Thrombose: Ursachen, Therapien und Vorbeugung

Thrombose bedeutet, es bildet sich ein Blutgerinnsel in einem Blutgefäß. Oft sind die Beinvenen betroffen. Mehr zu Anzeichen, Risikofaktoren und Behandlung
aktualisiert am 28.09.2017

Eine Venenthrombose entsteht häufig in den Beinvenen

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Thrombose – kurz zusammengefasst

Bei einer Thrombose bildet sich ein Blutgerinnsel (ein Thrombus) in einem Blutgefäß oder im Herzen. Dieser Blutpfropf behindert den Blutstrom. Eine rasche Diagnose und Behandlung sind wichtig. Denn vor allem bei einer tiefen Beinvenenthrombose besteht das Risiko einer Lungenembolie.

Normalerweise ist es für den Körper nützlich, dass unser Blut gerinnen kann – zum Beispiel, wenn wir uns in den Finger schneiden. Blutzellen und Gerinnungsstoffe bilden sofort einen Schorf, der die Blutung stoppt.

Manchmal gerinnt das Blut aber quasi versehentlich. Es bildet sich ein Blutpfropf (ein Thrombus) am falschen Ort, zur falschen Zeit. Dieses Blutgerinnsel verstopft das Blutgefäß teilweise oder komplett. Mediziner nennen dieses Geschehen "Thrombose".

So funktioniert die normale Blutgerinnung: Am verletzten Blutgefäß lagern sich Blutplättchen an und bilden einen provisorischen Pfropf. Ein Netz aus Gerinnungseiweiß legt sich wie Kleber über die Verletzung (rechts). Bei einer Thrombose passiert etwas ähnliches – am falschen Ort, zur falschen Zeit

W&B/Martina Ibelherr

Eine Thrombose kann theoretisch in jeder Ader des Körpers vorkommen – mit unterschiedlichen Folgen. Steckt das Gerinnsel in den Schlagadern (Arterien), handelt es sich um eine arterielle Thrombose. Sie ist oft der Grund für einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder einen Beinarterienverschluss. Auch im Herz können sich Tromben bilden.

Thrombosen entstehen aber auch in Venen (Venenthrombose). Das kann in verschiedenen Körperregionen passieren – beispielsweise in Venen des Gehirns (zum Beispiel als Sinusvenen-Thrombose), oder in der Pfortader, die das Blut vom Darmtrakt zur Leber leitet (Pfortader-Thrombose), ebenso in den Arm- und Schultergürtelvenen (Paget-von-Schroetter-Syndrom). Am After kann es zu einer schmerzhaften Analvenenthrombose kommen. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag: Analvenenthrombose: Schmerzhafter Knoten

Thrombose: Oft sind die Beinvenen betroffen

Vergleichsweise häufig bilden sich Thrombosen in den Venen des Beins. Im folgenden Text geht es daher schwerpunktmäßig um die Beinvenenthrombose.

Zwei Formen werden unterschieden:

  1. Oberflächliche Venenthrombose
    Das Gerinnsel steckt in oberflächlichen Venen, oft sind Krampfadern betroffen, häufig besteht gleichzeitig eine Venenentzündung
  2. Tiefe Beinvenenthrombose
    Das Gerinnsel bildet sich in den tiefen Beinvenen – den Adern tief im Inneren des Beins

nach obenWelche Symptome treten auf?

Eine Thrombose kann unterschiedliche Beschwerden verursachen – je nachdem, welches Blutgefäß betroffen ist. Manchmal bleibt das Gerinnsel auch symptomlos oder macht erst nach einer Weile auf sich aufmerksam.

