Wechseljahre: Beginn, Symptome, Hilfe bei Beschwerden

Was gegen Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche hilft

aktualisiert am 01.02.2018

Zwei Drittel aller Frauen kommen relativ problemlos durch die Wechseljahre


Was sind die Wechseljahre?

In den Jahren vor und nach der letzten Regelblutung befinden sich Frauen in den Wechseljahren. Sie bezeichnen den Übergang von der Lebensphase, in der Frauen Kinder bekommen können, hin zu der Lebensphase, in der keine Schwangerschaft mehr möglich ist.

Meist beginnen die Wechseljahre ab Mitte 40. Die Eierstöcke produzieren allmählich weniger Geschlechtshormone, der Eisprung bleibt häufiger aus. Die Fruchtbarkeit nimmt ab. Ein Anzeichen: Die Monatsblutungen kommen unregelmäßiger. Die Zyklen sind anfangs oft kürzer, später oft länger. Schließlich enden die Monatsblutungen ganz.

Die allerletzte Monatsblutung wird Menopause genannt. Im Durchschnitt sind Frauen zu diesem Zeitpunkt hierzulande 51 Jahre alt. Die Bandbreite ist jedoch groß. Bei manchen Frauen hört die Periode schon im Alter von 45 oder früher auf. Andere erleben die Menopause erst mit Mitte 50. Bis die hormonelle Umstellung ganz abgeschlossen ist, vergehen üblicherweise noch weitere Jahre. Der Fachbegriff für die Wechseljahre lautet Klimakterium.

Eine Hormonuntersuchung beim Frauenarzt kann Hinweise liefern, ob die Wechseljahre bereits begonnen haben. Nötig ist so ein Test normalerweise nicht. Die Krankenkassen zahlen ihn nur in Sonderfällen, etwa beim Verdacht auf vorzeitige Wechseljahre. Stoppt die Blutung vor dem 40. Lebensjahr, handelt es sich um eine vorzeitige Menopause.

Symptome: Wechseljahrsbeschwerden

Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine ganz normale Lebensphase. Weil sich der Spiegel der weiblichen Geschlechtshormone Progesteron und Östrogen in dieser Zeit verändert, kann es jedoch zu Symptomen wie Hitzewallungen oder Schweißausbrüchen kommen. Ob und wie stark Frauen unter Wechseljahrsbeschwerden leiden, ist individuell sehr verschieden. Ein Drittel aller Frauen kommt gut damit zurecht und hat keine oder kaum Probleme.

Typische Beschwerden:

Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Nachtschweiß

Viele Frauen haben in den Wechseljahren mit wiederkehrenden Hitzewallungen zu kämpfen. Meistens breitet sich plötzlich eine Hitzewelle über Gesicht, Hals und Oberkörper aus. Das Gesicht rötet sich und es folgt ein Schweißausbruch, der einige Minuten anhält, danach setzt oft ein Frösteln ein. Bei rund einem Drittel der Betroffenen treten solche Hitzewallungen über eine Zeitraum von fünf Jahren und länger auf. Bei vielen Frauen bessern sich Hitzewallungen im Verlauf der Wechseljahre von alleine wieder.

Auch nachts schwitzen manche Frauen in den Wechseljahren verstärkt. Das kann den Schlaf stören. Allerdings gibt es auch andere Ursachen für Nachtschweiß – mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Nachtschweiß.

Weitere mögliche Symptome:

Zahlreiche weitere Symptome werden mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht. Ob sie tatsächlich alle auf Hormonveränderungen zurückzuführen sind, ist in vielen Fällen fraglich. Es sind auch andere Ursachen denkbar. Manche Beschwerden treten mit zunehmendem Lebensalter generell häufiger auf. Daher sollten Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.

Trockenheit der Scheide

Die hormonelle Umstellung kann dazu führen, dass die Schleimhäute im Genitalbereich dünner und trockener sowie anfälliger für Verletzungen und Infektionen werden. Die Scheide wird bei Erregung nicht mehr richtig feucht, Frauen haben eventuell Schmerzen beim Sex. Manche Frauen berichten, dass sie häufiger unter Harnwegsinfekten leiden.

Schlafstörungen

Oft werden Schlafprobleme mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht. Eine gestörte Nachtruhe kann die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und zu Erschöpfung am Tag führen. Allerdings gilt auch hier: Es gibt zahlreiche mögliche Gründe für Schlafstörungen. Einen Überblick bietet der Ratgeber Schlafstörungen.

