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Neuartiges Coronavirus, COVID-19, SARS-CoV-2 – Symptome, Risikogruppen, Schutz

SARS-CoV-2 hat sich in einer Pandemie über die ganze Welt verbreitet. An einer Impfung und helfenden Medikamenten wird intensiv geforscht

von Dr. med. Laura Weisenburger, 25.03.2020
Coronavirus Anatomie Mensch

Das SARS-CoV-2 befällt vor allem die oberen und unteren Atemwege


Das neuartige Coronavirus – kurz erklärt

  • Die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus betrifft vor allem die Atemwege. 
  • Die Symptome reichen von Husten über Fieber mit grippeartigen Beschwerden bis hin zu Atemnot und können zu schweren Lungenentzündungen mit Lungenversagen führen. Betroffene können infolge der Infektion versterben.
  • Sowohl junge, also auch alte Menschen können am neuartigen Coronavirus erkranken. Bei Personen über 50 oder Vorerkrankten ist das Risiko für einen schweren Verlauf deutlich höher.
  • Die ersten Fälle dieser Erkrankung traten Ende 2019 in China (Provinz Hubei) auf. Das Virus verbreitete sich über die ganzen Welt.
  • Bis jetzt gibt es noch keine Impfung oder ein wirksames Medikament gegen die Erkrankung. Den besten Schutz gegen eine Infektion bieten die Einhaltung einiger Hygieneregeln und die Isolation von erkrankten Personen. 
  • Coronaviren stellen eine ganze Virusfamilie dar, SARS-CoV-2 ist die korrekte Bezeichnung für das Coronavirus, welches die Pandemie auslöste. COVID-19 ist der Name der Erkankung, die aus der Infektion mit dem Virus entstehen kann.

Übertragung von SARS-CoV-2

Die Übertragung von SARS-CoV-2 erfolgt hauptsächlich über eine Tröpfcheninfektion. Erkrankte Personen niesen oder husten feinste Tröpfchen aus, die andere Menschen über die Schleimhäute aufnehmen. Die Partikel können hierbei einen Abstand von bis zu zwei Metern überbrücken. Gerade im Anfangsstadium der Erkrankung, wenn noch keine starken Beschwerden vorliegen und sich die Menschen ganz normal verhalten und viel sowie engen Kontakt zu anderen haben, besteht das Risiko, dass die Krankheit unbemerkt übertragen wird.

Auch die Weitergabe über die Hände (Händeschütteln, Berühren von Oberflächen, wie Türgriffen), auf die Schleimhäute (mit nicht gewaschenen Händen Mund, Nase oder Augen berühren) kann stattfinden. Wie lange SARS-CoV-2 auf unterschiedlichen Oberflächen überlebt, erforschen Wissenschaftler aktuell. Erste Ergebnisse zeigen, dass das Virus auf Oberflächen wie Plastik fast drei Tage nachweisbar ist. Eine Übertragung über Oberflächen ist daher denkbar, wurde bisher aber noch in keinem Fall zweifelsfrei belegt. Daher ist davon auszugehen, dass der Hauptübertragungsweg die Tröpfcheninfektion ist.

Eine Übertragung durch Stuhl oder sonstige Ausscheidungen spielt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Robert Koch Institut (RKI) eher eine zu vernachlässigende Rolle.

Symptome und Verlauf von COVID-19

Krankheitsverlauf

Der Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion kann von Mensch zu Mensch stark variieren. Auch unterscheidet sich die Aggressivität: manche Personen erkranken nahezu gar nicht, andere, oft Vorerkrankte, können an COVID-19 versterben. Viele Faktoren spielen hierfür eine Rolle. Einen "typischen" Verlauf einer Infektion mit COVID-19 gibt es nicht.

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit ist die Zeit, in der das Virus bereits übertragen wurde, aber die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist. Bei COVID -19 schätzen Fachleute diese im Mittel auf fünf bis sieben Tage, maximal auf 14 Tage.

Erste Woche

Bei den meisten Betroffenen treten nach etwa vier Tagen die ersten Beschwerden auf.

Häufig sind das:

Infografik: Auftreten der häufigsten Symptome bei COVID-19

Im Verlauf von einer Woche können sich die anfänglich noch milden Symptome verstärken. Häufig kommt dann Atemnot als Symptom hinzu.

