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Wundscheuern muss nicht sein

Wer sich einen "Wolf gelaufen" hat, verliert schnell den Spaß am Sport. Wie sich das schmerzhafte Reiben der Haut lindern oder gleich ganz verhindern lässt

von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 20.07.2018
Joggen

Eng anliegende Funktionskleidung hilft, Wundscheuern vorzubeugen


Wenn Haut auf Haut reibt, kann das auf Dauer äußerst schmerzhaft sein. Vor allem Ausdauersportler, aber auch Übergewichtige leiden zuweilen unter roten, entzündeten Stellen. Wenn die Kleidung auf der Haut scheuert, kann das ebenfalls solche Irritationen zur Folge haben. Viele Läufer kennen "den Wolf" zum Beispiel auf der Innenseite der Oberschenkel. Beim Schwimmen kann es zu Hautirritationen im Bereich der Achseln kommen.

"Langstreckenläufer reiben sich mitunter den Hodensack oder die Haut in der Gesäßfalte wund", erklärt Hautarzt Professor Markus Stücker von der Ruhr-Universität Bochum. Ebenso können die Füße und Knöchel betroffen sein. "Bei Männern kommt auch an den Brustwarzen häufig schmerzhafter Wundabrieb vor", ergänzt Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln.

Die richtige Kleidung

"Je länger oder intensiver das Training ist, desto größer ist die Gefahr, dass es zu wunden Körperstellen kommt", sagt Froböse. Verantwortlich für die Reibung sei meist Kleidung, die nur locker an den betroffenen Stellen sitzt. Deshalb ist die richtige Wahl der Wäsche wichtig zur Vorbeugung. "Besser als Baumwolle eignet sich eng anliegende Funktionskleidung, die in der Lage ist, Körperflüssigkeiten schnell von der Haut wegzuleiten", sagt Stücker. Dadurch verringere sich die Gefahr, dass der Stoff an der Haut klebt und scheuert.

Auch die exponierten Stellen abzudecken, kann dem Wundscheuern vorbeugen: Dauerläufer kleben als Schutz zum Beispiel Pflaster über die Brustwarzen. Aber nur wenn das Pflaster oder Tape keine Falten bildet, sich nicht bewegt oder gar ablöst, funktioniert die Methode. Ansonsten scheuert es womöglich erst recht. "Viele Sportler cremen außerdem gefährdete Stellen vorsorglich mit Vaseline ein", sagt Froböse. Wichtig ist ihm auch, auf die Qualität der Sportschuhe zu achten: "Schlecht verarbeitete Laufschuhe oder andere minderwertige Sportbekleidung erhöhen das Risiko des Wundscheuerns erheblich."

Wunde Oberschenkel im Alltag

Stücker behandelt regelmäßig Patienten, bei denen die Oberschenkel schon bei alltäglichem Bewegungspensum schmerzhaft aneinander wetzen. "Ein Risikofaktor dafür ist Übergewicht. Eine Gewichtsabnahme könnte das Problem verringern", sagt der Hautarzt. Weitere Ursachen für füllige Oberschenkel sind Lymphödeme, die entstehen, wenn ein Stau der Lymphflüssigkeit das Gewebe anschwellen lässt. Bei einem Lipödem ist die Fettverteilung im Körper gestört, und es sammelt sich vermehrt Unterhautfettgewebe an den Beinen an. In beiden Fällen behandeln Ärzte die ursächliche Erkrankung. Zum Beispiel können Lymphdrainagen helfen. Um die Oberschenkel zu formen und die Reibung zu vermindern, rät Stücker zu Kompressionsstrümpfen. Ob diese im Einzelfall sinnvoll sind und was es dabei zu beachten gibt, sollte man mit dem behandelnden Arzt klären.

Ergeben sich durch Speckröllchen an anderen Stellen Reibungsflächen, hilft es, die Haut trocken zu halten, so Stücker. "Zu dem Zweck hergestellte Schüttellotionen können das Schwitzen der Haut verhindern."

Entzündungen lindern

Erste Hilfe bei bestehenden Wunden bedeutet, ein weiteres Scheuern zu vermeiden. "Meistens bewirkt der früh auftretende Schmerz, dass der Mensch die Bewegung einstellt und es bei oberflächlichen Wunden bleibt", erklärt Stücker. Im Normalfall kommt es nicht zu Narben. Ein Risiko besteht jedoch bei Sensibilitätsstörungen, wie sie manche Menschen mit Diabetes haben. Bei ihnen kann es zu tieferen Abschürfungen kommen, ohne dass sie es rechtzeitig bemerken.

Wunde Stellen lassen sich gut mit Salben oder Puder behandeln. Ein Apotheker kann das individuell geeignete Präparat empfehlen. Auch entzündungshemmende Salben oder feuchte Umschläge können helfen. "Umschläge mit schwarzem Tee sind ein bewährtes Hausmittel. Sie wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend", empfiehlt Froböse. Dazu Schwarztee zehn bis zwanzig Minuten lang ziehen und dann abkühlen lassen. Stücker fügt hinzu: "Bei ganz massiven Hautdefekten legen wir Wundverbände an, zum Beispiel dünne Hydrokolloidverbände."