Wie lang sind angebrochene Arzneien ok?

Haltbarkeit von Medikamenten: Zum Beispiel Erkältungsmittel fürs nächste Jahr aufzuheben ist eine schlechte Idee. Nach Anbruch sind sie oft nur begrenzt verwendbar

von Barbara Kandler-Schmitt, 24.05.2018

Achtung: Tabletten aus dem Blister zu nehmen kann ihre Haltbarkeit verringern


Saft und Tropfen

Flüssige Zubereitungen gegen Husten, wie Säfte und Tropfen, sind nach Anbruch in der Regel sechs Monate haltbar, Antibiotikasäfte sogar nur wenige Wochen. "Sobald flüssige Arzneimittel mit Sauerstoff in Kontakt kommen, ist die Wirkung nicht mehr bis zum Ablauf des aufgedruckten Verfall­datums gewährleistet", sagt Dr. Stephan Hahn, Apotheken­inhaber aus Cuxhaven. "Das Anbruch­datum muss deshalb auf der Packung notiert werden."

Nasentropfen

Nasensprays und -tropfen sind nach Anbruch nur wenige Monate verwendbar. Der Zeitraum kann je nach Präparat variieren und ist – wie bei allen flüssigen Arzneiformen – auf der Verpackung und in der Packungsbeilage angegeben. Auch in diesem Fall gilt: Anbruchdatum notieren. ­

Zudem sollten Nasensprays und -tropfen immer nur von einer Person verwendet werden. "Sprühkopf oder Pipette kommen in der Nase mit Bakterien in Kontakt", erklärt Hahn. ­"Benutzt danach eine andere Person das Spray, kann sie sich damit infizieren." Wie der Apotheker betont, dürfen Nasensprays oder -tropfen maximal eine ­Woche benutzt werden: "Sie führen zur Gewöhnung und trocknen die Nasenschleimhaut aus."

Inhalationslösungen

Ampullen, die über einen Vernebler verabreicht werden, müssen nach dem Öffnen sofort verbraucht werden. Bei Lösungen in Mehrdosis­behältnissen sind die Herstellerangaben zu ­beachten. Vor Licht geschützt, halten sie in der gut verschlossenen Flasche nach Anbruch meist sechs Wochen, Lösungen zur Inhalation mit Wasserdampf mehrere Monate.­

Augentropfen

In Mehrdosisbehältern nur vier bis sechs ­Wochen benutzbar, da sie bei längerer Anwendung verkeimen und die Augen infizieren können.

Erkältungsbalsame

Produkte mit ätherischen Ölen sollten nach Anbruch nicht länger als zwölf Monate verwendet werden: Mit der Zeit verflüchtigen sich die wirksamen Bestandteile. Cremes können sich zudem in ihre festen und flüssigen Bestandteile trennen. "Die Zersetzungspro­dukte können die Haut reizen", sagt Hahn. "Präpa­rate, die auffällig aussehen oder riechen, sollte man nicht mehr verwenden."

Brausetabletten

Der fiebersenkende Wirkstoff Acetylsalicylsäure oder der Schleimlöser Acetyl­­cystein werden oft als ­Brausetabletten genommen. Sie sind  feuchtigkeitsempfindlich und müssen vor Licht, Luft und Feuchtigkeit geschützt in der Originalverpackung aufbewahrt werden. Nur dann sind sie bis zum Ablauf des Verfalldatums verwendbar. "Aufgequollene oder nach Essig riechende Brause­tabletten gehören in den Müll", sagt Hahn. Wie der Apotheker betont, dürfen auch flüssige Arzneiformen keinesfalls über das Ab­wasser entsorgt werden.

Tabletten/Dragees

Im Originalblister können feste Arzneiformen bis zum angegebenen Verfalldatum verwendet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt garantiert der Hersteller die Wirksamkeit. "Werden die Tabletten jedoch aus dem Blister genommen und in Dosierboxen aufbewahrt, können sie schnell einenTeil ihrer Wirksamkeit verlieren, vor allem wenn sie zuvor geteilt wurden", warnt Hahn. Verfärbungen und Risse weisen auf falsche Lagerung hin. Deshalb immer vor Licht und Luft geschützt im ungeöffneten Originalblister aufbewahren.

Tee/Granulat

Auch Tees verlieren mit der Zeit ihre Wirksamkeit und sollten nach dem ­­angegebenen Verfall­datum nicht mehr angewendet werden. Bei offenen Heilkräuterteemischungen besteht zudem die Gefahr des Schädlingsbefalls. Erkältungstees als Granulat müssen wie Brausetabletten vor Licht, Luft und Feuchtigkeit geschützt werden.