Tauchen: Das sollten Sie beachten

Einfach Anzug an, Maske auf, abtauchen und Fische und Unterwasserwelt erkunden? Lieber nicht. Weshalb ein Arztbesuch vor dem ersten Tauchgang so wichtig ist

von Larissa Gaub, 22.05.2018

Beim Tauchen ist eine gute Vorbereitung wichtig. Und nur erfahrene Tauchmediziner können einschätzen, wer unter Wasser darf


Die Korallen wiegen sich sanft hin und her, ein Schwarm bunter Fische zieht vorbei, am Meeresgrund verbuddelt sich ein Krebs. Die fremde Unterwasserwelt und das Gefühl von Schwerelosigkeit üben auf viele Menschen eine Faszi­nation aus. Tauchen ist ein beliebtes Hobby – allerdings eines, das den Körper stark fordert.

Anfänger sollten sich auf jeden Fall vor dem ersten Tauchgang beim Arzt durchchecken lassen. Die sogenannte Tauglichkeitsuntersuchung soll Unfälle und gesundheitliche Probleme verhindern. Beim Verband Deutscher Sporttaucher und bei zahlreichen Tauchschulen muss man die medizinische Bestätigung vorlegen – sonst darf man nicht unter Wasser.

Fitness auch an Land

"Meine erste Frage bei der Untersuchung ist: Wie gut können Sie schwimmen?", erzählt Professor Björn Jüttner, Facharzt für Anästhesiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. "Wer im Schwimmbad ­ohne Probleme 500 Meter zurücklegt und dann auch noch in drei Metern Tiefe den Druckausgleich machen kann, hat gute Chancen, die ärztliche Bescheinigung zu bekommen." Zur Vorbereitung empfiehlt der Tauch­mediziner zudem ein Schnorcheltraining.

Doch auch an Land sollten Interessierte ihre Fitness testen und vor allem eine gute Kondition mitbringen. Die Tauchausrüstung für Erwachsene wiegt um die 12 bis 15 Kilogramm. Unter Wasser spürt man dieses Gewicht zwar nicht mehr, trotzdem muss der Körper über Kraftreserven verfügen. "Es ist nicht alles planbar, vielleicht muss ich einem anderen Taucher in Not helfen oder plötzlich gegen eine Strömung schwimmen", sagt Jüttner.

Umfassender Check der körperlichen Tauglichkeit

Bei der Tauglichkeitsuntersuchung erkundigt sich der Mediziner auch nach Operationen, Vorerkrankungen und dauerhaft eingenommenen Medikamenten. Er testet das Hör- und Sehvermögen, kontrolliert Herztöne sowie Lungenfunktion und führt ein EKG durch. "Tauchen beansprucht besonders die Lunge und das Herz-Kreis­lauf-System", so Jüttner.

Manche Krankheiten machen das Hobby unmöglich. "Die Atemarbeit unter Wasser ist erhöht, ein schwer Asthmakranker oder jemand mit einer Lungenerkrankung schafft das nicht." Menschen, die an schweren Herz-Kreislauf-Erkankungen, Rhythmusstörungen oder Krampfanfällen leiden, dürfen in der Regel ebenfalls nicht tauchen.

Auf Tauchmedizin spezialisierte Ärzte finden

Ganz ausgeschlossen ist es allerdings trotzdem nicht. "Es kommt immer darauf an, welchen Grad die Erkrankung hat", erklärt Dr. Konrad Meyne, Internist und Tauchmediziner aus Goslar. Die Einschätzung eines er­fahrenen Spezialisten sei hier unverzichtbar. Qualifizierte Ärzte listet die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM e.V.) auf ihrer Internetseite (www.gtuem.org) auf. "Nur wer sich mit dem Tauchen auskennt und regelmäßig Fortbildungen macht, kann den Tauchkandidaten so be­raten, dass das Hobby auch wirklich ­sicher ist", erläutert Meyne.

Die GTÜM empfiehlt, die medi­­zi­nische Kontrolle in regelmäßigen Abständen durchführen zu lassen. Taucher im Alter zwischen 18 und 39 sollten dafür alle drei Jahre zum Arzt – sofern in der Zwischenzeit keine ­gesundheitlichen Probleme neu auftreten. Ab 40 erfolgt die Kontrolle am besten jährlich. "Die Gesundheitsvorsorge gibt dem Taucher Sicherheit, und manche Krankenkassen beteiligen sich sogar auch an den Kosten", erklärt Meyne.

Auftauchen mit Zahnschmerzen

Meyne rät dazu, vor dem Abtauchen außerdem noch einen Zahnarzt aufzusuchen. In Zahnlöcher oder undichte Füllungen kann die komprimierte Luft unter Wasser eindringen, aber beim Auftauchen nicht mehr entweichen. Das könne zu heftigen Zahnschmerzen führen und den Spaß am Tauchen jäh beenden.

Auch wenn all diese Untersuchungen die Sportart sicherer machen – ganz ohne Risiko ist sie nicht. Besonders ein zu schnelles Auftauchen hinterlässt mitunter schwere bleibende Schäden. Bei der sogenannten Dekompressions- oder auch Taucherkrankheit können Betroffene in Lebensgefahr geraten. Umso wichtiger ist es daher, sich vorher sorgfältig durchchecken zu lassen und eine gute Ausbildung zu absolvieren.

Wattestäbchen zu Hause lassen

Für Tauchurlauber hat Mediziner Meyne noch einen Tipp: "Wer an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen Tauchgänge plant, sollte nicht das Schmalz aus den Ohren entfernen." Denn das Ohrenschmalz stellt einen natürlichen Schutz für den Gehörgang dar. Die bessere Pflege für die Ohren: nach dem Tauchgang die Gehörgänge mit klarem Wasser spülen und gut vor Zugluft schützen.