{{suggest}}


Gesundheitswesen: Das ändert sich 2020

Aufbruch in die Zukunft: Das Jahr 2020 soll mehr Teilhabe bringen, weniger bedrucktes Papier, mehr digitale Versorgung. Ein Überblick über wichtige Änderungen und Gesetze

von Julia Rudorf, 02.01.2020
Digitales Versorgungsgesetz 2020 Rakete Silvester

Teilhabe-Gesetz, digitale Versorgung, Wiederholungsverordnungen, mehr Masernschutz: 2020 wird ein spannendes Jahr


Was im neuen Jahr wohl passiert? In der Gesundheitspolitik ist diese Frage mehr als berechtigt. Denn 2019 war ein temporeiches Jahr, in dem vom Bundesgesundheitsministerium vieles in die Wege geleitet und angestoßen wurde – von der Neuregelung der Organspende bis zur elektronischen Patientenakte. Selbst unter Experten ist man sich nicht in allen Punkten sicher, welche Änderungen denn nun wirklich in naher Zukunft kommen werden – und in welcher Form.

Neue Leistungen, neue Kosten

Relativ sicher ist jedenfalls, dass für die Krankenkassen die fetten Jahre dem Ende entgegengehen. Noch summieren sich die Rücklagen zwar auf über 20 Milliarden Euro. Doch einige der geplanten Änderungen in Medizin und Pflege bedeuten auch höhere Ausgaben. 2020 könnte für manche gesetzlich Versicherten deshalb der Zusatzbeitrag steigen, von derzeit im Schnitt 0,9 Prozent auf 1,1 Prozent. Warum nicht alle von dieser Erhöhung betroffen sein werden und welche weiteren wichtigen Neuerungen in Kraft treten, haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Zusatzbeiträge

Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz zur Krankenversicherung wird im kommenden Jahr um 0,2 Prozentpunkte angehoben. Durch die demografische Entwicklung und zahlreiche angestoßene sowie bereits umgesetzte Gesundheitsreformen rechnen die Experten mit wachsenden Ausgaben der gesetzlichen Kassen. Der Anstieg um 0,2 Prozentpunkte für den Zusatzbeitrag ist allerdings ein rein statistischer Wert.

Nicht alle Versicherten müssen 2020 tiefer in die Tasche greifen. Manche Kassen könnten – je nach ihrer Finanzlage – auch ohne eine Anhebung auskommen. Sogar eine Senkung des Zusatzbeitrags wäre möglich.

Teilhabe-Gesetz

Am 1. Januar treten weitere Punkte des Bundesteilhabegesetzes in Kraft. Das Gesetzespaket von 2016 soll die Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung verbessern. In der dritten Stufe geht es um die finanzielle Situation Betroffener und Angehöriger. Leistungsbezieher sollen mehr von ihren Einkünften behalten können. Zudem steigt der Vermögensfreibetrag auf rund 50.000 Euro.

Partnereinkommen und -vermögen werden nicht mehr herangezogen. Betroffene können sich bei der ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) genauer informieren lassen. In ganz Deutschland gibt es mittlerweile rund 500 dieser Beratungsstellen.

Digitale-Versorgung-Gesetz

Schon jetzt nutzen viele Menschen Gesundheits-Apps auf dem Smartphone. Diese erinnern zum Beispiel Hochdruckpatienten an Medikamente oder Diabetiker an die Blutzuckerkontrolle. Künftig können solche Apps auch vom Arzt verschrieben werden, die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Außerdem soll es einfacher werden, einen Arzt zu finden, der Videosprechstunden anbietet. Vielversprechende Projekte zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung sollen mit 200 Millionen Euro jährlich gefördert werden.

Wiederholungsverordnungen

Bislang war es so: Patienten, die etwa wegen einer chronischen Krankheit immer wieder das gleiche Medikament benötigen, mussten jedes Mal zuerst in die Arztpraxis gehen, um ein neues Rezept dafür zu bekommen. Ab dem 1. März 2020 werden solche Patienten entlastet. Der Arzt soll ihnen sogenannte Wiederholungsverordnungen ausstellen können. Er muss jedoch von Fall zu Fall entscheiden, bei welchem Patienten und welchen Arzneien das infrage kommt.

Mit der Wiederholungsverordnung erhält der Patient dann das Medikament in der gleichen Packungsgröße bis zu vier Mal in seiner Apotheke.

Masernschutz-Gesetz

Ab März 2020 sollen Kinder und Jugendliche besser vor Masern geschützt werden. Besuchen sie eine Kita, Schule oder andere Gemeinschaftseinrichtung, müssen sie einen Impfschutz nachweisen. Gleiches gilt für Lehrer, Erzieher und das Personal in medizinischen Einrichtungen.

Masern sind hoch ansteckend und können zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen. Um die Krankheit auszurotten, müssen mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein.

Hilfe unter Nummer 116 117

Ab Januar könnte diese Telefonnummer noch wichtiger werden als bisher. Unter 116 117 sollen gesetzlich Versicherte nicht nur im Notfall oder außerhalb der Praxisöffnungszeiten einen Termin beim Arzt erhalten, sondern auch erste Einschätzungen zu medizinischen Problemen sowie Facharzttermine. Diese Nummer gilt deutschlandweit ohne Vorwahl und ist kostenlos im Festnetz und per Handy erreichbar.

Menschen in schweren psychischen Notlagen können sogar innerhalb von zwei Wochen einen Termin bekommen, bei anderen kann es vier Wochen dauern. Patienten brauchen für den Termin-Service am Telefon einen Überweisungs- oder Vermittlungscode, den sie bei ihrem Hausarzt erfahren. Was es unter der 116 117 nicht gibt: einen Termin beim Wunscharzt.

Weitere Informationen, etwa zu den geplanten Gesundheits-Apps, finden Sie unter anderem auch im Internet unter www.verbraucherzentrale.de