Folgende Anzeichen deuten auf eine tiefe Beinvenenthrombose hin:

  • Spannungsgefühl, Schweregefühl im betroffenen Bein oder Fuß
  • Der Knöchel, Unterschenkel oder das ganze Bein schwillt an
  • Die Haut fühlt sich wärmer an als am anderen Bein
  • Die Haut des betroffenen Beinabschnitts verfärbt sich rötlich oder bläulich und glänzt
  • Eventuell kommt es zu ziehenden Schmerzen, Wadenschmerzen ähnlich einem Muskelkater

Sichtbare Venen: Wenn das Blut über die verstopfte Vene nicht mehr richtig abfließen kann, sucht es sich manchmal Umwege. Es strömt vermehrt durch oberflächlich gelegene Venen. Sie können als "Warnvenen" am Schienbein hervortreten und deutlich zu sehen sein.

Bildet sich ein Blutpfropf in einer Armvene (Armvenenthrombose), treten oft entsprechende Symptome am Arm auf.

Wie äußert sich eine Venenentzündung?

In oberflächlichen Venen oder Krampfadern bilden sich Thromben oft im Rahmen einer Venenentzündung. Die entzündete Ader ist dann meistens als dicker, harter, schmerzender Strang unter der Haut tastbar. Die Stelle ist gerötet und überwärmt. Eine Thrombose in oberflächlichen Venen kann bis in tiefe Beinvenen hineinreichen. Ob das der Fall ist, muss der Arzt untersuchen. Denn danach richtet sich die Therapie.

Verdacht auf Beinvenenthrombose – was tun?

Ruhe bewahren, aber die Beschwerden ernst nehmen. Kontaktieren Sie umgehend einen Arzt oder ein Krankenhaus. Bei Schmerzen und Schwellung lagern Sie das Bein am besten hoch. Sie sollten sich nicht anstrengen.

nach obenGefährliche Komplikation: Lungenembolie

Vor allem bei unbehandelten Bein- und Beckenvenenthrombosen besteht die Gefahr, dass es zu einer potenziell lebensbedrohlichen Lungenembolie kommt: Teile des Thrombus reißen ab und werden mit dem Blutstrom in ein Gefäß in der Lunge gespült. Mögliche Symptome sind plötzliche Atemnot, Husten, Brustschmerzen, Herzklopfen oder Ohnmacht. Eine ausgedehnte Lungenembolie belastet das Herz. Schlimmstenfalls kommt es zum Herzversagen. Genaueres erfahren Sie im Ratgeber Lungenembolie.

 

Seltene Komplikation: Besonders schwere Venenthrombose

In sehr seltenen Fällen verschließen sich alle Venen eines eines Beins auf einmal. Folge: Das Blut kann gar nicht mehr abfließen. Die Gliedmaße schwillt an und schmerzt heftig. Die massive Schwellung drückt schließlich sogar die Arterien ab, so dass kein Blut mehr in die Gliedmaße einströmen kann. Die Sauerstoffversorgung des Gewebes gerät ins Stocken. Ohne rasche Therapie droht das Bein abzusterben. Mediziner nennen diesen Notfall "Phlegmasia coerulea dolens". Meistens muss der Thrombus dann sofort in einer Operation entfernt werden.

Mögliche Spätfolge: Venenschwäche

Bleibt eine Thrombose unentdeckt oder bringt die Therapie nicht den gewünschten Erfolg, nehmen die Venen womöglich dauerhaft Schaden. Ärzte nennen das Geschehen postthrombotisches Syndrom. Die Venenklappen schließen nicht mehr richtig, werden undicht. Blut fließt zurück und staut sich, was zu Krampfaderbildungen führen kann. Mögliche Symptome sind Schmerzen, Schwellungen und Spannungsgefühle im Bein. Im Gewebe reichern sich Stoffwechselprodukte an. Die Haut am Knöchel schuppt, verhärtet und verfärbt bräunlich. In ausgeprägten Fällen entstehen schlecht heilende, tiefe Wunden ("offenes Bein", Ulcus cruris).

nach obenThrombose: Ursachen und Risikofaktoren

Es gibt prinzipiell drei unterschiedliche Auslöser für eine Thrombose:

