Nicht erst, wenn nach dem 50. Geburtstag die erste Einladung zur Mammographie im Briefkasten liegt, setzen sich die meisten Frauen mit dem Thema Brustkrebs auseinander. Die Tastuntersuchung der Brüste gehört schon früh dazu zum jähr­lichen Termin bei Gynäkologin oder Gynäkologe.

Viele Frauen tasten sich auch regelmäßig zu Hause nach Veränderungen ab. Manche verzichten auf bestimmte Deodorants, weil diese krebserregende Stoffe enthalten sollen, andere auf Alkohol. Manche Frauen sind Trägerinnen einer Genmutation, die es sehr wahrscheinlich macht, Brusttumore zu bekommen. Seit sich US-Schauspielerin Ange­lina Jolie deswegen beide Brüste und die Eierstöcke entfernen ließ und dafür großes ­Medienecho bekam, ist das vielen bekannt.

Frauen mit familiärer Vorbelastung wie Angelina Jolie haben die höchste Wahrscheinlichkeit, irgendwann die Diagnose Brustkrebs zu erhalten. In ihrer Familie sind bereits Frauen an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt – sie sind womöglich Trägerinnen eines veränderten Gens, das diese Krebs­arten auslösen kann.

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Welche Gene spielen bei Brustkrebs eine Rolle?

Insgesamt elf solcher Gene können derzeit untersucht werden, nicht alle erhöhen das Risiko gleicher­maßen. Die höchste Gefahr entsteht durch die Gene BRCA1 und BRCA2. Frauen mit dieser Genveränderung haben ein Risiko von 50 bis 80 Prozent, im Lauf ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. „Zum Vergleich: Bei einer Frau ohne genetische Vorbelastung liegt es bei zwölf Prozent“, sagt Dr. Joke Tio, leitende Ärztin am Brustzentrum des Universitätsklinikums Münster.

Wann ist es sinnvoll, dieses Risiko durch einen Gentest abklären zu lassen?

„Zum Beispiel wenn eine Betroffene sehr jung, vor dem 36. Lebensjahr erkrankt ist oder über mehrere Generationen die gleichen Tumore auftreten“, erklärt Professor Dr. Annette Hasenburg, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Geburts­hilfe und Frauengesundheit an der Universitätsmedizin Mainz und Spezialistin für gynäkologische Onkologie.

Dann ist eine ausführliche Beratung wichtig: Gab es schon Brustkrebsfälle in der Familie? Und wie viele – inklusive der väterlichen Linie? Das Wissen um das genetische Risiko ist wichtig, da es erblich ist, eine Mutter den Gendefekt also an ihre Tochter weitergeben kann. Auch Männer können Träger des Brustkrebs-Gens sein, es vererben und – in seltenen Fällen – selbst erkranken.

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Sicherheit gibt ein Gentest bei einem niedergelassenen Humangenetiker oder an ­einem spezialisierten Zentrum. Geht aus diesem Test eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung hervor, sollten die betroffenen Frauen die intensivierte Früh­erkennung wahrnehmen. Dazu gehören ein Ultraschall zweimal pro Jahr, eine jährliche Magnetresonanztomographie (MRT) und ab dem 40. Lebensjahr die Mammographie ­alle ein bis zwei Jahre.

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Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für einen Gentest?

Die gesetzlichen Kassen übernehmen bei Hinweisen auf ­eine fami­liäre Vorbelastung die Kosten für den Gentest und für die intensivierte Früh­erkennung. Eine Brustamputation kann das Risiko zu erkranken reduzieren, hilft vielen aber auch psychisch: Die Angst vor dem Krebs wird kleiner. „Es lässt sich jedoch nicht pauschal sagen, bei einem Gendefekt sei die Brustentfernung immer angeraten“, betont Tio.

Welchen Einfluss haben die Hormone?

Ein sogenanntes Mammakarzinom entsteht in der Brustdrüse und kann in das tief liegende Gewebe der Brust hineinwachsen. Auch die Dichte des Brustgewebes kann ­einen Einfluss haben – weniger auf das ­Risiko zu erkranken als auf den Zeitpunkt der Diagnose. Bei hoher Brustdichte ist in der Mammographie das weiß abgebildete Drüsengewebe kaum vom ebenfalls weiß dargestellten Tumor zu unterscheiden.

Im Lauf des Lebens verändert sich die Brust, es bildet sich mehr Fettgewebe. Dieses ist durchlässig für die Röntgenstrahlen, eine Veränderung lässt sich besser erkennen. ­Eine hohe Brustdichte kann dazu führen, dass Tumore mittels Mammographie erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt werden. Deshalb gehört häufig auch ein Ultraschall zur Untersuchung, um Auffälligkeiten frühzeitig festzustellen.

Brustkrebs wächst hormonabhängig. Das heißt, vor allem das weibliche Hormon Östrogen kann das Wachstum von Tumor­zellen anregen. „Daher wird auch diskutiert, ob eine frühe erste Periode und ein später Beginn der Wechseljahre, also eine längere Östrogen-Produktion, einen Einfluss haben“, sagt Annette Hasenburg. „Das Risiko steigt, aber nur gering.“ Schwangerschaften und das Stillen senken es dagegen.

Viele Frauen nehmen im Lauf ihres Lebens Hormone, vor allem zur Verhütung oder zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden. Immer mehr sehen dies kritisch und wollen darauf verzichten – auch wegen des Krebsrisikos. Hier muss man unterscheiden: Für die hormonelle Verhütung, die Anti­babypille, konnte bislang kein Zusammenhang mit einem Brustkrebsrisiko gefunden werden. Dagegen reduziert die Pille das Risiko für Gebärmutter- oder Eierstockkrebs. Dies gilt allerdings nur für Kombi-Präpa­rate, nicht für andere hormonelle Verhütungsmittel wie die Hormonspirale oder den Vaginalring.

