Braune Haut durch Carotinoide?

Carotinoide stecken natürlicherweise in Karotten und anderem Gemüse, werden aber auch Bräunungskapseln und Selbstbräunern zugesetzt. Was sie bewirken

von Dr. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 26.03.2018
Frau mit Gemüse

Carotinoide sind in vielen Gemüsesorten versteckt


Carotinoide sind eine Gruppe von natürlichen Farbstoffen. Am bekanntesten ist sicherlich das Beta-Carotin, dem die Karotte ihren orangen Farbton verdankt. Unser Körper kann das Beta-Carotin zu Vitamin A verarbeiten. Es ist unter anderem wichtig für den Aufbau von Schleimhäuten und Hautzellen sowie für den Sehvorgang. Generell wirken die Carotinoide als Antioxidantien, die schädliche freie Radikale abfangen. Neben Beta-Carotin gibt es zum Beispiel noch Alpha-Carotin, Kryptoxanthin, Lycopin, Lutein und Zeaxanthin.

Körper kann sich Carotinoid-Vorräte anlegen

Nehmen wir sehr viele Carotinoide auf, lagert sie der Körper quasi als Vorrat ein. Das geschieht unter anderem in der Leber, im Fettgewebe, aber auch in der Haut.

"Gelangen länger als drei Wochen mindestens dreißig Milligramm Carotinoide pro Tag in den Körper, kann es zu sichtbaren orangebraunen Farbnuancen der Haut kommen", erklärt der Hautarzt und Biologe Dr. Wolfgang Klee aus Mainz. "Carotinodermie" heißt der medizinische Fachbegriff für derart veränderte Haut. Ob der Farbton gefällt, ist sicherlich Geschmackssache. In einer Studie fanden die Teilnehmer Carotinoid-gefärbte Gesichter aber attraktiver als sonnengebräunte Haut. Diese entsteht durch das körpereigene Pigment Melanin in Folge der UV-Strahlung.

Dr. med. Dipl. Biol. Wolfgang Klee

Die Einlagerung der Carotinoide hat noch einen weiteren Effekt, sagt Klee: "Dieses Pigment bietet wie Melanin einen gewissen Sonnenschutz. Der Mensch kann bis zu zwei- oder dreimal so lange in der Sonne bleiben wie gewöhnlich, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen." Die durch Carotinoide gefärbte Haut erreicht also einen Lichtschutzfaktor von zwei bis drei – für einen Verzicht auf eine Sonnencreme reicht das aber bei Weitem nicht aus.

Carotinoide aus der Nahrung

Dass sich die Haut durch Carotinoide bräunlich färbt, lässt sich durch das Essen von Gemüse und Obst kaum erreichen: Zwar befinden sich in einem Kilogramm Karotten etwa 100 Milligramm Beta-Carotin. Und auch in Blattgemüsen sowie in gelb-roten Gemüsen und Früchten kommen Carotinoide vor, zum Beispiel in Roter Bete, Spinat und Grünkohl. "Allerdings wird nur ein Teil davon tatsächlich in den Körper aufgenommen, in etwa die Hälfte", so Klee. Und wer knabbert schon täglich ein Kilogramm rohe Karotten? Weiteres Problem: Wer das Gemüse kocht, zerstört die Carotinoide teilweise.

Carotinoid-Kapseln als Solariumalternative?

Die Kosmetikindustrie bietet Bräunungskapseln an, in denen Carotinoide wie beta-Carotin hochdosierter vorkommen. Häufig sind mehrere Carotinoide als Farbstoffgemisch enthalten. Klee hält diese Art der Bräunung nach den bisherigen Erkenntnissen zumindest für weniger schädlich als ständige Besuche im Solarium. "Ob es allerdings auch langfristig unbedenklich ist, kann noch nicht klar entschieden werden." Studien hatten negative Auswirkungen von isolierten Beta-Carotinen in höheren Dosierungen gezeigt. So ergab eine Untersuchung, dass bei einer Zufuhr von täglich 20 Milligramm Beta-Carotin bei Rauchern und Menschen, die beruflich Asbest ausgesetzt sind, das Lungenkrebsrisiko anstieg. Bei Nichtrauchern beobachteten die Forscher diesen Effekt bislang nicht.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält deshalb eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch die regelmäßige Einnahme von Beta-Carotin-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln für möglich. In einer Stellungnahme rät das Institut, die Höchstmenge für Beta-Carotin in Nahrungsergänzungsmitteln auf zwei Milligramm pro Tag zu beschränken. Bisher wird davon ausgegangen, dass sich negative Effekte allein auf die Zufuhr von isoliertem Beta-Carotin beschränken und dieses mit der Aufnahme aus der Nahrung nicht überdosiert werden kann. Allerdings sind eine Vielzahl von Lebensmitteln mit dem Farbstoff angereichert, weshalb eine zusätzliche Einnahme von Beta-Carotin als "Vitampille" nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen sollte.

Carotinoide in Selbstbräunern

Auch in Bräunungscremes kommen Carotinoide vor. "Dort wirken sie aber einfach als Farbstoff, der sich von außen auf die Haut legt", weiß Klee. Eine dauerhafte Bräune sei damit also eher nicht erreichbar, und auch einen zuverlässigen UV-Schutz liefern die äußerlich angewendeten Carotinoide nicht.

Carotinoide zur Behandlung der Weißfleckenkrankheit?

Manchen Patienten mit der sogenannten Weißfleckenkrankheit empfehlen Hautärzte medizinische Präparate mit Carotinoiden zum Einnehmen. Bei der Weißfleckenkrankheit, Ärzte nennen sie Vitiligo, leiden die Betroffenen unter gänzlich pigmentfreien Hautbereichen. An diesen Stellen sind die Melanin-produzierenden Hautzellen zugrunde gegangen. "Hier kann die Carotinoid-Gabe zumindest eine gewisse Pigmentierung der Haut nachliefern", erklärt Klee.

Frau Angela Unholzer

Die Donauwörther Hautärztin Dr. Angela Unholzer schränkt ein: "Weil Carotinoide jedoch einen anderen Farbton haben als Melanin, bringt die Einnahme den Kontrast zwischen erkrankter und gesunder Haut nicht gänzlich zum Verschwinden."