1. Ursache: Gestörter Blutfluss

Fließt das Blut zu langsam oder bilden sich Strömungswirbel, begünstigt das eine Thrombose. Risikofaktoren sind zum Beispiel:

  • Längere Inaktivität durch Bettlägerigkeit, Lähmungen, einen Beingips
  • Langes (und beengtes) Sitzen im Bus, Auto oder Flugzeug
  • Ausgedehnte Krampfadern
  • Herzschwäche
  • Vorhofflimmern
  • Druck auf das Gefäß (z.B. Knochenvorsprung, Tumor)

Warum Inaktivität das Thrombose-Risiko erhöht

Bewegen wir unsere Beinmuskeln, unterstützen wir den Blutfluss in den Beinvenen. Denn – vereinfacht gesagt – drücken die Muskeln bei jedem Schritt von außen auf die Venen, ähnlich wie eine Pumpe. Die Venenklappen verhindern, dass das Blut zurückfließt. Sind die Venenklappen nicht mehr dicht oder fehlt der Effekt der Muskelpumpe bei längerer Inaktivität, bilden sich leichter Blutgerinnsel.

Die Muskelpumpe fördert den Blutfluss in den Venen. Bewegen wir die Muskeln nicht, fließt das Blut schlechter. Sind die Venenklappen undicht, staut es sich zurück

W&B/Jörg Neisel

2. Ursache: Veränderte Gefäßwand

Gefäßwandschäden oder -veränderungen entstehen zum Beispiel durch Verletzungen, Verbrennungen, Entzündungen oder Infektionen. In Arterien spielt außerdem die "Gefäßverkalkung" (Arteriosklerose) eine wichtige Rolle.

3. Ursache: Veränderte Blutzusammensetzung

Das Blut gerinnt leichter als im Normalfall. Eine solche verstärkte Gerinnungsneigung heißt Thrombophilie. Mögliche Gründe sind:

  • Blutgerinnungsstörungen (oft angeboren, zum Beispiel APC-Resistenz, Faktor-V-Leiden-Mutation)
  • Blutkrankheiten (zum Beispiel die Polyzythämie, bei der sich zu viele Blutzellen im Blut befinden)
  • "Dickes" Blut bei Flüssigkeitsmangel
  • Medikamente, zum Beispiel die "Antibaby-Pille", Hormonersatztherapie in den Wechseljahren
  • Krebserkrankungen
  • Operationen in Zusammenhang mit reduziertem Blutfluss
  • Schwangerschaft
  • Rauchen
  • Übergewicht

Das Risiko für eine Thrombose ist erhöht, wenn früher im Leben schon einmal eine Thrombose oder Embolie aufgetreten war. Die Thrombosegefahr steigt außerdem mit dem Lebensalter.

nach obenThrombose: Diagnose

Der Arzt erkundigt sich nach Beschwerden, Krankengeschichte und Risikofaktoren. Außerdem sieht er sich das Bein an, vergleicht es mit der Gegenseite.

Mit Ultraschalluntersuchungen lassen sich die Venen und der Blutfuss oft gut beurteilen.

Weitere Hinweise kann eine Blutuntersuchung liefern: Finden sich D-Dimere, kann das für eine Thrombose sprechen. D-Dimere sind Abbauprodukte des Gerinnungsstoffes Fibrin. Sie entstehen bei einer Thrombose vermehrt, weil der Körper versucht, das Blutgerinnsel abzubauen. Der D-Dimer-Test kann aber auch aus vielen anderen Gründen auffällig sein. Er muss daher im Zusammenhang mit anderen Untersuchungsergebnissen gesehen werden.

Andere bildgebende Verfahren wie die Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) oder die Computertomografie (CT) sind vor allem geeignet, Blutgerinnsel in Organen, den Beckenvenen oder der Hohlvene sichtbar zu machen.

Bei speziellen Fragestellungen kann die (Röntgen-)Phlebografie zum Einsatz kommen. Dabei spritzt der Arzt ein Kontrastmittel in die betroffene Vene und fertigt anschließend ein Röntgenbild an.