Stimmungsschwankungen, Unruhe

Hormonschwankungen werden als eine mögliche Ursache für depressive Verstimmungen, Antriebslosigkeit, Nervosität und innere Unruhe diskutiert. Ob das im Einzelfall zutreffen könnte, sollte mit dem Arzt geklärt werden. Mehr zum Thema lesen Sie in den Ratgebern Depressive Verstimmung und Nervöse Unruhe.

Zyklusschwankungen, veränderte Blutungen

Das hormonelle Ungleichgewicht führt häufig zu Änderungen im Zyklus. Die Abstände zwischen den Monatsblutungen verkürzen oder verlängern sich. Bei manchen Frauen wird die Blutung stärker. Auffälligkeiten im Zyklus sollten vorsichtshalber immer vom Arzt untersucht werden.

Gewichtszunahme

Frauen werden in den Wechseljahren oft etwas fülliger. Allerdings legen auch viele Männer im mittleren Lebensalter an Gewicht zu. Denn mit den Jahren sinkt bei beiden Geschlechtern der Kalorienbedarf, die Muskelmasse verringert sich. Wer nicht gegensteuert, nimmt unweigerlich zu. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung und viel Bewegung helfen, das Gewicht zu halten beziehungsweise wieder abzunehmen.

Osteoporose- und Herzkreislauf-Risiko steigen an

Mit der hormonellen Umstellung steigt das Risiko für die Knochenkrankheit Osteoporose an, ebenso die Gefahr für Krankheiten von Herz und Gefäßen. Wer sich bewusst gesund ernährt und reichlich bewegt, kann damit zumindest etwas gegensteuern.

Die Wechseljahre fallen bei vielen Frauen in eine Zeit weiterer "Wechsel" im Leben: Die Kinder sind selbstständig, gehen aus dem Haus. Plötzlich bleibt wieder mehr Zeit für die Partnerschaft. Das kann die Beziehung stärken, manchmal zur Herausforderung werden. Auch im Job haben viele Frauen in dieser Lebensphase den Zenit erreicht oder bereits überschritten. Manche orientieren sich beruflich um oder wagen den Neustart nach der Kindererziehung. Auch solche Umbrüche im Privaten wie im Berufsleben beeinflussen das Wohlbefinden – positiv oder negativ.

Therapiemöglichkeiten

Die Wechseljahre sind keine Krankheit, eine Behandlung ist nicht zwingend nötig.

Rund ein Drittel aller Frauen leidet allerdings sehr stark unter Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. In solchen Fällen kommt eine Hormontherapie infrage. Sie ersetzt teilweise Hormone, die der Körper selbst nicht mehr produziert und kann so Beschwerden lindern.

Ob Hormone im Einzelfall sinnvoll sind, und falls ja in welcher Form, sollte individuell mit dem Arzt besprochen werden. Eine Hormontherapie kann Nebenwirkungen haben, auch sie sollten zur Sprache kommen. Das Risiko für Blutgerinnsel und Brustkrebs kann ansteigen. Vor- und Nachteile müssen also sorgfältig abgewogen werden. Ärzte stimmen die Hormonbehandlung individuell auf die Bedürfnisse der Patientin ab. Dabei verfahren sie nach dem Prinzip: So wenig Hormone wie möglich, so viel wie nötig. Das bedeutet, dass die Hormone in der niedrigsten wirksamen Dosierung und für die kürzest mögliche Dauer eingesetzt werden.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer Monotherapie, bei der nur Östrogene eingesetzt werden, und einer Kombinationstherapie, bei der eine Kombination aus Östrogen und Gestagen verwendet wird. Da Östrogene allein das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut zu stark anregen würden und das Risiko für Gebärmutterkörperkrebs erhöhen, wird in der Regel eine Kombinationstherapie verordnet. Wenn bei einer Frau jedoch die Gebärmutter entfernt ist, gibt es meist keinen Grund mehr für Gestagene.

Hormone: Verschiedene Anwendungsformen

Hormonpräparate gibt es in Tablettenform, als Pflaster, Gel oder Nasenspray. Hormonpflaster sind mit unterschiedlichen Dosierungen erhältlich. Die Körperstelle zum Aufbringen muss in jedem Fall trocken und fettfrei sein, da die Pflaster sonst nicht richtig haften können. Klebt das Pflaster korrekt, kann man damit wie gewohnt duschen, baden oder auch Sport treiben. Das Pflaster muss meistens zweimal wöchentlich erneuert werden, um einen gleichmäßigen Hormonspiegel zu gewährleisten. Eine direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden, da sich der Wirkstoff zersetzen kann. In manchen Fällen kommt es zu Hautirritationen wie Rötungen und Brennen.

