregers isoliert. Das anschließende Verfahren heißt "Real-time PCR". PCR ist die englische Abkürzung für "Polymerase-Kettenreaktion". Damit lassen sich Viren, aber auch Bakterien oder andere Krankheitserreger in geringsten Konzentrationen nachweisen.

"Das Verfahren macht Spuren der Erbsubstanz der Erreger sichtbar", sagt der Mikrobiologe. Dafür werden die vorbereiteten Proben  mehrfach auf bestimmte Temperaturen erhitzt und wieder abgekühlt. Dadurch werden biochemische Kettenreaktionen in der Probe ausgelöst. Die Wiederholung sorgt dafür, dass sich Spuren des Erregers millionenfach vermehren. "Wie ein sehr leises Signal, das sich immer mehr verstärkt – bis man es erkennen kann", erklärt der Mikrobiologe.

 

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Labormediziner Dr. Marc Becker, der eines der größten Labore in Süddeutschland leitet, berichtet im Podcast, wie ein PCR-Test funktioniert, was der Unterschied zum Antikörpertest ist und wie lange die Auswertung eines Tests braucht. (Start: ab 9:48)

Wie lange dauert der Test? Wie viele Proben kann man pro Tag analysieren?

Vom Eintreffen im Labor bis zum Testergebnis vergehen nur vier bis fünf Stunden. Da die Analyse maschinell abläuft, können größere Labore mehrere hundert Proben auf einmal untersuchen, auch mehrfach am Tag. Auch das ist ähnlich wie bei der Grippe. "Diese Kapazität steht nun auch für die SARS-CoV-2-Diagnostik zur Verfügung", sagt der Experte.

Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?

Ein Erregernachweis mit PCR gilt auch bei anderen Infektionskrankheiten als Goldstandard. Schon kleinste Mengen des Virus-Erbmaterials werden erkannt. "Der Test und seine Ergebnisse sind sehr zuverlässig und unterliegt den für solche Tests üblichen strengen  Qualitätskontrollen", sagt der Mikrobiologe Eisenblätter. Damit der Test nicht fälschlicherweise negativ ausfällt, müssen die Proben korrekt entnommen und transportiert werden. Manchmal muss der Test auch wiederholt werden – nach derzeitigem Wissensstand etwa bevor Menschen als geheilt bezeichnet werden können.


Weitere Informationen beim Bundesministerium für Gesundheit

pdf zum Download: "Test auf das Coronavirus: Wann und wie wird er durchgeführt?"