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Corona-Warn-App: Wie sie funktioniert, was sie leisten kann

Über eine Corona-Warn-App wird seit Monaten diskutiert, nun steht die Anwendung endlich zum Herunterladen zur Verfügung

von Andrea Ruppel, aktualisiert am 28.07.2020
Corona Warn-App Iphone Handy Hand

So sieht die Oberfläche der Corona-Warn-App aus, die seit 16. Juni 2020 in den App Stores zur Verfügung steht


Was ist die Corona-Warn-App?

Die Corona-Warn-App ist eine sogenannte Tracing-App. Tracing (Verfolgung von Kontakten) sollte man in diesem Zusammenhang nicht mit Tracking (Verfolgung von Bewegung) verwechseln. Die Warn-App zeichnet keine Bewegungsprofile der Nutzenden auf. Sie erleichtert aber das Auffinden der Kontakte: Bisher mussten Gesundheitsämter mühsam herausfinden, mit wem Corona-Infizierte Kontakt hatten, um Infektionsketten zu verfolgen. Das könnte sich mit der App ändern: Nutzende werden darüber informiert, ob sie sich in der Nähe infizierter Personen aufgehalten haben. Wer genau diese Personen waren, verrät die App nicht. 

Wer steht hinter der Corona-Warn-App?

Die Corona-Warn-App wurde im Auftrag der Bundesregierung von den Unternehmen SAP und Telekom entwickelt. Die Fraunhofer-Gesellschaft und das Helmholtz-Zentrum haben das Projekt beratend unterstützt. Anbieter der App ist das Robert-Koch-Institut. Dazu finden Sie auch mehr Infos auf der Seite, die eigens für die Warn-App eingerichtet wurde: https://www.coronawarn.app/de/

Wo kann ich die App herunterladen?

Auf der oben genannten Internseite finden sich Links zum Herunterladen der App im App-Store von Apple oder im Google Play Store für Android-Geräte. Natürlich kann man beide Stores auch direkt besuchen. Wichtig: In den Stores gibt es inzwischen einige andere Corona-Apps, beispielsweise eine Datenspende-App. Die Original Corona-Warn-App lässt sich an einem großen rot-blauen C erkennen. Neben diesem Merkmal sollte man sich vor dem Herunterladen auch genau die Hersteller/Urheber der App anschauen, um keine Fake Apps zu installieren.

Funktioniert die App bei allen Smartphones?

Die Corona-Warn-App funktioniert auf Smartphones mit Apple iOS-Betriebssystem und Geräten mit Google Android. Auch für einige ältere Geräte ist sie geeignet. Voraussetzung sind mindestens iOS 13.5 und Android 6. Ein altes iPhone 5, 5S oder 6 reicht nicht aus. Auf Android-Geräten müssen die Google Play Services laufen. Auch auf Google-freien Smartphones von Huawei soll die App nutzbar sein. Dazu entwickelt der chinesische Technik-Konzern eine eigene Schnittstelle, die anstelle der Google Mobile Services auf Huawei-Handys ohne Android-Lizenz läuft.

Welche technischen Voraussetzungen brauche ich für die Corona-Warn-App?

  • eine aktive Internetverbindung
  • Speicherplatz von mindestens 10 MB
  • die Bluetooth-Schnittstelle sollte aktiviert sein
  • das Smartphone benötigt eine Kamera zum Scannen eines QR Codes (bei Testregistrierung)

Ich habe kein Smartphone. Was kann ich machen?

Ohne Smartphone lässt sich die Corona-Warn-App im Moment leider nicht nutzen.

Kostet das Herunterladen etwas?

Nein. Der Download der Corona-Warn-App ist kostenlos.

Kann ich die App problemlos wieder löschen?

Ja. Die App lässt sich jederzeit wieder vom Smartphone löschen. Daten werden dabei nicht gespeichert. Auch die einzelnen Einstellungen, zum Beispiel, ob ein ID-Austausch zu anderen Smartphones stattfinden soll, lassen sich separat an und auch wieder ausschalten.

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Professor Frank Fitzek von der TU Dresden hat die erste Version der App mitentwickelt. Im Interview ab Minute 12:55 erklärt er die Rolle des Datenschutzes und wie das mit der Warnung funktioniert

Auf welchen Smartphones kann die App installiert werden?

Beim iPhone ist das aktuelle iOS 13.5 Mindestvoraussetzung. Das gibt es für Geräte ab dem iPhone 6s oder dem iPhone SE. Ein altes iPhone 5, 5S oder 6 reicht nicht aus. Bei Android-Handys ist die Lage etwas unübersichtlicher. Hier muss zum einen Bluetooth LE unterstützt werden. Das ist ab Android 6 der Fall. Zum anderen müssen aber auch die Google Play Services laufen, weil der Konzern die Schnittstellen nicht über Android selbst zu Verfügung stellt, sondern über diese Google-Dienste. Android-Handys ohne Google Play Services, wie die neuesten Huawei-Modelle, bleiben außen vor.

Wird die Warn-App durch die Betriebssysteme von Google und Apple automatisch aktiviert?

Nein, der Austausch der anonymisierten Kontakt-IDs via Bluetooth findet nur dann statt, wenn man die Corona-Warn-App freiwillig installiert und dem Datenaustausch aktiv zustimmt.

Besteht die Gefahr, dass die Corona-Warn-App nicht doch heimlich zur Überwachung der Bevölkerung eingesetzt wird?