Suche nach möglichen Ursachen der Thrombose

Findet sich kein plausibler Auslöser für ein Blutgerinnsel, kann es ratsam sein, eine zugrunde liegende angeborene Blutgerinnungsstörung auszuschließen – mit einer sogenannten Thrombophilie-Diagnostik. Diese ausführliche Blutuntersuchung ist vor allem sinnvoll, wenn bereits Gerinnungsstörungen in der Verwandtschaft bekannt sind.

Insbesondere bei jüngeren Patienten fahndet der Arzt außerdem nach angeborenen Anomalien der Venen. Auch sie können zum Auslöser einer Thrombose werden.

Älteren Menschen raten Ärzte eventuell, eine Tumorerkrankung auszuschließen. Denn manchmal steckt ein Krebsleiden hinter einer Thrombose. Und je rascher das entdeckt wird, desto besser sind meist die Heilungschancen.

Bei einer tiefen Venenthrombose verordnet der Arzt üblicherweise Medikamente, welche die Blutgerinnung hemmen

iStock/peepo

nach obenWie wird eine Thrombose behandelt?

Eine rasche Therapie ist wichtig, um das Embolierisiko zu senken. Außerdem soll die Behandlung Spätfolgen wie eine Venenschwäche nach Möglichkeit verhindern. Bei der Auswahl der Therapieschritte richtet sich der Arzt danach, wo sich das Blutgerinnsel befindet, wie groß es ist, wie lange es schon vorliegt und ob bestimmte Risikofaktoren bestehen.

Handelt es sich um eine Venenthrombose in Arm oder Bein mit Schmerzen oder Schwellung, empfiehlt der Arzt in der Regel, die betroffene Gliedmaße zunächst ruhig zu halten und hochzulagern.

In eher seltenen Fällen wird das Blutgerinnsel in einer Operation heraus operiert (Thrombektomie) oder mit Hilfe eines Katheters beseitigt. Bei sehr ausgedehnten Venenthrombosen kann so ein Eingriff sinnvoll sein.

Manchmal angebracht: Gerinnsel-Auflösung (Thrombolyse)

In den ersten Tagen einer tiefen Beinvenenthrombose besteht prinzipiell die Möglichkeit, das Blutgerinnsel wieder komplett aufzulösen (Thrombolyse). Dazu werden spezielle Wirkstoffe als Infusion über die Venen gegeben. Diese Medikamente können den Blutpfropf direkt abbauen. Oder sie regen körpereigene Abbaumechanismen an, das zu tun.

Diese Behandlung ist aber nicht frei von Risiken. Als Komplikation können zum Beispiel ernste innere Blutungen auftreten. Die Thrombolyse erfolgt deshalb nach Möglichkeit nur in Kliniken, die Erfahrung damit haben. Bestimmte Faktoren können gegen die Therapie sprechen, weil sie das Blutungsrisiko generell erhöhen – etwa Schlaganfälle in den vergangenen drei Monaten, Magengeschwüre, kürzliche Operationen. Nutzen und Risiko der Behandlung müssen sorgfältig abgewogen werden.

Medikamente zur Gerinnungshemmung

Bei einer tiefen Venenthrombose verordnet der Arzt üblicherweise rasch Medikamente, welche die Blutgerinnung hemmen (Antikoagulanzien, umgangssprachlich oft unpräzise "Blutverdünner" genannt). Sie sollen zunächst ein weiteres Wachsen des Thrombus bremsen und Embolien verhindern. Langfristig sollen die Medikamente vor allem das Risiko für erneute Thrombosen senken. Den Thrombus komplett auflösen können die Medikamente aber nur selten.

In den ersten Tagen erhält der Patient bei herkömmlicher Behandlung meist Heparine als Infusion oder Spritze unter die Haut. Auch andere Wirkstoffe wie der Heparin-ähnliche Stoff Fondaparinux finden Anwendung.

