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Hausnotruf: Hilfe per Knopfdruck

Mit einem am Körper getragenen roten Knopf kann jeder Unterstützung anfordern, der allein zu Hause lebt und gesundheitliche Probleme bekommt

von Dr. Reinhard Door, 09.05.2019
Mehr Sicherheit für Ältere und Beruhigung für Angehörige: Das soll der Hausnotrufdienst bewirken

Mehr Sicherheit für Ältere und Beruhigung für Angehörige: Das soll der Hausnotrufdienst bewirken


Möglichst lange zu Hause selbstständig leben: Das ist der vielleicht dringlichste Wunsch, den ältere Menschen haben, wenn erste Gesundheitsprobleme auftreten. Angehörigen bereitet genau das Sorgen. Was, wenn die Mutter oder der Vater stürzt und nicht mehr hochkommt? Was, wenn der Kreislauf verrücktspielt oder sich noch schlimmeres Unheil ereignet? In solchen Fällen ist das Telefon oft unerreichbar und Hilfe fern.

Für diese Situationen gibt es ein sinnvolles Angebot: einen Hausnotrufdienst, der älteren Menschen mehr Sicherheit und den Angehörigen etwas Beruhigung verschafft. Tritt ein gesundheitliches Problem auf, genügt der Druck auf einen roten Knopf – und schon ist in der Notrufzentrale des Anbieters rund um die Uhr ein Ansprechpartner da.

Wichtige Daten direkt auf dem Bildschirm

Nötig ist dafür ein Strom- und Telefonanschluss, um die Basisstation mit Freisprecheinrichtung anzuschließen. Der Hilfesuchende muss nur den Knopf bei sich haben – entweder um den Hals gehängt oder wie eine Armbanduhr getragen. Er ist wasserdicht und wird sogar unter der Dusche oder in der Badewanne nicht abgelegt.

Drückt man den Knopf, löst das einen Anruf bei der Notrufzentrale aus. Dort haben die Gesprächspartner sofort die Daten auf dem Bildschirm, die man bei einem Vertragsabschluss angegeben hat: etwa Vorerkrankungen, welche Medikamente man nimmt und wer informiert werden soll. Über die Freisprechanlage klärt der Ansprechpartner mit dem Anrufer, was passiert ist und welche Hilfe benötigt wird. Dann benachrichtigt er Bezugspersonen oder den Pflegedienst oder alar­miert den Rettungsdienst – je nach Vereinbarung und Notwendigkeit.

Rundumpaket

Anbieter sind große Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser, der Arbeiter-Samariter-Bund und die Johanniter sowie einige private Unternehmen. Mehr als 900 000 Menschen in Deutschland nutzen das Angebot bereits, sagt Matthias Langer, Geschäftsführer der "Initiative Hausnotruf", in der sich die meisten Organisationen zusammengeschlossen haben. 23 bis 29 Euro kostet die Basisvariante monatlich, also die Kontaktmöglichkeit mit der Notrufzentrale und die Koordination des weiteren Vorgehens dort. Bisweilen ist darin auch die Installation der Einrichtung enthalten.

Weitere Kosten entstehen mitunter durch diverse Extras. Meistens werden sie im Paket an­geboten: etwa ein Zusatzknopf auf der Basisstation, der täglich gedrückt wird und der Zentrale meldet, dass alles in Ordnung ist. Oder dass ein Mitarbeiter des Anbieters erscheinen soll, wenn im Bedarfsfall keine Bezugsperson verfügbar ist, und dafür der Hausschlüssel hinterlegt wird.

Eigene Tarife gelten für einen mobilen Notruf­sender, um auch außer Haus stets abgesichert zu sein. Ebenso für zusätzliche Elemente wie Rauchmelder, Fallsensoren oder Bewegungsmelder, die einen Notruf auslösen, wenn länger keine Bewegungen festgestellt werden.

Kasse zahlt Kosten unter Auflagen

Die Pflegekasse übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen die Gebühren für die Basisvariante sowie für den Anschluss. Dafür muss der Versicherte mindestens in Pflegegrad 1 eingestuft sein. Weitere Bedingungen nennt Claudia Widmaier, Sprecherin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen: Der Pflegebedürftige muss ganz oder "über weite Teile des Tags" allein leben. Außerdem müssen Pflegebedarf und Krankheit so sein, dass jederzeit eine Not­situation auftreten könnte, in der das Telefon nicht mehr erreichbar ist. Anbieter und Geräte müssen von der Kasse anerkannt sein.

Wichtig bei der Installation: Der Techniker sollte prüfen, ob das Funksignal des Handsenders aus allen Räumen, eventuell auch von der Terrasse oder vom Garten aus die Basisstation erreicht – und in welchem Umkreis eine Verständigung über die Freisprechanlage möglich ist. "Bei einem Knopfdruck ohne Sprachkontakt und dem Vorliegen einer ernsthaften Krankheit wird die Notrufzentrale den Rettungsdienst schicken", erklärt Matthias Langer.

Die meisten Nutzer finanzieren den Hausnotruf ohne Unterstützung der Krankenkasse. Das ist gut angelegtes Geld – für ein selbstständiges Leben zu Hause.

Hausnotruf

So funktioniert das System

Ein Hausnotrufsystem besteht im einfachsten Fall aus einer ans Telefon angeschlossenen Basisstation mit einem Notrufknopf, die per Funk auch über den am Körper getragenen Notrufknopf erreichbar ist. Die Funktionen des gelben und grünen Knopfs sind optional.

 

  • Roter Hausnotrufknopf: Wird er gedrückt, meldet sich die Notrufzentrale
  • Gelber Knopf: Einmal täglich drücken bedeutet: alles in Ordnung!
  • Grüner Knopf: An- und Abmelden