Bei trockener Scheide helfen östrogenhaltige Cremes, Zäpfchen oder Gele, die in die Scheide eingeführt werden. Hier entfalten sie sofort ihre Wirkung. Auch bei der örtlichen Form der Hormontherapie gelangt allerdings eine gewisse Menge Hormon in den Blutkreislauf.

Auch Feuchtigkeit spendende Cremes und Gleitmittel ohne Hormone können den Geschlechtsverkehr erleichtern.

Pflanzliche Wirkstoffe

Die grüne Apotheke hält einiges bereit, was Wechseljahrsbeschwerden lindern soll. Dazu gehören zum Beispiel die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) und der Mönchspfeffer (Agnus castus). Inhaltsstoffe der Pflanzen sollen regulierend in den weiblichen Hormonhaushalt eingreifen. Eindeutig wissenschaftlich belegt ist diese Wirkung aber nicht. Gegen Schlafstörungen kommen unter anderem pflanzliche Schlafmittel infrage, zum Beispiel mit Baldrian, Hopfen, Melisse oder Passionsblume. Wichtig: Auch bei pflanzlichen Medikamenten gibt es Neben- und Wechselwirkungen. Mögliche Vor- und Nachteile der Therapie deshalb mit dem Arzt besprechen.

Gesunder Lebensstil

Eine gesunde Lebensweise empfiehlt sich generell – nicht nur für Frauen in den Wechseljahren. Wer sich ausgewogen ernährt, viel bewegt, Genussgifte meidet und für ausreichend Erholung sorgt, fühlt sich in der Regel ausgeglichener und kann mit Stress oder Beschwerden meist besser umgehen. Hier finden Sie Anregungen für ein gesundes Leben.

Thema Verhütung

Kann man trotz Wechseljahren schwanger werden? Ja. Mit den Wechseljahren wird eine Schwangerschaft zwar deutlich unwahrscheinlicher – aber nicht unmöglich. Deshalb müssen Paare weiterhin verhüten, wenn sie eine Schwangerschaft sicher ausschließen wollen. Welche Methode am besten geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Der Frauenarzt kann dazu individuell beraten.

Wie lange verhütet werden sollte, klären Frauen am besten ebenfalls mit ihrem Arzt. Eine Faustregel besagt, dass erst ein Jahr nach der letzten Regelblutung auf die Verhütung verzichtet werden kann. Voraussetzung: Die Frau hat einen "natürlichen" Zyklus, nimmt also keinerlei Hormone zur Therapie oder als Verhütungsmittel.

Wechseljahre beim Mann?

Ob Männer tatsächlich ebenfalls "Wechseljahre" erleben, und welche Symptome damit möglicherweise verbunden sein könnten, ist sehr umstritten. Klar ist, dass sich auch bei Männern der Hormonspiegel natürlicherweise mit den Lebensjahren ändert, allerdings deutlich weniger abrupt als bei Frauen. Männer können außerdem oft noch bis ins hohe Lebensalter Kinder zeugen.

Nur ein Teil der Männer weist einen eindeutigen Mangel des Sexualhormons Testosteron auf. Mögliche Anzeichen, die damit in Verbindung stehen können, sind weniger Lust auf Sex, Antriebsmangel, Verstimmungen, Gewichtszunahme am Bauch. Bestätigt sich der Mangel bei einer ärztlichen Untersuchung und liegen entsprechende Beschwerden vor, kann der Arzt Testosteron einsetzen. Auch hier sollten jedoch Vor- und Nachteile der Therapie abgewogen werden. Die genannten Symptome müssen zudem nicht auf einen Hormonmangel zurückzuführen sein, sie können auch andere Ursachen haben.

Beratender Experte

Dr. med. Günter Raab ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und Privatdozent an der TU München. Neben seiner Praxistätigkeit im Zentrum für Frauenmedizin im Schäfflerhof, München, arbeitet er als Belegarzt in der WolfartKlinik in Gräfelfing. Neben allgemeiner Gynäkologie sind seine Spezialgebiete die operative Gynäkologie und Brusterkrankungen.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.