Bildschirmbrille: Entspannter sehen im Büro

Langes Arbeiten am Computer bedeutet für die Augen Dauerstress. Spezielle Bildschirmbrillen mit drei Zonen für Nähe, Ferne und Bildschirmentfernung entlasten

von Christian Krumm, 09.11.2018
Mann vor Monitor mit Arbeitsplatzbrille

Laut der Initiative Kuratorium Gutes Sehen arbeiten in Deutschland rund 17 Millionen Menschen am Computer.


Die Digitalisierung hat die Arbeitswelt in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten drastisch verändert. Egal ob Schreibkraft, Ingenieur oder Handwerker – viele Menschen verbringen zahllose Stunden hoch konzentriert vor dem Computer.

So sind es in Deutschland rund 17 Millionen Menschen, die laut einer Umfrage der Initiative Kuratorium Gutes Sehen am Bildschirm arbeiten. Allein in der Altersgruppe der 40- bis 60-Jährigen verbringt mehr als jeder Dritte mindestens vier Stunden täglich vor dem Monitor. Durch die zunehmende Smartphone- und Tabletnutzung dürfte die Zahl noch deutlich höher liegen.

Dauerstress für die Augen

Mit dem Einsetzen der Alterssichtigkeit beginnen etwa ab dem 40. Lebensjahr die Buchstaben zu verschwimmen. Eine Lesebrille eignet sich für die Arbeit am Monitor nicht, weil sie auf einen Abstand von etwa 30 bis 40 Zentimetern abgestimmt ist, ein Computerbildschirm aber in der Regel 70 bis 100 Zentimeter entfernt steht. Beim ständigen Versuch, sich auf das nahe Sehen einzustellen, gerät das Auge in einen Dauerstress.

"Man blinzelt dann weniger, wodurch sich das Risiko für trockene Augen ­erhöht", sagt Dr. Manuel Hermann, Oberarzt an der Universitäts-Augenklinik in Köln. Die Folge sind müde und gerötete Augen, die mitunter brennen oder auch stark tränen können. Dazu gesellen sich womöglich Beschwerden wie Nacken- und Rückenschmerzen.

Schmerzen im Nacken

Das sei typischerweise dann der Fall,  wenn eine herkömmliche Gleitsichtbrille für die Bildschirmarbeit genutzt werde, wie der Kölner Augenarzt betont. "Die Form des Sehfelds ähnelt einem hochkant stehenden Hundeknochen: oben ein breites Feld für die Ferne, unten ein großes Feld für die Nähe und in der Mitte ein schmales Sehfeld mit den Übergangswerten."

Um durch den unteren Bereich der Brille nahe gelegene Dinge schärfer zu sehen, heben die Menschen das Gesicht nach oben, was auf Dauer Nacken- und Kopfschmerzen zur Folge habe. "Problematisch ist es auch, nur durch den kleinen mittleren Bereich zu schauen. Dann muss der Bildschirm mit dem Kopf regelrecht abgescannt werden", so Hermann. Verständlich, dass daraus schnell schmerzhafte Verspannungen resultieren können.

Unnatürliche Naharbeit

"Das menschliche Auge ist nicht für die intensive Naharbeit gemacht, sondern in erster Linie für den Blick in die Ferne", sagt Thomas Truckenbrod, Präsident des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen. Abhilfe schaffen spezielle Bildschirmbrillen, die gezielt auf die Entfernung zum Monitor eingestellt werden und die Augen dadurch entlasten. "Die Anforderungen sind dabei so verschieden, wie es unterschiedliche Bildschirme und Arbeitsaufgaben gibt", erklärt er.

Arbeitsplatzbrille

Daher müsse man mehrere Faktoren einbeziehen: In welcher Entfernung und in welcher Höhe steht der Bildschirm? Wie ist die Körperhaltung? Welche Arbeitsbereiche werden be­nötigt? Dementsprechend eigne sich für manche Menschen bereits eine schlichte Einstärkenbrille, beispielsweise weil sie fast ausschließlich am Computer arbeiten und der Blick nur selten vom Bildschirm abschweift.

Interviewbrille mit zwei Stärken als Alternative

Andere brauchen ein hoch kompliziertes Gleitsichtglas, damit sie den Monitor zentral möglichst gut im Blick haben, aber auch Dokumente oder Gesprächspartner scharf sehen. Für manche kann eine Interviewbrille hilfreich sein, wie Manuel Hermann eine Zweistärkenbrille bezeichnet: "Dabei ist die obere Hälfte auf den Bildschirm eingestellt, die untere auf den Nahbereich zum Lesen." Weil es sich nicht um eine Gleitsichtbrille handelt, würden die typischen Verzerrungen nicht auftreten. Das sei ideal für Menschen, denen mit einer Gleitsichtbrille schwindelig wird.

In jedem Fall rät Augenoptiker Truckenbrod zu entspiegelten Gläsern: ­­"Irgendwo befinden sich immer Lichtquellen oder andere Monitore, die ­­störende Lichtreflexe verursachen können." Empfehlenswert seien auch Blaulichtfilter in den Gläsern. Denn Bildschirme von Computern, Smartphones und Tablets geben höhere Mengen an Licht aus dem blauen Farbspektrum ab, ähnlich dem Tageslicht.

Schlafstörungen durch Blaulicht

Studien legen nahe, dass dies unseren Biorhythmus beeinflusst. Wer abends noch länger vor dem Bildschirm arbeitet oder stundenlang auf ein Smartphone oder Tablet schaut, schläft anschließend womöglich schlechter. Ob blaulichtreduzierende Gläser tatsächlich benötigt werden, hängt aber von der individuellen Verwendung ab. "Wer nur tagsüber am Computer arbeitet, wird vermutlich keine Probleme haben", sagt Augen­mediziner Hermann.

Viele Arbeitgeber bezuschussen spezielle Bildschirmbrillen – es lohnt sich, beim Chef nachzufragen. Voraus­setzung: Die Sehhilfe ist für die Arbeit erforderlich, und die private Brillen­versorgung reicht nicht aus. Das Attest erstellt der Augenarzt.

Arbeitsplatzbrille

Alles im Blick – ob nah oder fern

Eine Lesebrille bietet nur eine scharfe Sicht auf die Tastatur. Mit Bildschirmbrille kann man je nach Ausführung in zwei oder drei Abständen scharf sehen.

Drei Zonen – eine Brille

Bei einer Bildschirmbrille mit Gleitsichtfunktion wird der große mittlere Bereich auf die Entfernung zum Monitor ­eingestellt. Zusätzlich sind Bereiche für die Nah- und für die Fernsicht eingearbeitet.

Helligkeit und Kontrast

Helligkeit: Tageslichthelligkeit ist gut, aber in Büros schwer zu realisieren. "Ein Helligkeitswert von 1000 Lux sollte es aber schon sein", rät Augenmediziner Hermann.

Blendfreiheit: Die Beleuchtung sollte so eingerichtet sein, dass es keine Spiegelungen auf dem Bildschirm gibt. Dieser steht am besten in ­einem 90-Grad-Winkel zum Fenster.

Kontrast: Ein guter Computer­monitor verfügt über ein Kontrastverhältnis von mindestens 400 : 1, besser 600 : 1. Die Angaben finden sich in der technischen Geräte­beschreibung.