Im weiteren Verlauf verschreibt der Arzt Tabletten, die der Patient meist über drei bis sechs Monate nehmen muss – entweder Vitamin-K-Antagonisten (Cumarine wie Phenprocoumon oder Warfarin) oder ein Medikament aus der Gruppe der direkten oralen Antikoagulantien (DOAK, auch NOAK = neue orale Antikoagulantien). Apixaban, Dabigatran, Rivaroxaban und Edoxaban zählen zu dieser Medikamentengruppe. Generell erhöhen Blutgerinnungshemmer das Risiko von Blutungen. Sie müssen deshalb sorgfältig dosiert werden.


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Wichtig: Kompressionstherapie

Ein Kompressionsverband oder -strumpf übt einen genau abgestimmten Druck auf das betroffene Bein oder den Arm aus. Er bietet den Venen Widerstand, so dass sie nicht mehr so leicht nachgeben. Der Blutfluss in den Venen wird unterstützt, Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe und damit auch die Beschwerden gehen zurück. Wenn die Venen durch den Druck kontrolliert zusammengepresst werden, verringert sich ihr Durchmesser. Dadurch schließen auch die Venenklappen wieder besser, das Blut strömt in die richtige Richtung.

  • Kompressionsverband: Zunächst ordnet der Arzt eventuell einen Kompressionsverband an. Er muss fachgerecht gewickelt sein, damit er nicht einschnürt oder reibt, und damit er an jeder Stelle den gewünschten Druck entfaltet – für Laien nicht so einfach. Ziel der Behandlung ist die Entstauung der geschwollenen Extremität.
  • Kompressionsstrumpf (oft Thrombosestrumpf genannt): Der Kompressionsstrumpf wird individuell angepasst. Welche Druckstärke er haben sollte, legt der behandelnde Arzt fest. Es gibt vier Kompressionsklassen (I bis IV) von leichtem bis starkem Druck. Häufig empfiehlt der Arzt die Klasse II. Für verordnete Kompressionsstrümpfe zahlen die gesetzlichen Krankenkassen. Der Strumpf muss unbedingt gut sitzen. Patienten sollten sich genau zeigen lassen, wie sie ihn richtig anziehen. Das erfordert ein wenig Kraft und Geschick. Spezielle Anziehhilfen – zum Beispiel aus der Apotheke oder dem Sanitätsgeschäft – erleichtern das Anlegen.

Für Verband und Strumpf gilt gleichermaßen: Er muss konsequent getragen werden – auch wenn es manchmal schwer fallen mag. Der Arzt empfiehlt je nach Fall eine Mindestdauer von einigen Monaten bis Jahren.

Tipps zu Kompressionsstrümpfen

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Verwechslungsgefahr: Kompressionsstrümpfe sind nicht dasselbe wie Stützstrümpfe. Letztere eignen sich nicht zur Therapie einer Thrombose – aber durchaus vorbeugend bei leichten Venenproblemen. Zum Beispiel dann, wenn man im Beruf viel stehen muss, so dass die Beine abends schwer werden. Stützstrümpfe üben deutlich weniger Druck auf das Bein aus. Sie sind in der Apotheke erhältlich, werden nicht individuell angepasst, die Kosten üblicherweise nicht von der Krankenkasse übernommen.

Wie behandelt man eine Venenentzündung?

Eine Thrombose in oberflächlichen Venen bildet sich meistens auf dem Boden einer Venenentzündung. Ursache für eine solche Thrombophlebitis sind zum Beispiel Verletzungen, Infektionen durch Infusionsnadeln oder – besonders häufig – Krampfadern.

Sind nur kleine Blutgefäße betroffen, so ist eine Thrombophlebitis nicht weiter gefährlich und die Therapie meistens unkompliziert: Üblicherweise reichen Kompression und Kühlung aus. Der Arzt empfiehlt zum Beispiel kühlende Alkohol-Umschläge oder Verbände mit Heparinsalben. Außerdem rät er eventuell zu entzündungshemmenden Medikamenten und zu Bewegung.

