Experten gehen davon aus, dass über 60 Prozent aller Depressionen nicht behandelt werden. Das hat vielfältige Gründe. Da sich die Anzeichen von Mensch zu Mensch in Stärke, Dauer und Zusammensetzung deutlich unterscheiden, ist es auch für Ärzte nicht immer leicht, eine Depression zu diagnostizieren.

Warum werden Depressionen oft erst spät entdeckt?

Häufig versteckt sich die Erkrankung auch hinter vermeintlich rein körperlichen Beschwerden, wie beispielsweise Magen-, Kopf- oder Rückenschmerzen. Nicht selten deuten die Betroffenen typische Symptome der Depression als normale Stimmungsschwankungen oder führen sie auf physische Krankheiten zurück. So werden nur die körperlichen Leiden behandelt, die psychischen bleiben lange unentdeckt.

Jeder sollte sich helfen lassen

Vielen Menschen fällt es schwer, mit dem Arzt über ihre seelischen Probleme zu sprechen. Psychische Erkrankungen sind für manche Betroffene sogar noch immer mit einem Tabu belegt, etwas, für das sie sich schämen – eine Irrmeinung, die Ärzte und Selbsthilfegruppen vor allem mit Offenheit und Aufklärung aus der Welt schaffen möchten. Depressionen sind Krankheiten wie andere auch, jeden kann es treffen, und jeder sollte sich helfen lassen.

Wann zum Arzt?

Wer an sich, Freunden oder Verwandten Zeichen einer Depression bemerkt, die länger als zwei Wochen anhalten und durch äußere Umstände kaum beeinflussbar sind, der sollte nicht zögern, mit dem Arzt darüber zu sprechen – beziehungsweise den Vertrauten offen ansprechen und darin zu bestärken, einen Arzt aufzusuchen. Denn eine korrekte, individuelle und möglichst frühe Diagnose von Depressionen macht eine erfolgreiche Behandlung sehr wahrscheinlich und vermindert die Gefahr von Rückfällen.

Untersuchung

Wie bei anderen Erkrankungen auch, beinhaltet die Diagnose einer Depression eine ausführliche "Bestandsaufnahme" (die sogenannte Anamnese) der medizinischen und biografischen Vorgeschichte des Patienten, seiner gegenwärtigen Lebenssituation sowie des aktuellen körperlichen und psychischen Zustandes.

Das Diagnosesystem ICD-10 (International Classification of Disorders) der Weltgesundheitsorganisation WHO unterscheidet in Abhängigkeit von Zahl, Schweregrad und Dauer bestimmter Leitsymptome:

  • Depressive Episode im Rahmen einer unipolaren Depression (siehe dazu Kapitel Symptome), die "leicht", "mittel" oder "schwer" ausgeprägt sein kann.
  • Depressive Episode im Rahmen einer bipolaren affektiven Störung, einer Erkrankung, bei der sich depressive und manische Phasen abwechseln.
  • Die meist im frühen Erwachsenenalter beginnende Dysthymie, eine eher anhaltende "chronische" Form der Depression. Näheres darüber erfahren Sie in unserem Symptomratgeber zu depressiven Verstimmungen.

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