Was zeichnet vegane Kosmetik aus?

Frei von Gelatine, Bienenwachs und Honig – Pflegeprodukte ohne tierische Substanzen sind gefragt wie nie. Zwei Expertinnen beantworten die wichtigsten Fragen
von Abenaa Namslau, aktualisiert am 17.10.2016

Kühlt, spendet Feuchtigkeit und beruhigt: Aloe vera

Getty Images/Blue Jean Images

Neu ist die vegane Le­bens­weise nicht, aber derzeit ziemlich in Mode: Veganer wie Amerikas Ex-Präsident Bill Clinton, der Hollywoodstar Natalie Portman und die Designerin Stella McCartney lehnen tierische Produkte strikt ab. Der Umwelt zuliebe, für die Gesundheit oder aus ethischen Gründen verbannen sie etwa Lederschuhe oder Daunendecken aus ihrem Alltag. Ein Trend, dem auch bei uns mehr und mehr Menschen folgen.

In Sachen Pflege suchen sie dabei immer häufiger Apotheken-Kompetenz. "Das Interesse an veganer Kosmetik hat stark zugenommen", sagt Anna-Sophia Sossidi, Apothekerin aus Hamburg. "Die Produkte sind inzwischen in vielen Apotheken zu finden." Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen zu diesem Thema.

Was zeichnet vegane Kosmetik aus?

In erster Linie, dass die Produkte keine tierischen Substanzen enthalten. Wer aber denkt, es han­dele sich um reine Naturkosmetik, liegt falsch. Zwar versuchen immer mehr Hersteller tierische Bestandteile zu ersetzen, aber "Produkte von lebenden Tieren, wie etwa Honig, Milch oder Gelée royale sind in der Naturkosmetik erlaubt", sagt Dr. Sabine Stangl, Dermatologin im Ambulanzzentrum des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf. "Ein Tabu für Veganer, die stattdessen lieber auf synthetisch hergestellte Stoffe setzen."

Woran erkennt man "tierfreie" Kosmetik?

Das ist nicht so einfach, da die Herkunft der Inhaltsstoffe nur selten vermerkt ist. Bei der Orientierung helfen einige Siegel, wie die von der Veganen Gesellschaft ver­gebene "Vegan-Blume" oder das "Cruelty-Free & Vegan"-Label der Tierschutzorganisation Peta. Beide zeichnen Produkte aus, die zu hundert Prozent frei sind von tieri­schen Substanzen.

Schwierig bleibt die Wahl aber trotzdem, denn "bislang sind die wenigsten ve­ganen Kosmetikprodukte in der Apotheke mit einem anerkannten Siegel gekennzeichnet", sagt Anna-Sophia Sossidi. Fragen Sie deshalb in der Apotheke nach, wie die in einem Produkt enthaltenen Milch-, Amino- oder Hya­lu­ronsäuren hergestellt wurden.

Wie funktionieren die Produkte?

Es geht auch ohne Tier – jedenfalls in fast allen Fällen. Statt aus Hufen, Hörnern oder Federkielen gewonnenes Keratin lassen nämlich auch Mandelöl oder Sojaproteine in Shampoos das Haar glänzen. Pflanzliches Carnaubawachs ersetzt Bienenwachs in Lippen­pflegestiften. Und mit speziellen Ölmischungen in der Rezeptur verwöhnt Wundschutzcreme Babypopos auch ohne das Wollwachs Lanolin. Noch etwas schwierig ist die Herstellung intensiver Rot­töne. Rote Bete oder Eisenoxid leuchtet weniger als der aus Cochenille-Schildläusen gewon­ne­ne Farbstoff Karmin, der in Lippenstiften, Rouges und Foundations enthalten ist.

Wirken vegane Erzeugnisse schlechter?

Nein, man kann auch tierfrei nachhaltige und wirksame Kosmetik herstellen. Entscheidend sind die Wirkstoffe. Und es gibt eine ganze Reihe effizienter pflanzlicher Substanzen wie Wildrosenöl. Mit mehr als 300 Bestandteilen kann es das Binde­gewebe stärken, die Haut heilen und regenerieren. Oder Aloe vera: Ihre zahlreichen Vitamine, Enzyme, Mineralstoffe, Aminosäuren, ätherischen Öle und die schmerzstillende Salicylsäure machen sie zum beliebten Hausmittel bei Sonnenbrand und Hautreizungen. Außerdem ist sie für ihre kühlen­den und Feuchtigkeit spenden­den Eigenschaften bekannt.

Löst vegane Kosmetik weniger Allergien aus?

"Vegane Produkte sind weder besser noch schlechter verträglich", sagt Hautärztin Stangl. Prinzipiell eignen sie sich für jeden. "Wie jemand individuell darauf reagiert, hängt von den Inhaltsstoffen und deren Konzentration ab. Patien­ten mit bekannten Allergien sollten vorsichtig sein und die Deklarationsliste genau lesen." Weil allergische Reaktionen praktisch immer auftreten können, sollte man generell jedes neue Produkt zunächst an einer kleinen Stelle testen, etwa in der Armbeuge.


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