Einige Menschen entwickeln eine Lungenentzündung. In einer chinesischen Studie dauerte es durchschnittlich vier Tage von Beginn der Erkrankung bis zum Ausbilden der Lungenentzündung. Das kann eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus notwendig machen.

Komplikationen

Verschlechtert sich der Zustand weiter, kann zu der Lungenentzündung das sogenannte Akute Atemnot-Syndrom auftreten (englisch: Acute Respiratory Distress Syndrome, ARDS).

Hierbei kommt es dann oft zu Wassereinlagerung (Infiltraten) in beiden Lungenflügeln. Dadurch kann weniger Sauerstoff ins Blut aufgenommen werden. Das führt zu einer Unterversorgung der Organe mit Sauerstoff.

Patientinnen und Patienten, die ein ARDS entwickeln, müssen auf Intensivstationen betreut und künstlich beatmet werden. Das ARDS kann zum Tod führen.

Genesung

Bei leicht bis mittelschwer erkrankten Menschen flauen die Symptome laut WHO nach gut zwei Wochen ab. Bei schweren bis sehr schweren Infektionen kann es drei bis sieben Wochen dauern, bis sich die Betroffenen davon erholen.

Immunität

Eine kleine Studie mit Rhesusaffen zeigte, dass Affen, welche die Infektion durchgemacht hatten nicht erneut an dem Virus erkranken konnten. Auch nicht, wenn sie stark erhöhten Viruskonzentrationen ausgesetzt waren. Eine sichere Aussage für die Immunität von Menschen ist allerdings erst in mehreren Monaten möglich, wenn die Zahlen zu den Infektionen ausgewertet sind.

Risikogruppen: Wer ist gefährdet, schwer zu erkranken?

Auch wenn die Krankheit keinen einheitlichen Verlauf nimmt, scheint es bestimmte Menschengruppen zu geben, die besonders anfällig für schwere Verläufe einer SARS-CoV-2-Infektion sind.

Zu den sogenannten Risikogruppen gehören:

  • ältere Menschen: ab 50 bis 60 Jahren steigt das Risiko für einen schweren Verlauf stetig an
  • Raucher
  • Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (zum Beispiel Bluthochdruck, koronare Herzerkrankungen)
  • Menschen mit Lungenproblemen (zum Beispiel Asthma, chronische Bronchitis)
  • Menschen mit Diabetes Typ I oder Typ II sowie Menschen mit erworbenem Diabetes (zum Beispiel nach einer Operation)
  • Menschen mit einer chronischen Lebererkrankung (zum Beispiel mit Leberzirrhose)
  • Menschen mit einer Krebserkrankung
  • Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist (zum Beispiel durch Medikamente, wie Kortison oder Chemotherapeutika oder aufgrund einer Vorerkrankung)

Therapie von COVID-19

Aktuell gibt es noch kein Medikament, welches gezielt gegen COVID-19 wirkt. Da kein passender Wirkstoff vorliegt, kann ausschließlich eine Linderung der Symptome erfolgen. Menschen, die erkrankt sind, sollten sich daher wie bei jedem grippalen Infekt verhalten:

  • Schonen
  • Ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen
  • Schmerzmittel, Fiebersenker, Nasenspray, Hustensaft oder ähnliches je nach Befinden und nach Rücksprache mit Ärztin oder Arzt
  • Telefonisch ärztliche Beratung bei Verschlechterung einholen

Bei starken Beschwerden wie Atemnot  ist eventuell eine stationäre Behandlung im Krankenhaus notwendig. Bei akuter Luftnot bitte sofort den Notarzt unter 112 alarmieren!

Derzeit wird weltweit geforscht, um möglichst schnell ein Medikament gegen COVID-19 zu finden. Erprobt werden aktuell Mittel, die eigentlich gegen Ebola, Malaria oder HIV  entwickelt wurden. Endgültige Ergebnisse liegen aber noch nicht vor.