Nein, das ist quasi ausgeschlossen. Der Quell-Code der App kann auf der Plattform GitHub transparent eingesehen werden. Viele Apps, die Wert auf Sicherheit legen, bieten dieses sogenannte open source system an. So können Fachleute und auch Laien, welche sich damit auskennen, die Anwendungen auf Sicherheitslücken prüfen. Die Bevölkerung war explizit dazu aufgerufen, bei der Entwicklung der App mitzumachen und entsprechend Verbesserungsvorschläge einzureichen. Bei etlichen Analysen des Codes wurden keine Hintertüren oder andere Anomalien entdeckt.

Wie viel Strom verbraucht die App?

Die App verwendet die energiesparende Bluetooth-Technologie BLE. Das steht für Bluetooth Low Energy, bedeutet also geringer Strombedarf. Die Corona-Warn-App verbraucht nicht mehr Akkuleistung als eine gewöhnliche App. Auch können andere Bluetooth-Einstellungen gleichzeitig genutzt werden, zum Beispiel kabellose Kopfhörer.

Bin ich verpflichtet, die App herunterzuladen?

Nein. Die Nutzung der App ist freiwillig. Dazu ist es notwendig, die Corona-Warn-App aktiv herunterzuladen und auf dem Smartphone zu installieren. Auch wenn Sie die App auf Ihrem Smartphone haben, ist es Ihnen überlassen, ob und wie Sie diese verwenden. Es gibt keine Pflicht, ein positives Testergebnis in der App einzutragen oder bei einer Warnung bestimmte Maßnahmen zu ergreifen.

Ist meine Privatsphäre in Gefahr? Was geschieht mit meinen Daten?

Bei der Programmierung der App wurde auf einen möglichst hohen Datenschutz geachtet. Die App speichert keine Standortdaten. Die Telefonnummer oder andere persönliche Daten müssen nicht angegeben werden. Es werden nicht die Identitäten der Anwender ausgetauscht, sondern anonymisierte IDs, die sich mehrfach in der Stunde ändern. Diese IDs der Kontaktpersonen werden nicht zentral gespeichert, sondern nur auf den jeweiligen Smartphones der Nutzer. Nur die Liste der anonymisierten IDs der Infizierten wird auf einem zentralen Server vorgehalten. Alle in der App gespeicherten Daten werden gelöscht, sobald sie für die Funktionen der App nicht mehr benötigt werden.

Zudem wurde der Quellcode der App bereits vorab öffentlich gemacht, um die Programmierung der App so transparent wie möglich zu machen.

Beispiel: So funktioniert die Corona-Warn-App

Susanne (Person A) hat sich die Corona-Warn App-auf ihrem Smartphone installiert.

Ihr Smartphone sucht per Bluetooth nach anderen Smartphones mit derselben App.

Georg (Person B) hat auch die Corona-Warn-App und hält sich für mindestens 15 Minuten in ihrer Nähe mit einem Abstand von zwei Metern oder weniger auf. Die Begegnung mit Susanne wird nun auf beiden Smartphones gespeichert.

Das geschieht über eine Identifikationsnummer (ID), die sich regelmäßig ändert. Beide Smartphones tauschen diese anonymisierten IDs aus. Die Identität der beiden lässt sich so nicht zurückverfolgen.

Angenommen: Susanne wird positiv getestet und trägt das Ergebnis in der App ein. Dann wird Georg auf der App informiert, dass ein Ansteckungsrisiko bestand. Wann, wo, und von wem, wird ihm nicht mitgeteilt.

Wie werde ich informiert, wenn in meinem Umfeld eine infizierte Person identifiziert wurde?

Die Smartphones leiten die ID-Nummern aus den Schlüsseln ab und gleichen sie mit den gespeicherten Kontakt-IDs der vergangenen 14 Tage ab. Findet sich ein Treffer, gibt die App eine Warnmeldung an die Nutzenden und informiert über das Infektionsrisiko. Die Corona-Warn-App informiert lediglich darüber, ob ein Kontakt zu einer positiv getesteten Person bestand, während diese womöglich ansteckend war. Das bedeutet nicht, dass informierte App-Nutzer sich auch tatsächlich angesteckt haben. Sie werden nur über das Risiko informiert.

Was geschieht dann mit mir? Muss ich sofort in Quarantäne?

Aus der Warnung über das Infektionsrisiko folgt keine Pflicht zur Quarantäne. Betroffene sind auch nicht verpflichtet, die Warnung den Gesundheitsbehörden zu melden. Natürlich ist es sinnvoll, die jeweiligen Empfehlungen der App zu beherzigen, etwa zuhause zu bleiben oder sich testen zu lassen. Kontrolliert wird es nicht.

Was passiert, wenn ich selbst infiziert bin? Bin ich verpflichtet, das in der App einzutragen?

Falls Sie positiv getestet werden, bekommen Sie im Optimalfall vom Labor neben dem Testergebnis auch einen QR-Code oder eine TAN geliefert. So können Sie anonym eine Meldung in die App eintragen und damit eine Warnung an alle schicken, die mit Ihnen in näherem Kontakt standen. Allerdings nur wenn Sie das möchten. Eine Verpflichtung besteht nicht.

Wie viele Menschen müssen die App nutzen, damit der gewünschte Effekt eintritt?

Je mehr Menschen die App benutzen, desto besser funktioniert sie. Eine Studie aus Oxford wird häufig zitiert, wonach sich rund 15 Prozent der Bevölkerung beteiligen müssten, um einen positiven Effekt zu erzielen. Allerdings betonen die Fachleute ebenfalls, dass jede Installation zählt und auch Effekte - wie sinkende Infektionszahlen und Todesfälle - schon bei einer deutlich niedrigeren Quote erreicht werden können.

Weitere Fragen und Antworten rund um die Corona-Warn-App finden Sie hier auf der Website des Robert-Koch-Instituts.