Ein höchst sensibles Thema an höchst sensibler Stelle: Es geht um die Vorhaut des Mannes. Allein die Vorstellung, dass sich eine Klinge dem Penis nähert, um den Schutzmantel der Eichel zu stutzen, lässt die meisten Männer erschaudern.

In manchen Kulturkreisen ist eine Beschneidung trotzdem nicht die Ausnahme, sondern die Regel. So werden viele Jungen aus reli­giösen Gründen schon als Kind beschnitten. Es kann aber auch vorkommen, dass der Schnitt medizinisch notwendig wird. Und zwar dann, wenn die Vorhaut verengt ist – in der Fachsprache Phimose genannt – und nicht mehr über die Eichel zurückgezogen werden kann.

Manchmal hilft eine Therapie mit Salben

"Phimosen können angeboren und bereits im Kindesalter vorhanden sein, aber auch später im Erwachsenenalter entstehen", sagt Professor Burkhard Ubrig, Chefarzt der Klinik für Urologie in Bochum. Im Kindesalter besteht allerdings normalerweise noch kein Handlungsbedarf, die Verklebungen der Vorhaut gelten als sehr häufig und lösen sich in den allermeisten Fällen im Laufe der Zeit. Im Erwachsenenalter wird eine Phimose zunächst meist mit kor­tisonhaltigen Salben behandelt.

Eine Beschneidung ist medizinisch erst dann angeraten, wenn die Salbentherapie keinen Erfolg zeigt oder wenn die Verengung von Anfang an besonders ausgeprägt ist, sodass sie spürbare Beschwerden beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr macht. Der Eingriff ist nicht aufwendig und in aller Regel risikoarm. Bei Erwachsenen wird er meist am­­bulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt.

Risiko für Infektionen geht zurück

Gelegentlich reagiert nach der Operation jener Teil des Penisschafts übersensibel, der zuvor von der Vorhaut bedeckt war und nach der Beschneidung frei liegt. So kann schon das Anziehen und Tragen der Unterhose anfangs ein unangenehmes Gefühl hervorrufen.

Es geht eben um ­­eine höchst sensible Stelle, die aber laut dem Urologen Ubrig auch recht anpassungsfähig ist. Meist verschwinden diese Probleme nach ein paar Wochen weitgehend, wenn sich die Nerven an die neue Reizumgebung gewöhnt haben.

Operation am Penis: Bei einer vollständigen Beschneidung (Zirkumzision) trennt der Arzt die Vorhaut auf und vernäht den gekürzten Hautring unterhalb der Eichel

Operation am Penis: Bei einer vollständigen Beschneidung (Zirkumzision) trennt der Arzt die Vorhaut auf und vernäht den gekürzten Hautring unterhalb der Eichel

Es bleibt ein Vorteil: Beschnit­tene Männer haben Studien zufolge seltener Infektionen und Geschlechtskrankheiten. Das liegt auch daran, dass sich Bakterien und Viren unter der Vorhaut leichter halten und vermehren können: Kann sie nicht mehr zurückgezogen werden, haben Keime leichtes Spiel. So könnte es auch sein, dass wiederholte Pilz­infektionen unter der Vorhaut bei einer bestehenden Diabetes-Erkrankung die Entwicklung einer Phimose mit der Zeit begünstigen.

Auf die Hygiene achten

Beschnitten oder nicht – Safer Sex ist und bleibt die wichtigste Maßnahme, um das Risiko für Infektionen und Geschlechtskrankheiten gering zu halten. "Man sollte für die Hygiene ein bis zwei Mal am Tag die Vorhaut zurückziehen, am besten unter der ­Dusche oder in der Badewanne", ­­erläutert Professor Axel Merseburger, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Schleswig-­Holstein in Lübeck.

Das verhindere auch, dass sich unter der Vorhaut weißliche Ablagerungen (sogenanntes Smegma) bilden, die Entzündungen fördern. Er empfehle das nicht nur bei verengter Vorhaut, sondern jedem nicht beschnittenen Mann.

Mehr Infos und eine Broschüre für Eltern gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Urologie
www.urologenportal.de
(Im Suchfeld Phimose eingeben)

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