Nachweis einer Infektion mit COVID-19

Ob man sich tatsächlich mit COVID-19 angesteckt hat, wird derzeit in den meisten Fällen mit einem Abstrich aus dem Nasen-Rachenraum festgestellt. Hierbei streicht eine darauf geschulte Person mit einem speziellen Wattetupfer über die Schleimhäute möglichst weit hinten in Rachen und Nase. In einem medizinischen Labor erfolgt dann der sogenannte RT-PCR Test (Reverse Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktions-Test). Dabei wird Informationsmaterial aus dem Virus in Erbmaterial umgeschrieben, durch die Kettenreaktion vervielfältigt und kann dann gemessen werden. Dies ist nicht nur kompliziert, sondern benötigt auch Zeit. Aufgrund der hohen Auslastung der medizinischen Labore aktuell häufig mehrere Tage.

Welchen Schutz gibt es vor einer Infektion mit COVID-19?

Da es noch kein wirksames Medikament und auch keine Impfung gegen COVID-19 gibt, ist die beste Maßnahme, Kontakt und die Übertragung des Virus zu vermeiden.

Die wichtigsten Empfehlungen des RKI hierzu sind:

Händewaschen

regelmäßiges, gründliches und ausreichend langes Händewaschen, um die Weitergabe von Mensch zu Mensch und über Oberflächen zu reduzieren.

Gesichtskontakt vermeiden

Sich nicht ins Gesicht fassen. Über die Schleimhäute könnten die Viren in den Körper gelangen.

Nies- und Hustenetikette

Tröpfchen und damit auch Viren können während dieser Vorgänge weit geschleudert und somit verbreitet werden. Deshalb beim Niesen oder Husten ein Papiertaschentuch vorhalten und sofort entsorgen oder in die Ellenbeuge niesen/husten.

Isolation

Erkrankte Personen sollten möglichst keinen Kontakt zu Gesunden haben. Im eigenen Haushalt sollten man Abstand halten und Erkrankte in getrennten Zimmern unterbringen. Auch die Mahlzeiten sollte man nicht gemeinsam einnehmen. Das RKI hat ein Informationsblatt hierzu zusammengestellt.

Zur Unterbrechung der Infektionsketten ist es aktuell sehr wichtig, dass generell weniger zwischenmenschliche Kontakte stattfinden. So kann die Ausbreitung des Virus zwar nicht gestoppt, aber deutlich verlangsamt werden. Die hierdurch gewonnene Zeit benötigt das Gesundheitssystem, damit genügend Personal, Betten in Krankenhäusern und Material zur Versorgung vieler schwer erkrankter Menschen gleichzeitig verfügbar ist.

Impfung

Einen Impfstoff gegen COVID-19 gibt es nicht. Auch hieran forschen Gruppen weltweit, um diesen möglichst schnell zu entwickeln.

Personen, die zur Risikogruppe gehören, sollten gegen andere Erreger von Erkrankungen der Atemwege, wie zum Beispiel Pneumokokken geimpft sein. Pneumokokken sind insbesondere für Vorerkrankte und Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich und können ebenfalls eine schwere Lungenentzündung auslösen. Einer Doppelinfektion mit SARS-CoV-2 und Pneumokokken sollte deshalb vermieden werden.

Sollten Sie eine Beratung zur Impfung benötigen, kontaktieren Sie telefonisch oder per Mail ihre hausärztliche oder allgemeinmedizinische Praxis, um abzuklären, ob eine Impfung sinnvoll, ob Impfstoff vorhanden und wann diese für Sie möglich ist. So kann sichergestellt werden, dass kein Kontakt zwischen Personen, die gesund sind und geimpft werden sollen und Erkrankten stattfindet.

Quellen:

McIntosh MD: Coronavirus disease 2019 (COVID-19) Post TW, ed. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. https://www.uptodate.com (abgerufen am 25.03.2020)

Robert-Koch-Institut, Infektionskrankheiten A-Z, COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html, abgerufen am 25.03.2020)

Amboss, COVID-19 (https://www.amboss.com/de/wissen/covid-19, abgerufen am 25.03.2020)

World Health Organization Director-General's opening remarks at the media briefing on COVID-19 (https://www.who.int/dg/speeches/detail/who-director-general-s-opening-remarks-at-the-media-briefing-on-covid-19---24-february-2020 abgerufen am 25.03.2020)