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Augen: So bleibt die Sehkraft erhalten

Mit dem Alter sehen wir schlechter – alle. Man kann aber viel tun, um möglichst lange gesunde Augen zu behalten. Die besten Anti-Aging-Tipps, um das wichtige Sinnesorgan zu schützen

von Inga Rahmsdorf und Nina Himmer, aktualisiert am 25.10.2019
Nahaufnahme von einem Auge

Durchblick behalten: Gesunde Augen passen sich auch an extreme Lichtverhältnisse an


Augen sind komplexe Sinnesorgane. Pro Sekunde nehmen sie etwa zehn Millionen Informationen auf und geben sie an das Gehirn weiter. Doch immer mehr Menschen benötigen eine Brille, um gut sehen zu können. In Deutschland sind es laut dem Berufsverband der Augenärzte etwa 63 Prozent der Erwachsenen. Liegt das an einem veränderten Lebensstil? Und kann man Augen trainieren, um Kurzsichtigkeit vorzubeugen?

Die wichtigsten Tipps für gesunde Augen:

Anbieter von Sehschulungen versprechen, Fehlsichtigkeit lasse sich mit gezielten Übungen korrigieren. Viele von ihnen berufen sich auf den Augenarzt William Bates, der in den 1920er-Jahren ein Sehtraining entwickelte. Die Wirksamkeit der Übungen ist wissenschaftlich jedoch nie erwiesen worden. "Seine Augen gegen Kurzsichtigkeit zu trainieren ist genauso sinnlos wie seine Schuhgröße zu trainieren", sagt Dr. Ludger Wollring vom Berufsverband der Augenärzte. Es schade nicht, aber man könne damit weder Kurzsichtigkeit vorbeugen noch rückgängig machen.

Horst Helbig

Auch Professor Horst Helbig, Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Regensburg, bestätigt, dass ein Training gegen die Brille aussichtslos sei. "Jeder Mensch braucht im Laufe seines Lebens eine Brille gegen die Alterssichtigkeit, weil die Linse und der Muskel in ihrer Elastizität nachlassen."

Entspannung: Yoga schützt die Augen

Sehr viel wirkungsvoller für gesunde Augen sei ein gesunder Lebensstil: Alles, was die Durchblutung fördert und verbessert, ist beispielsweise auch gut für die Augen. "Diabetes und Bluthochdruck können die Gefäße dagegen schädigen und die Sehleistung mindern", warnt Wollring. Entspannungsübungen wie Yoga und autogenes Training oder auch Ausdauersport könnten zudem den Augendruck senken, so Helbig. Bei Menschen, die am grünen Star leiden, kann das einen positiven Effekt auf die Entwicklung der Krankheit haben, denn häufig ist ein erhöhter Druck im Inneren des Auges für den grünen Star verantwortlich.

Schlaf: Gesunde Ruhepause

Auch ausreichender Schlaf erfreut die Augen: Sind sie geschlossen und müssen sie nicht arbeiten, entspannt sich ihre Muskulatur, die Sehkraft erholt sich. Vorsicht ist bei Schlafapnoe geboten – also nächtlichen Atemaussetzern. Sie betreffen vor allem Menschen, die schnarchen und tagsüber stets unerklärbar müde sind. Der auftretende Sauerstoffmangel kann die Entstehung von grünem Star begünstigen.

Ernährung: Ausgewogen sollte sie sein

Wichtig seien auch eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung sowie ausreichend Flüssigkeit, sagt Ludger Wollring. Wer viel Obst und Gemüse isst, der benötigt keine zusätzlichen Nahrungsergänzungsmittel für die Augen. Eine Extraration Möhren ist aber nicht nötig: Sie galten lange als Wundermittel für mehr Durchblick. "Karotten schaden nicht, aber sie haben auch keine spezielle Wirkung für das Auge", erklärt der Augenarzt.

Zu viel Alkohol: Risiko für Linsentrübung steigt

Wer ab und an ein Glas Wein oder Bier trinkt, braucht sich keine Gedanken um die Sehkraft zu machen. Zwar liefern Studien Hinweise darauf, dass Hochprozentiges die Zusammensetzung des Tränenfilms verändert und trockene Augen begünstigt. Doch bei einem Bierchen am Freitagabend ist nicht gleich mit gravierenden Schäden zu rechnen. Anders bei Alkoholikern, sagt Helbig: "Ihr Risiko für eine Linsentrübung durch grauen Star und für eine Makuladegeneration ist erhöht. Außerdem schädigt der alkoholbedingte Nährstoffmangel die Sehkraft."

Tabak: Rauchen macht das Leben farblos

Was den Augen hingegen sehr wohl schadet, ist Nikotin. "Wer raucht, erhöht das Risiko für Augenkrankheiten, wie zum Beispiel für den grauen Star und die altersbedingte Makuladegeneration", sagt Helbig. Außerdem könne das Qualmen zu entzündlichen Augenerkrankungen führen. Einer Studie der US-amerikanischen Rutgers University zufolge schädigt exzessiver Nikotinkonsum nicht nur die Gefäße am Auge, sondern führt auch dazu, dass Raucher weniger Farben unterscheiden können als Menschen, die nicht rauchen.