Ausgedehnte Thrombosen in Krampfadern wird der Arzt durch einen kleinen Hautschnitt (eine Hautinzision) entfernen und anschließend Gerinnungshemmer verschreiben.

Der Übergang von einer unkomplizierten oberflächlichen Thrombose zu einer potenziell gefährlichen tiefen Venenthrombose ist fließend. Nähert sich das Gerinnsel an das tiefe Venensystem an, muss der Arzt vorsichtshalber genauso verfahren wie bei der tiefen Venenthrombose (siehe oben). Eine Thrombose einer Stammvene sollte zügig operiert werden.

Auch bei einer vermeintlich harmlosen Venenentzündung gilt deshalb: Immer vom Arzt abklären lassen – und zunächst vorsichtshalber wie bei einer tiefen Venenthrombose verfahren.

Was ist ein Cava-Filter?

Ein Cava-Filter oder Cavaschirmchen ist eine Art feines Drahtgeflecht. Der Arzt platziert den Filter mit Hilfe eines Katheters (eines feinen Schlauches) unter örtlicher Betäubung in der Hohlvene. Diese Ader heißt Vena cava – daher hat das Schirmchen seinen Namen. In der Hohlvene soll der Schirm wie ein Sieb Thrombusteilchen abfangen, die eventuell im Blutstrom schwimmen. Die Blutklümpchen können nicht mehr so leicht in die Lunge gelangen und eine Lungenembolie auslösen. Je nach System ist der Filter wieder entfernbar, wenn er nicht mehr gebraucht wird.

Solche Schirmchen kommen in speziellen Fällen zum Einsatz – wenn eine Therapie mit Gerinnungshemmern nicht möglich ist, weil bestimmte Aspekte dagegen sprechen. Oder dann, wenn immer wieder Lungenembolien auftreten.

Nachteil der Methode: Es können sich auch am Cava-Filter selbst Thromben bilden. Außerdem kann der Blutfluss behindert werden mit Ausbildung eines postthrombotischen Syndroms und anhaltender Beinschwellung. Vorteile und mögliche Nachteile müssen deshalb sorgfältig abgewogen werden.

Therapie der arteriellen Thrombose

Thromben kommen auch in arteriellen Blutgefäßen vor – zum Beispiel als Folge einer Arteriosklerose ("Gefäßverkalkung") bei einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall. Oder sie entstehen durch bestimmte Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern im Herz. Dann weicht die Therapie überwiegend von der hier beschriebenen ab. Mehr zu häufigen Krankheitsbildern und den Behandlungsmethoden lesen Sie hier:

 

nach obenWie kann ich einer Thrombose vorbeugen?

Manche Risiken für eine Thrombose kann man nicht ausschalten, zum Beispiel höheres Lebensalter oder eine angeborene Blutgerinnungsstörung. Andere Faktoren sind beeinflussbar.

Folgende Tipps verringern die Gefahr, dass sich ein Blutgerinnsel in den Venen bildet:

