Was Sie über Venenleiden wissen sollten

Sind Besenreiser nur unschön oder auch gefährlich? Muss jede Krampfader behandelt werden? Ein Überblick

von Konstanze Faßbinder, 20.04.2018

Riskanter Arbeitsplatz: Langes Stillstehen belastet die Beinvenen


Häufig zeichnen sie sich unter der Haut ab, mitunter verursachen sie Schmerzen. Aber es kommt auch vor, dass Menschen überhaupt nicht merken, wenn sich die Venen in ihren Beinen verändern.

Das tun die Blutgefäße im Laufe des Lebens bei fast jedem von uns. Durch die ständige Belastung, ihre unerlässliche Aufgabe im Körper, leiern sie nach und nach aus, werden schwach. Nicht immer hat das gefährliche Folgen. Ein Überblick über die häufigsten Venenleiden.

Das schadet den Venen

Rauchen, Bewegungsmangel, langes Sitzen oder Stehen, zu enge Kleidung, hormonelle ­­Verhütung, Verletzungen der ­­Blutgefäße (etwa durch Kanülen), Flüssigkeitsmangel und falsche Ernährung

Besenreiser

"Sie sehen zwar nicht schön aus, sind aber in den allermeisten Fällen völlig harmlos", sagt Dr. Heiko Wendorff, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Vaskuläre und ­Endovaskuläre Chirurgie am Klinikum rechts der Isar in München. Besenreiser sind die niedrigste Stufe des Krampfader-Leidens: feinste erweiterte Venen in den oberen Hautschichten, die an Elastizität verloren haben. Bläulich bis rötlich zeigen sie sich meist an Fußknöcheln, Oberschenkelaußen­seiten und Kniekehlen.

"Beseitigen lassen sie sich leider nur durch Spritzen oder Lasern", so Wendorff. Meist schmerzen Besenreiser jedoch nicht und sind auch nur in seltenen Fällen Anzeichen für eine tiefer liegende Venenerkrankung. Um das abzuklären, sollten Patienten zu einem Spezialisten gehen, wenn ihre Besenreiser in irgendeiner Form auffällig sind. Er untersucht die Beingefäße dann mit Ultraschall.

Krampfadern

Die augenfälligste und häufigste Venenerkrankung. Gemäß einer deutschen Studie ist jeder siebte Erwachsene betroffen. Grund für die blaulila, manchmal knotigen Bahnen: Die oberflächlichen Venen sind laut Deutscher Gesellschaft für Phlebologie (DGP) dauerhaft ausgeleiert, ihre Venenklappen versagen. Das Blut wird nicht mehr optimal transportiert und versackt in den Beinen.

Zum medizinischen Problem werden Krampfadern, sobald sie ein Spannungsgefühl, Schwellungen oder Schmerzen verursachen. Kompressionsstrümpfe fördern den Rückstrom des Bluts. Bei schweren Formen werden die Gefäße verödet – mittels Injektion oder Laser. Die gängigste OP-Methode ist das Stripping: Die Krampfader wird abgetrennt und herausgezogen. Ohne Behandlung drohen Haut- und Venenentzündungen sowie Geschwüre.

Chronische Venenschwäche

Staut sich das Blut dauerhaft in den oberflächlichen Gefäßen, verursacht der hohe Druck eine Venenschwäche (chronisch-venöse Insuffizienz) – laut Fachgesellschaft DGP die häufigste Ursache für Beschwerden in den Beinen.

Weil vor allem in den Unterschenkeln Blutzellen und Flüssigkeit  aus den Adern in umliegendes Gewebe gedrückt werden, leiden die Patienten unter Schweregefühl, Schwellungen und Schmerzen. Der Stoffwechsel ist gestört, das Bindegewebe verhärtet, die Haut ­verfärbt sich an Knöcheln und Unterschenkeln braun.

Es drohen Entzündungen, Infektionen und Ekzeme. Auch dann helfen Kompressions- und Krampfadertherapien, bei denen die krankhaft veränderten Venen verödet oder entfernt werden. Pflanzliche Mittel zum Einnehmen können die ­Behandlung ergänzen.

Bleibt eine Behandlung aus, kann ein offenes Bein die Folge sein – eine schlecht heilende Wunde am Unterschenkel. "Doch damit muss man nicht auf Dauer leben", sagt Gefäßchirurg Heiko Wendorff. "Mit der entsprechenden Wund- und Venentherapie bekommen Sie beim Spezialisten meist auch langwierige offene Beine wieder in den Griff."

Venenentzündung

Häufige Begleiterscheinung von Krampfadern: Weil das Blut so langsam fließt, entzünden sich die Gefäßwände. Auch zu Gerinnseln kommt es mitunter. Es entsteht ein verhärteter, schmerzhafter Strang am Bein, das Gewebe ist gerötet, überwärmt und geschwollen.

Weil auch eine tief liegende Beinvenenthrombose die Symptome verursachen kann, rät Gefäßexperte Wendorff, sofort einen Arzt aufzusuchen. Schließt dieser ein Gerinnsel als Ursache aus, wird die betroffene Stelle in der Regel gekühlt, hochgelagert und bei Bedarf mit schmerz- oder entzündungshemmender Salbe behandelt.

Thrombose

Entsteht ein Gerinnsel in den tiefen Beinvenen, kann es das Gefäß verstopfen. Auch hier schwillt die Umgebung an, wird heiß und schmerzt. Dann kann es zu einer ­lebensgefährlichen Lungenembolie kommen: Wird das Gerinnsel ganz oder teilweise vom Blut mitgerissen und zur Lunge gespült, kann es dort Gefäße verschließen.

Thrombosen entstehen meist nach längerer Bettlägerigkeit oder zu langem Sitzen. Auch Blutgerinnungsstörungen oder Krebserkrankungen können sie hervorrufen. In jedem Fall gilt: Sie müssen sofort behandelt werden. In der Regel erhalten die Patienten Gerinnungshemmer oder -auflöser sowie eine Kompressionstherapie.