Und wie schädlich ist die Arbeit am Computer?

"Der Blick auf den Bildschirm schadet bei Erwachsenen zwar nicht grundsätzlich dem Auge", sagt Horst Helbig. Nach einem langen Arbeitstag am Rechner sind die Augen aber oft gereizt und trocken. Der Grund: Beim konzentrierten Blick auf den Bildschirm schließt man sie seltener. Und ist der Lidschlag verringert, wird das Auge trockener.

Helbig empfiehlt regelmäßige Pausen. Dabei können zum Beispiel Apps helfen, die nach einer gewissen Zeit Hinweise auf dem Bildschirm erscheinen lassen, die einen auffordern, die Augen zu schließen. Wer viel in klimatisierten Räumen arbeitet, sollte zudem zwischendurch nach draußen gehen.

Frau genießt die Natur mit geschlossenen Augen

Ab ins Grüne: Natur tut dem Auge gut

Für Kinder ist der Rat, an die frische Luft zu gehen, noch viel wichtiger als für Erwachsene. Eine Studie im Fachblatt Optometry and Vision Science zeigt, dass 10- bis 15-Jährige, die mehr Zeit draußen verbrachten, seltener kurzsichtig waren als ihre Altersgenossen. "Wer sich in jungen Jahren viel in geschlossenen Räumen aufhält, wenig bewegt und viel Zeit damit verbringt, Smartphones, Computer oder Bücher dicht und ohne Pausen vor die Augen zu halten, der hat eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, kurzsichtig zu werden", bestätigt auch Wollring. Bis zum Grundschulalter sollten Kinder nicht mehr als eine halbe Stunde täglich auf Displays schauen. Ältere Kinder und Jugendliche nicht länger als drei Stunden am Tag, rät der Augenarzt.

"Aus Laborversuchen und der Theorie weiß man, dass blaues Licht möglicherweise schädlich für die Sinneszellen am Auge ist", sagt Professorin Nicole Eter, Direktorin der Augenklinik am Universitätsklinikum Münster. Es ist aber unklar, wie viel Blaulicht im Alltag zu einer Schädigung des Auges führen kann. Dafür ist nicht nur dessen Wellenlänge ausschlaggebend, es sind auch andere Faktoren, wie die Lichtstärke und Dauer, der man dem Licht ausgesetzt ist. Da wissenschaftlich gesicherte Daten dazu noch ausstehen, empfehlen Augenärzte bislang noch keine Blaufilterbrille im Alltag, sagt Eter. Bei starkem Sonnenlicht könnten aber Sonnenbrillen, deren UV-Schutz bis in den blauvioletten Teil filtern, durchaus sinnvoll sein. Bitte lesen Sie auch unseren Artikel zum Thema Blaues Licht.

Nahaufnahme von einem Mann mit Blick auf den Monitor

Sonnenlicht: Brillen schützen vor UV-Strahlen

Grundsätzlich sollte man bei Sonnenbrillen immer darauf achten, dass sie einen guten UV-Schutz bieten. Denn UV-Licht kann zu bösartigen Veränderungen am Auge führen. Dabei sagt die Tönung der Brillengläser nichts über ihre Qualität aus. In der EU dürfen zwar nur noch solche verkauft werden, die das CE-Kennzeichen tragen und damit gewisse Richtlinien erfüllen. Allerdings gibt es keine Prüfstelle, die deren Einhaltung kontrolliert. Man sollte daher unbedingt auf die Kennzeichnung "UV 400" oder "100% UV-Schutz" achten.

Früherkennung: Kontrolluntersuchungen sind wichtig

Auch wenn man keine Beschwerden hat und gut sieht, sollte man etwa ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig zum Augenarzt gehen, rät Helbig. Wer erblich vorbelastet oder extrem kurzsichtig ist, raucht, unter Diabetes, Bluthochdruck oder viel Stress leidet oder eine längere Kortisontherapie hinter sich hat, sollte sich häufiger untersuchen lassen – egal, in welchem Alter.

Im Alter treten häufiger Erkrankungen wie der grüne Star oder eine Makuladegeneration auf, die zunächst oft keine Symptome mit sich bringen. Viele Augenerkrankungen lassen sich gut behandeln, wenn sie rechtzeitig entdeckt werden. Das gilt vor allem für Kinder. Die sollten bereits vor dem dritten Geburtstag einmal vom Augenarzt untersucht werden, sagt Wollring: "Sechs Prozent der Kinder sind bei der Einschulung auf einem Auge schwachsichtig. Das könnten wir auf ein Prozent senken, wenn wir die Kinder früh genug sehen würden."

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