Müde, gestresst, abgespannt: Dunkle Augenringe sind häufig ein sichtbares Zeichen dafür, dass der Körper Erholung braucht. Doch es gibt auch Menschen, die ohne Stress und Schlafmangel umschattete Augen haben.

Der Eindruck von Schatten unter den Augen kann unterschiedlich entstehen: Häufig ist die Partie unter den Augen leicht eingesunken. Oder die Hautfarbe ist in diesem Bereich verändert. Das Gewebe unterhalb der Augen kann auch vermehrt anschwellen. Eventuell sind die Lider häufiger dick. Vor allem letztes kann Anzeichen einer Krankheit sein und sollte auf jeden Fall abgeklärt werden.

Wie es zu Augenringen kommt

Besonders morgens nach dem Aufstehen sind die Augen manchmal mit Ringen unterlegt. "Das liegt an der gedrosselten Lymphzirkulation während des Schlafes", sagt Hautärztin Dr. Ellen Meyer-Rogge. Gewebeflüssigkeit kann sich in der weichen Partie unter den Augen ansammeln. Sind die feinen Blutgefäße unter der zarten Haut vorübergehend erweitert, schimmern sie dunkler durch – Augenringe zeichnen sich ab.

"Medizinisch gesehen gibt es keine eindeutige Erklärung dafür, weshalb manche Menschen zu Augenringen neigen und andere nicht", so die Hautärztin mit Praxis in Karlsruhe. Es sind nicht etwa nur durchfeierte Nächte, die umschattete Augen bescheren. "Die Haut unter den Augen ist die dünnste Haut am ganzen Körper", erklärt die Expertin. Da die Haut mit dem Älterwerden generell dünner wird, scheinen besonders unterhalb der Augen Blutgefäße stärker durch. Rauchen kann die Hautalterung zusätzlich verstärken.

Mitunter ist ein Gewichtsverlust für Augenringe verantwortlich. Schrumpft das wenige Fett unter der zarten Haut, wird sie ebenfalls durchscheinender.

"Bei manchen Menschen ist die Hautpartie im Augenbereich erblich bedingt besonders stark pigmentiert und zeichnet sich deshalb dunkel ab", sagt Meyer-Rogge. "Eine Auffälligkeit bei Neurodermitis ist an der Augenpartie die doppelte Lidfalte und eine Überpigmentierung der Haut", so die Expertin.

Augenringe: Auslöser können Krankheiten sein

Das lockere Gewebe zwischen Wangen und Unterlidern enthält zahlreiche feine Blut- und Lymphgefäße. Daher macht sich ein Flüssigkeitsstau hier besonders leicht durch eine Schwellung bemerkbar. Unterschiedliche Erkrankungen – etwa des Herzens, der Nieren, der Gefäße, der Leber – können die Ursache sein. Herz- und Blutkrankheiten beeinflussen oft auch den Sauerstoffgehalt des Blutes und der Gewebe. Sauerstoffmangel wird ebenfalls mit Augenringen in Verbindung gebracht.

Entzündliche Hauterkrankungen mit Juckreiz begünstigen Veränderungen in der Umgebung der Augen. Mitverantwortlich sind Hautschäden durch Kratzen. Manchmal kommen noch Schwellungen dazu. Lidschwellungen sind aber auch bei allergischen Reaktionen möglich.

Eine anlage- und altersbedingte Gewebeschwäche am Unterlid kann außerdem sogenannte Tränensäcke zur Folge haben. Dabei dringt Fettgewebe vor und füllt die weichen Hauttaschen.

Generell gilt: Neu auftretende Veränderungen in Augennähe sollte die Ärztin oder der Arzt untersuchen – Blutungen, Blutergüsse oder Schwellungen sollten sogar unverzüglich abgeklärt werden.

Tipps gegen Augenringe

Häufig handelt es sich bei Augenringen um kein medizinisches Problem. Wer trotzdem etwas gegen die Schatten tun möchte, kann auf einen gesunden Lebensstil setzen: Nikotinverzicht, nur wenig Alkohol, regelmäßige körperliche Bewegung und Schlafen in einem gut belüfteten Zimmer, eventuell mit erhöhtem Oberkörper, gehören zu den empfohlenen Maßnahmen. So lässt sich die Durchblutung in Schwung bringen. Der Körper sollte genügend erholsamen Schlaf bekommen. Ein Rauchstopp trägt dazu bei, die Hautstruktur zu verbessern. Ausreichend trinken ist wichtig, damit die Haut nicht austrocknet. Wer beispielsweise eine Herz- oder Nierenschwäche hat, klärt die Menge aber vorab mit der Ärztin oder dem Arzt ab.

Kühle Kompressen – für einige Minuten unter die geschlossenen Augen gelegt – lindern leichte Schwellungen und Ringe am Morgen.

Gerade bei blasser Haut fallen Augenringe noch mehr auf als in einem gebräunten Gesicht. Doch von Solariumbesuchen und langem Sonnenbaden rät Dermatologin Meyer-Rogge ab. "Hier ist der Schaden größer als der Nutzen", sagt die Expertin. Weil die Haut im Augenbereich so dünn und empfindlich ist, kann Sonneneinstrahlung zu frühzeitiger Hautalterung führen. Daher empfiehlt sich bei Aufenthalten in der Sonne ein guter, hautverträglicher UV-Lichtschutz und für die Augen eine geeignete Sonnenbrille.

Gegen Tränensäcke werden häufig ästhetisch-chirurgische Eingriffe wie Lidstraffungen durchgeführt. Da sie medizinisch meist nicht notwendig sind, zahlt die Krankenkasse in der Regel nicht.

Die richtige Gesichtspflege

Die empfindliche Gesichtshaut sollte vor dem Schlafengehen sanft und ohne Rubbeln abgeschminkt werden. Zu gut verträglichen Reinigungs- und Pflegeprodukten beraten Hautärztinnen und Hautärzte und Apotheken.

"Eine rückfettende Augencreme mit ausreichend Feuchtigkeit pflegt und schützt die zarte Haut an den Augen", empfiehlt Meyer-Rogge.

Mit Farbe und Cremes gegen dunkle Schatten

Auch wenn Augenringe häufig stören, sind sie doch mehrheitlich harmlos. Am schnellsten "verschwinden" Augenringe, wenn sie gekonnt überschminkt werden - zum Beispiel mit einem flüssigen Concealer, also einem abdeckenden Produkt, das auf die untere Augenpartie aufgetragen wird. Danach folgt das Make-up. Der Concealer sollte etwas heller sein, als das verwendete Make-up.

Bläulich getönte Brillengläser betonen Augenringe unter Umständen zusätzlich. Wenn eine Tönung bei Brillengläsern erwünscht ist, kann eine leichte, orangefarbene Tönung die Augenschatten eventuell besser neutralisieren.

Pigmentringen kann man zum Beispiel mit aufhellenden Cremes etwas entgegenwirken. Zur Anwendung und möglichen Nebenwirkungen sollten sich Betroffene aber fundiert beraten lassen, beispielsweise in der ärztlichen Praxis oder der Apotheke. "Ganz verschwindet diese Überpigmentierung jedoch nicht", sagt Meyer-Rogge.

Quellen:

https://www.mayoclinic.org/symptoms/dark-circles-under-eyes/basics/definition/sym-20050624 (Abruf März 2022)

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