Das Thema Ernährung wird unter Forschern und Forscherinnen kontrovers diskutiert. Da Reizdarm ein uneinheitliches Syndrom ist, bei dem verschiedene Krankheitsmechanismen eine Rolle spielen und die Verträglichkeit von Lebensmitteln etwas sehr Individuelles ist, gibt es keine spezifischen Empfehlungen, die für alle Menschen mit Reizdarm gelten. Vielmehr gilt es, individuell die Verträglichkeit gegenüber dem Essen herauszufinden. Dabei kann ein Ernährungstagebuch helfen, das man anschließend mit einem Ernährungsspezialisten durchgeht.

Weniger FODMAPs essen oft hilfreich

Vor allem wer zu Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen neigt, kann von einer low-FODMAP-Diät profitieren, aber auch, wenn Verstopfung und Blähungen das Hauptthema sind. Was sind FODMAPs? Fermentierende (F) Oligosaccharide (O), Disaccharide (D), Monosaccharide (M) und (A) Polyole (P). Es handelt sich dabei also um bestimmte Zuckerarten, die im Dickdarm von Bakterien verstoffwechselt werden, wenn sie nicht in ausreichendem Maße zuvor im Dünndarm abgebaut wurden. Das kann typische Reizdarmbeschwerden hervorrufen. FODMAPs sind zum Beispiel Milchzucker (Laktose), Fruchtzucker (Fruktose), Raffinose, Stachyose, Sorbitol.

In enger Abstimmung mit dem Arzt oder der Ärztin und gegebenenfalls einer Ernährungsberaterin verzichtet man für zirka vier bis sechs Wochen komplett auf FODMAPs. Bessern sich die Beschwerden dadurch deutlich, wird danach die individuelle Verträglichkeit der einzelnen Lebensmittel stufenweise ausgetestet. Wichtig: Nicht in Eigenregie eine komplette Auslassdiät machen. Außerdem kann ein dauerhafter Verzicht auf FODMAPs ungünstige Effekte auf die Darmflora haben, besonders hinsichtlich der "gesunden" Bakterien und der Vielfalt insgesamt im Darm. FODMAPs dienen zum Beispiel Milchsäurebakterien als Nahrungsquelle. Patientinnen und Patienten sollten hier also gründlich abwägen und mit dem Arzt oder der Ärztin Rücksprache halten.

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Mädchen mit Obst

Die richtige Ernährung bei Reizdarm

Die FODMAP-Diät soll Menschen mit Reizdarm helfen. Was der Begriff bedeutet, welche Lebensmittel viele FODMAPs enthalten und auf was Sie bei dieser Ernährungsform achten sollten

Lebensmittel, die viele FODMAPs enthalten:

Weizenbrot, Roggenbrot, Gerste, Couscous, Weizenkleie, Sojamehl, Müsli, Nudeln aus Hartweizen, Süßigkeiten, Kuchen, Milch, Eis, Joghurt, Streichkäse, Buttermilch, Frischkäse, Quark, Mascarpone, Hüttenkäse, Pudding, Pistazien, Cashewnüsse, Artischocken, Spargel, Pilze, Zwiebeln, Lauch, Rote Bete, Pastinake, Knoblauch, Blumenkohl, Erbsen, Bohnen und andere Hülsenfrüchte, Äpfel, Aprikosen, Kirschen, Mangos, Nektarinen, Pfirsiche, Pflaumen, Birnen, Wassermelone, Chutneys, Fruchtaufstriche, Fertigsoßen, Honig, Maissirup, Süßungsmittel, Agavendicksaft, Obstsäfte, Avocado, Kaffee-Ersatz aus Zichorienwurzel, Kokoswasser.

Lebensmittel mit wenigen FODMAPs:

Buchweizen, Hirse, Haferflocken, Polenta, Quinoa, Vollkornreis, Wildreis, glutenfreie Brote und Süßigkeiten, laktosefreie Milchprodukte, Butter, Hartkäse, Schnittkäse, Eier, Fisch, Fleisch, Tofu, Nüsse und Samen, Karotten, Brokkoli, Bambussprossen, Chinakohl, Auberginen, Salat, Oliven, Kartoffeln, Spinat, Kürbis, Zucchini, Bananen, Blaubeeren, Honigmelonen, Kiwi, Zitrone, Erdbeeren, Himbeeren, Tomaten, Papaya, Sojasoße, Senf, Essig, Fruchtsaftschorle (selbst gemischt, wenig Saft), Kokosnuss, Paprika, Gurke, Haushaltszucker, Ahornsirup.

Wichtig: Diese Liste ist nicht vollständig. Außerdem kann es sein, dass manche Menschen Lebensmittel mit vielen FODMAPs gut vertragen und solche mit wenigen nicht. Des Weiteren spielt die Menge eine Rolle sowie die Kombination der Lebensmittel.

Wer nur auf Milchzucker, Fruchtzucker, Weizen und Weizenverwandte oder auf histaminhaltige Nahrungsmittel mit Beschwerden reagiert, hat im engeren Sinne kein Reizdarmsyndrom, sondern eine Unverträglichkeit. Auch Nahrungsmittelallergien machen Reizdarmbeschwerden, hier liegt aber eine Allergie vor. In solchen Fällen sollten Betroffene in Zusammenarbeit mit einer Ernährungsfachkraft diese speziellen Lebensmittel für einige Wochen meiden und dann sehen, ob eine deutliche Besserung eintritt. Mehr zu diesen Unverträglichkeiten finden Sie in folgenden Beiträgen:

Ballaststoffe nach Verträglichkeit austesten

Ballaststoffe gelten als sehr gesund. Sie fördern die Verdauung und sollen vor Krankheiten wie Diabetes und Darmkrebs schützen. Dennoch vertragen einige Menschen keine zu großen Mengen davon. Hier gilt es, die individuelle Verträglichkeit auszutesten. Reizdarmpatienten, die überwiegend mit Verstopfung kämpfen, können von löslichen Ballaststoffen wie Flohsamenschalen profitieren.

Video: Das hilft gegen Blähungen

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