Belegt ist das erhöhte Brustkrebsrisiko für die Einnahme einer Hormonersatztherapie zur Behandlung von Hitzewallungen in den Wechseljahren. Das Risiko steigt, je länger und je höher dosiert eine Frau die Hormone nimmt. Empfohlen wird eine möglichst niedrige Dosis über maximal fünf Jahre.

„Bei einer Einnahmedauer von fünf Jahren erhöht sich das Risiko etwa 1,2- bis 1,4-fach, das bedeutet: Ohne Hormoneinnahme erkranken beispielsweise im Alter zwischen 50 und 55 circa 12 von 1000 Frauen, mit Hormontherapie 16 von 1000. Das ist ­eine geringe Risikoerhöhung“, sagt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebs-­informationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Abschließend erwiesen ist der Einfluss der Hormone auf den Brustkrebs nicht. „Es ist weiterhin unklar, ob die Therapie den Brustkrebs auslöst oder einen bereits bestehenden Krebs sozusagen füttert“, erklärt Joke Tio.

Dr. Joke Tio ist leitende Ärztin am Brustzentrum des Universitätsklinikums Münster

Dr. Joke Tio ist leitende Ärztin am Brustzentrum des Universitätsklinikums Münster

Da Brustkrebs oft hormonabhängig ist, könnte es sein, dass er durch die ­Gabe von Hormonen schneller wächst. Wissenschaftliche Nachweise dafür fehlen aller­dings. „Aufgrund dieser Datenlage wägen wir gut ab, wann die Hormonersatz­therapie zum Einsatz kommt. Bei ausgeprägten Wechseljahresbeschwerden hilft sie sehr gut“, sagt Tio und betont: „Absolut wichtig ist, während der Behandlung die Brust regelmäßig zu kontrollieren.“

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Alkohol und Bewegungsmangel erhöhen Risiko

Gerade was Brustkrebs betrifft, kursieren immer noch Mythen, die verunsichern, aber längst widerlegt sind. Etwa dass Aluminiumsalze oder Konservierungsstoffe (Parabene) in Deodorants die Krankheit auslösen. „Dafür gibt es keine überzeugenden Belege und man muss sich keine Sorgen machen, wenn man ein Deo mit Aluminiumsalzen benutzt hat“, sagt Susanne Weg-Remers. Auch für die Parabene konnte kein Risiko nachgewiesen werden.

Sehr wohl erwiesen, aber längst nicht so bekannt, ist der Einfluss von Alkohol und Bewegungsmangel auf das Brustkrebsrisiko. Das gilt vor allem für Alkohol: Mit jedem Glas Wein oder Bier steigt die Gefahr, auch schon bei geringen Mengen. Studien gehen davon aus, dass Alkohol sogar für 7 von 100 Brustkrebserkrankungen bei Frauen in Deutschland verantwortlich ist. Das enthaltene Ethanol sowie das Abbauprodukt Azetaldehyd können Krebs auslösen, indem sie das Erbgut schädigen und Reparaturmechanismen stören.

„Im Hinblick auf Tumorerkrankungen sollte man auf Alkohol möglichst verzichten“, sagt Weg-Remers. Entscheidend sei, gewisse Mengen nicht zu überschreiten, das heißt für Frauen: maximal ein Achtelliter Wein oder 0,3 Liter Bier pro Tag und mindestens drei Abs­ti­nenztage pro Woche. Das niedrigste Risiko hat, wer gar keinen Alkohol trinkt.

Noch besser: auf Alkohol zu verzichten und Sport zu treiben. Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie wichtig der eigene Lebensstil für das Krebsrisiko ist. „Übergewicht nach den Wechseljahren in Kombination mit Alkohol steigert das Brustkrebs­risiko“, sagt Weg-Remers. Viel Bewegung, Rauchstopp und der Verzicht auf Alkohol können es senken.

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Das Körpergewicht ist dabei ein wichtiger Faktor. „Wir sehen, dass mit dem Gewicht gerade bei Frauen nach der Menopause das Krebsrisiko deutlich ansteigt“, sagt Annette Hasenburg. „Wir ­sehen aber auch, dass körperliche Aktivität die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung oder das Wiederauftreten eines Tumors deutlich reduzieren kann.“ Ab heute Diät halten für ein geringes Risiko? Nein – genügend Bewegung und eine ausgewogene ­Ernährung brächten viel, sagt Hasenburg: „Das größte Potenzial, das Risiko zu senken, liegt in einer gesunden Lebensweise.“

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Quellen:

  • World Cancer Research Fund: Alcoholic drinks and cancer risk. https://www.wcrf.org/... (Abgerufen am 06.05.2022)
  • Carbine NE, Lostumbo L, Wallace J, Ko H: Wenn eine risikomindernde Mastektomie in Betracht gezogen wird, sollten Frauen sich ihres persönlichen Risikos, an Brustkrebs zu erkranken, bewusst sein, ebenso wie den Grenzen der derzeitigen Evidenz. Cochrane Library: https://www.cochrane.org/... (Abgerufen am 06.05.2022)
  • akzept e.V. Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik: 8. Alternativer Drogen- und Suchtbericht 2021. https://www.akzept.eu/... (Abgerufen am 08.05.2022)