Charakteristisch für das Reizdarmsyndrom ist ein häufiger, oft krampfartiger Bauchschmerz. Er kann mal intensiver, mal weniger intensiv sein. An manchen Tagen fühlen sich Patienten und Patientinnen wohl, an anderen nicht. Intensität und Häufigkeit variieren von Mensch zu Mensch.

Häufig tritt der Bauchschmerz in Zusammenhang mit dem Stuhlgang auf. Dieser kann die Beschwerden verbessern, teilweise aber auch verschlimmern. So berichten Reizdarmpatienten von dem Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung – sie müssen, können aber nicht oder sie haben sich erleichtert, aber nicht ganz. Typisch ist zudem ein unregelmäßiger Stuhlgang. Betroffene neigen entweder zu Durchfall oder zu Verstopfung. Zum Teil wechselt dies auch.

Neben diesen Symptomen haben viele Patientinnen und Patienten einen aufgeblähten Bauch, fühlen sich voll, haben den Eindruck, zu viel Luft im Bauch zu haben. Sie leiden unter teilweise starken Blähungen, müssen häufig aufstoßen. Andere berichten, dass der Bauch angespannt ist. Zusätzlich zu den Darmbeschwerden kann es unter anderem zu Müdigkeit, Kopfschmerzen, Erschöpfung und gedrückter Stimmung kommen.

Stress, Essen allgemein sowie bestimmte Lebensmittel triggern die Symptome bei einem Teil der Betroffenen. Frauen berichten, dass der weibliche Zyklus einen Einfluss auf den Reizdarm hat.

Die typischsten Reizdarm-Symptome

  • Krampfartige Bauchschmerzen
  • Neigung zu Durchfall, Verstopfung oder beides im Wechsel
  • Blähungen, Blähbauch, Völlegefühl
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung

Diagnose: Reizdarm feststellen

Die Diagnose Reizdarmsyndrom zu stellen, ist für Ärztinnen und Ärzte oft eine Herausforderung. Erstens unterscheiden sich die Beschwerden von Patient zu Patient ziemlich und können sich im Laufe der Zeit verändern. Zweitens können andere Krankheiten ähnliche Symptome hervorrufen. Drittens gibt es bislang keinen Test, mit dem sich ein Reizdarm eindeutig nachweisen lässt.

Ernste Ursachen ausschließen

In einem ersten Gespräch geht der Arzt oder die Ärztin (am besten ein Gastroenterologe/-in) mit dem Patient oder der Patientin die Beschwerden durch. Er oder sie fragt unter anderem, wie lange die Symptome schon bestehen und ob bestimmte Faktoren wie Lebensmittel diese verstärken. Der Arzt oder die Ärztin klärt ab, ob der Patient zum Beispiel unter nächtlichem Stuhldrang leidet, Blut im Stuhl ist, es zu ungewolltem Gewichtsverlust kam, in der Familie Darmkrebs oder entzündliche Darmkrankheiten wie Morbus Crohn vorkommen. Auf diese Weise lassen sich die möglichen Ursachen eingrenzen und andere gefährliche Krankheiten nach weiteren Untersuchungen erkennen oder ausschließen.

Es können sich eine Reihe von Untersuchungen anschließen. Zum Beispiel:

  • Blutuntersuchungen (Entzündungswerte, Leberwerte, Bauchspeicheldrüsen- und Gallenwerte)
  • Test auf Blut im Stuhl
  • Rektale Tastuntersuchung (Austastung des Enddarms mit dem Finger)
  • Ultraschalluntersuchung des Bauches
  • Darmspiegelung (Koloskopie)
  • Untersuchung des Stuhls auf bakterielle Krankheitserreger, Parasiten wie Würmer, aber auch auf Entzündungsmarker und gegebenenfalls Gallensäuren
  • Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten (zum Beispiel Laktose-Toleranz-Test, Fruktose-Toleranz-Test) und Zöliakie, Tests auf Nahrungsmittelallergien
  • Gynäkologische Untersuchung

Darmflora bestimmen lassen?

Von einer Untersuchung der Darmflora rät die Deutsche Ärzteleitlinie momentan ab, auch wenn dies in vielen Arztpraxen und im Internet für Selbstzahler angeboten wird. Der Grund: Es lässt sich noch nicht sagen, welche Testverfahren und Entnahmebedingungen zu den zuverlässigsten Ergebnissen führen. Außerdem ist die Zusammensetzung des Darmmikrobioms sehr variabel und hängt von vielen Faktoren ab, vor allem aber von dem, was man in den Tagen vor dem Test isst.

Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten sinnvoll?

Unverträglichkeiten auf bestimmte Nahrungsmittel können häufig Reizdarmbeschwerden auslösen. Oft haben Betroffene schon bestimmte Lebensmittel in Verdacht. In der Arztpraxis kann dann zum Beispiel ein Test auf Milchzucker-, Fruchtzucker- und Sorbit-Unverträglichkeit gemacht werden. Manche Menschen reagieren auf Weizeninhaltsstoffe mit Bauch- und anderen -beschwerden. Doch es kommen eine Vielzahl von Lebensmitteln infrage, die Menschen nicht gut vertragen. Zum Beispiel auch Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Lauchgewächse, zu viel Fett, Alkohol, Milcheiweiß und die sogenannten FODMAPs (siehe Abschnitt Therapie – Ernährung). Ein Ernährungstagebuch kann helfen, bestimmten Nahrungsmitteln auf die Schliche zu kommen. Von Tests auf IgG -Antikörper (Immunglobulin G), welches sich gegen spezielle Nahrungsbestandteile oder Lebensmittel richten könnte, rät die Ärzteleitlinie ab. Denn zahlreiche Ursachen können die Level von IgG im Blut ansteigen lassen. Es muss nicht, wie bei den Selbsttests suggeriert, eine Immunreaktion auf den Nahrungsbestandteil vorliegen.

Lassen sich sicher eine oder mehrere Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder -allergien nachweisen, liegt kein Reizdarmsyndrom vor, sondern eine spezifische Unverträglichkeit. Diese und weitere Krankheiten können zu Reizdarm-Beschwerden führen, bei ihnen ist jedoch eine organische Ursache auffindbar und sie lassen sich gezielt behandeln. So bessern sich zum Beispiel die Symptome deutlich oder verschwinden, wenn jemand nur eine bestimmte Menge Milchzucker verträgt und diesen fortan meidet oder nur in kleinen Mengen zu sich nimmt. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Lactoseunverträglichkeit
  • Fruchtzuckerunverträglichkeit
  • Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO, Small Intestinal Bacterial Overgrowth)
  • Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität
  • Gestörter Gallensäurestoffwechsel
  • Divertikulose
  • Störungen der Darmbewegungen (intestinale Motilitätsstörungen)
  • Eierstockzysten
  • Nahrungsmittelallergien

Psychische Einflüsse abklären

Da Reizdarmbeschwerden häufig mit seelischen Problemen wie einer Depression oder Angststörung einhergehen, sollte dies überprüft werden. Auch Ereignisse, die ein Mensch als Kind oder Erwachsener als sehr bedrohlich empfunden hat, können dazu beitragen, einen Reizdarm zu bekommen. Dies gilt insbesondere auch bei Erlebnissen, die zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) geführt haben.

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