  • Viel bewegen: Ausdauersportarten wie Schwimmen, Walking, Radfahren oder Wandern bringen die "Muskelpumpe" in Schwung und unterstützen dadurch den Blutfluss in den Beinvenen. Förderlich ist auch Venengymnastik. Alles, was die Wadenmuskeln gleichmäßig aktiviert, ist günstig – zum Beispiel auch tanzen. Als weniger gut geeignet für Venenpatienten gelten Sportarten, die vor allem auf abrupte Stopps, Richtungswechsel und Kraft setzen – wie Tennis, Squash oder Gewichtheben.
  • Langes Sitzen und Stehen vermeiden: Leider lässt sich das im Berufsleben nicht immer einrichten. Wenn möglich, sollte man aber zwischendurch wenigstens Fußgymnastik betreiben – das ist auch unauffällig unter dem Schreibtisch möglich. Oder immer wieder ein paar Schritte gehen, die Füße mal hochlegen. Viele Anregungen finden Sie im Video Venengymnastik.
  • Ausreichend trinken: mindestens 1,5 Liter täglich sollten es sein – sofern keine Krankheiten wie eine Herzschwäche oder ein Nierenleiden dagegen sprechen. Gut geeignet sind kalorienarme Getränke wie Mineralwasser, Tee oder stark verdünnte Fruchtsaftschorlen.
  • Ausgewogen ernähren und Übergewicht langsam abbauen.
  • Nicht rauchen
  • Venen nicht einschnüren: Längere Zeit die Beine übereinander schlagen oder die Knie stark abwinkeln – für Venenpatienten ist das nicht so ideal. Denn dabei könnten Blutgefäße in den Kniekehlen abgedrückt werden, was die Gerinnselbildung fördern könnte. Tragen Sie auch besser keine einschnürenden Kleidungsstücke – zum Beispiel Strümpfe mit sehr engem Gummi.
  • Kompressionsstrümpfe ("Thrombosestrümpfe") wie vom Arzt empfohlen möglichst konsequent tragen. Wer keine Kompressionsstrümpfe tragen muss, kann vorbeugend Stützstrümpfe aus der Apotheke anziehen, wenn längeres Stehen unvermeidlich ist, eine lange Flug- oder Busreise ansteht oder wenn es sehr warm ist. Vorsicht: Stützstrümpfe sind kein Ersatz für Kompressionsstrümpfe!

Frauen lassen sich am besten zu der Frage beraten, welche Verhütungsmethode die geeignete ist. Bestimmte "Anti-Baby-Pillen" könnten zum Beispiel ungeeignet sein, weil sie das Thromboserisiko steigern. Auch eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren muss gut abgewogen werden

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Langes Sitzen im Auto, Bus oder Flugzeug erhöht die Gefahr einer Thrombose. Wichtig: Immer wieder kleine Bewegungseinheiten einbauen und auf eine ausreichende Trinkmenge achten. Je nach individuellem Risiko können weitere Maßnahmen sinnvoll sein. Der Arzt berät dazu.

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Vor und nach Operationen oder bei längeren Krankenhausaufenthalten werden Patienten häufig angewiesen weiße "Anti-Thrombosestrümpfe" anzuziehen. Außerdem erhalten sie gerinnungshemmende Heparin-Spritzen (oft Thrombosespritzen genannt) unter die Haut. Diese Thromboseprophylaxe hat den Sinn, das Risiko für Blutgerinnsel zu verringern.

Wer bereits eine Thrombose erlitten hat, sollte mit seinem Arzt besprechen, welche Vorsichtsmaßnahmen im individuellen Fall besonders wichtig sind.

Dr. med. Norbert Frings

W&B/Privat

nach obenBeratender Experte

Dr. med. Norbert Frings leitet seit 1988 als Chefarzt und Ärztlicher Direktor die Capio Mosel-Eifel-Klinik, Fachklinik für Venenerkrankungen, Bad Bertrich. Er ist Chirurg, Gefäßchirurg und Phlebologe. Dr. Frings fungiert als Wissenschaftlicher Berater der Deutschen Venen-Liga, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. Außerdem ist Dr. Frings Chairman der Internationalen Saphenofemoral Recurrence Research Group (SRRG) zur Erforschung des Krampfader-Rezidivs sowie Wissenschaftlicher Beirat im Internationalen Forum für Minichirurgie. 2010 erhielt Dr. Frings die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz.

Quellen:

S3-Leitlinie: Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE), Stand: 15.10.2015

S2-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie, Stand: 10. Oktober 2015

Herold, G, et al.: Innere Medizin, Köln Gerd Herold 2014

https://www.gesundheitsinformation.de/tiefe-venenthrombose-tvt.2408.de.html, Abruf Juli 2017


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Jörg Neisel, iStock/peepo, Thinkstock/iStockphoto, W&B/Martina Ibelherr

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