Wickel: Ein hilfreiches Hausmittel

Feuchte Umschläge lindern Schmerzen und Entzündungen. Dabei helfen Wickel nicht nur durch ihren Wirkstoff. Wie die Hausmittel wirken und was Sie bei der Anwendung beachten sollten

von Konstanze Faßbinder, 04.05.2018
zwiebelwickel

Wickel sind ein einfaches, aber wirksames Hausmittel. Die antibakteriellen Stoffe der Zwiebel etwa helfen bei Ohrenschmerzen


Säfte-Blutegel hat der berühmte Naturheilkundler und Pfarrer Sebastian Kneipp sie einst genannt. So würde heute wohl niemand mehr Wickel bewerben. Gerade in der Naturheilkunde und in der alternativen Medizin finden sie aber wegen ihrer kühlenden, entspannenden oder entzündungslindernden Wirkung nach wie vor Anwendung. 

"Kurz gefasst ist ein Wickel ein geeignetes Tuch, das entweder nur mit Wasser oder mit einer Tinktur, Salben oder auch Quark getränkt wird", sagt Dr. Rainer Stange. Mit einem anderen, sauberen Stück Stoff wird es an der gewünschten Stelle fixiert und schmiegt sich an die Körperform an.

Stange ist Internist und Experte für Naturheilverfahren und physikalische Therapie. Er arbeitet am Immanuel-Krankenhaus Berlin, das gemeinsam mit der Charité eine Abteilung für Naturheilkunde betreibt. Die wissenschaftlich fundierten Anwendungen ergänzen dort die klassische Schulmedizin.

Wickel wirken durch Hitze, Kälte und pflanzliche Zusätze

Oft wirken Wickel schon allein durch Hitze oder Kälte, sagt Dr. Heike Will. Die Apothekerin gibt Fortbildungen in Naturheilkunde und ist Mitglied der Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg. Weil Wasser Temperaturunterschiede gut überträgt, bewirken zum Beispiel feuchtwarme Wickel, dass sich die Gefäße in der darunterliegenden Haut erweitern. Bei feuchtkalten Wickeln wiederum ziehen sie sich kurzzeitig zusammen.

Beide Arten verbessern die lokale Durchblutung. Wärme kann zudem verspannte Muskeln lösen, ein kühler Wirkstoff wie Quark dem Körper Hitze entziehen. Ergänzt werden diese thermischen Reize oft durch pflanzliche Sub­stanzen, beispielsweise hautreizende Senföle oder ätherische Öle. Al­lergiker sollten die für sie geeigneten Wirkstoffe sorgfältig auswählen.

Zuwendung und Geborgenheit fördern die Selbstheilungskräfte

Doch nicht nur Temperatur und Heilpflanzen entfalten eine heilende Wirkung. Für Inga Knaub, Krankenschwester am Immanuel-Krankenhaus, gehören Wickel zum Tagesgeschäft. Sie kennt den augenfälligsten Effekt der Anwendung genau. Durch die sanfte Berührung des Pflegers und dessen besondere Aufmerksamkeit für den kranken Körperteil bekommen die Patienten "das Gefühl von Geborgenheit – wie früher bei der Mama".

Diesen Satz hört Inga Knaub häufig – meist wenn sie den Patienten gerade eingewickelt und in warme Decken gepackt hat. Dass diese Art der Zuwendung die Selbstheilungskräfte anregt, glaubt auch Apothekerin Will: "Der direkte Körperkontakt ist für viele Patienten wirklich wertvoll."

Mit diesen Tipps lassen sich Wickel zu Hause anwenden

Die therapeutischen Effekte von Wickeln kann jeder zu Hause nutzen. "Das ist absolut kein Hexenwerk", sagt Inga Knaub. Die Basis, zum Beispiel Küchentücher aus Baumwolle, gibt es in jedem Haushalt. Ansonsten kann man aus der Apotheke alternativ Baumwollkompressen besorgen. Außerdem braucht man Rohstoffe wie Kohl, Bockshornklee oder Zwiebeln.

Bei der Anwendung müssen jedoch einige Dinge beachtet werden. So sollte der Quark für die Anwendung bei schmerzenden Gelenken, Prellungen oder Rheuma nicht direkt aus dem Kühlschrank kommen. "Sonst ist der Temperaturunterschied zu hoch", sagt Inga Knaub. Sie empfiehlt Quarkwickel für Menschen, denen Kälte bei solchen Beschwerden guttut. Wem Wärme angenehmer ist, der greift lieber zum Bocks­hornklee-Pulver.

Auch bei Fieber sollte die Temperatur von Wadenwickeln nur zehn Grad unter der Körpertemperatur des Patienten liegen. Mit lauwarmem Wasser tränkt man sie entsprechend. "Sie werden drei Mal für zehn Minuten aufgelegt und dürfen nur angewendet werden, wenn das Fieber momentan nicht steigt, der Kranke warme Hände und Füße hat und nicht schlottert", sagt Apothekerin Heike Will. Sonst würden Herz und Kreislauf zu stark belastet.

Umschläge mit Eukalyptusöl helfen bei Bronchitis

Generell dürfen Wickel zu Hause nur auf gesunde und trockene Haut ohne offene Wunden gelegt werden, Allergiker sollten die Wirkstoffe vorher testen. Gerade Substanzen wie eine Eukalyptusöl-Lösung können verletzte Haut irritieren. Für Kleinkinder sind sie ungeeignet.

Inga Knaub empfiehlt die enthaltenen ätherischen Öle bei Bronchitis: "Sie fördern das Abhusten und machen die Nase frei." Die Brustauflage am besten zehn Minuten zwischen zwei Wärmflaschen auf die richtige Temperatur bringen. Wer mag, könne sie mit Bienenwachs-Brustauflagen aus der Apotheke kombinieren. 

"Die meisten Wickel bleiben so lange am Körper, bis ihr Temperaturreiz nachlässt – und wie es sich für den Patienten gut anfühlt", sagt Heike Will. Anschließend eine halbe Stunde Nachruhe einlegen. Die alten Hausmittel seien keine Fünfminutenkur, Anwender müssten Zeit mitbringen: "Dafür bekommen sie etwas Wertvolles zurück: Entschleunigung."

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