Bauchspiegelung (Laparoskopie)

Die Bauchspiegelung eignet sich sowohl zur Diagnose von Krankheiten in der Bauch- und Beckenhöhle als auch zur Behandlung
aktualisiert am 10.04.2017

Laparoskopischer Eingriff: Bei einer Bauchspiegelung kann gleich auch operiert werden

Mauritius Images GmbH/Phototake

Bei der Bauchspiegelung führt der Arzt ein röhrenförmiges optisches Untersuchungsgerät, das Endoskop, in die Bauch- oder Beckenhöhle ein, um die inneren Organe zu beurteilen. Neben der Stellung einer Diagnose sind im selben Eingriff auch laparoskopische Operationen möglich. Im Unterschied zu einer offenen Operation am Bauch, einer sogenannten Laparotomie, sind für Eingriffe mit dem Laparoskop nur einige kleine Schnitte notwendig, durch welche das Endoskop und die Operationsgeräte in den Bauch eingeführt werden. Man spricht daher auch von Schlüsselloch-Chirurgie.

So funktioniert die Bauchspiegelung

Eine laparoskopische Operation erfolgt unter Vollnarkose. Der Arzt macht einen etwa 0,5 bis ein Zentimeter großen Schnitt und ein bis zwei Einstiche in die Bauchdecke. Über den Schnitt im Nabel bringt er das Laparoskop in die Bauchhöhle ein. Am Ende dieses röhrenförmigen Instruments befinden sich eine Lichtquelle und eine winzige Kamera. Über einen Bildschirm kann der Arzt nun Aussehen und Lage der Bauch- oder Beckenorgane beurteilen oder auch unter Sichtkontrolle operieren. Die zusätzlichen Einstiche sind notwendig, um feine chirurgische Instrumente wie zum Beispiel Fasszangen, Schere und Sauger in die Bauchhöhle einzuführen. In der Regel bläst der Arzt die Bauchhöhle zusätzlich mit dem Gas Kohlenstoffdioxid auf. Dadurch hebt sich die Bauchdecke von den Eingeweiden ab. Das verschafft dem Operateur die notwendigen Platz- und Sichtverhältnisse, die ein zielgenaues Arbeiten ermöglichen und die Verletzungsgefahr vermindern.

Wozu führt man eine Bauchspiegelung durch?

Die Bauchspiegelung ist ein wichtiges Diagnoseverfahren, um Krankheiten der Bauch- oder Beckenorgane festzustellen. Die Laparoskopie ist insbesondere sinnvoll, wenn sich Beschwerden im Bauchbereich nicht durch andere Untersuchungsmethoden klären lassen. Dazu zählen Spiegelungen über natürlichen Körperöffnungen wie die Magenspiegelung oder Darmspiegelung, oder bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomografie oder Kernspintomografie. Durch die Bauchspiegelung lassen sich krankhafte Veränderungen, zum Beispiel an Magen, Darm, Leber, Milz und Bauchspeicheldrüse, aber auch an Eierstöcken und Teilen der Gebärmutter meist gut erkennen.

Zusätzlich kann der Arzt während des Eingriffs Gewebeproben entnehmen, sogenannte Biopsien. Nützlich kann die Bauchspiegelung daher auch bei Tumorerkrankungen im Bauch- und Beckenbereich sein. Mit ihrer Hilfe lässt sich beispielsweise beurteilen, ob und wie die Geschwulst operiert werden kann und ob schon Tumorabsiedelungen (Metastasen) vorliegen. Durch eine feingewebliche Untersuchung des entnommenen Gewebes lässt sich außerdem bestimmen, ob es sich um eine gut- oder bösartige Veränderung handelt. Auch die Funktion bestimmter Organe kann im Rahmen einer Laparoskopie untersucht werden. Beispielsweise lässt sich bei unerfülltem Kinderwunsch und ungewollter Kinderlosigkeit mittels Bauchspiegelung prüfen, ob die Eileiter der Frau durchgängig sind.

Die Bauchspiegelung wird nicht nur zur Diagnose, sondern auch zur Therapie eingesetzt. Folgende Operationen finden zum Beispiel häufig laparoskopisch (in Schlüsselloch-Operationstechnik) statt:

Bei diesen Eingriffen stellt heute das laparoskopische Operieren bereits das Standardverfahren dar. Aber auch ausgedehntere Operationen an Magen, Darm, Milz und Bauchspeicheldrüse sowie gynäkologische Eingriffe sind laparoskopisch möglich.

Was sind die Vorteile der Bauchspiegelung?

Die Bauchspiegelung ist im Vergleich zu einer offenen Bauchoperation für den Patienten schonender. Mithilfe des Laparoskops können Details auf dem Monitor vergrößert dargestellt werden. Auch enge Stellen und Winkel zwischen den Organen lassen sich genau betrachten.

Die kleineren Schnitte verheilen in der Regel schneller und verursachen weniger Schmerzen. Die Patienten können rascher wieder aufstehen und die Darmtätigkeit kommt früher in Gang, was eine frühzeitige normale Ernährung ermöglicht. Damit ist nicht nur die Verweildauer im Krankenhaus kürzer, sondern auch die Komplikationsrate geringer. Eine Bauchspiegelung ist teilweise auch ambulant möglich, zum Beispiel, wenn es nur um eine Untersuchung, um die Entfernung kleinerer Zysten oder von Endometrioseherden geht. Außerdem gibt es weniger Spätfolgen wie Verwachsungen im Bauchraum oder Narbenbrüche als beim offenen Operieren.

Welche Nachteile hat eine Bauchspiegelung?

Wie jeder chirurgische Eingriff, so birgt auch die Laparoskopie gewisse Risiken. So besteht etwa die Gefahr, dass Gefäße, Nerven oder Organe verletzt werden. Größere Blutungen können dem Operateur die Sicht nehmen und daher schwieriger zu stillen sein als bei einer offenen Operation. Eine relativ häufige, allerdings harmlose Nachwirkung der Bauchspiegelung ist ein geblähter Bauch infolge des eingeblasenen Gases, das notwendig ist, um dem Arzt bessere Sicht zu verschaffen. Dieser geblähte Bauch kann spannen und nach dem Eingriff Schmerzen bereiten, die aber üblicherweise schnell abklingen.

Weitere mögliche Komplikationen der Bauchspiegelung sind unter anderem Wundinfektionen, nachträgliche Verwachsungen von Gewebe und die Gefahr der Entstehung von Blutgerinnseln (Thrombosen). Im Allgemeinen sind derartige Komplikationen jedoch relativ selten und können grundsätzlich auch nach anderen Operationen auftreten; das Risiko ist nach laparoskopischen Eingriffen insgesamt geringer als nach offenen Operationen.

Wann eine Bauchspiegelung ungeeignet ist

Patienten mit schweren Herz- oder Lungenkrankheiten werden üblicherweise nicht laparoskopisch operiert, da bei ihnen die für laparoskopische Eingriffe notwendige Aufblähung des Bauchraums mit Gas und das dadurch höher tretende Zwerchfell die Beschwerden der Herz- oder Lungenkrankheit verstärken kann. Vorausgegangene Operationen im Bauchraum mit den dadurch bedingten Verwachsungen erschweren die Laparoskopie und zwingen unter Umständen zur Fortführung der Operation als offener Eingriff. Bei sehr übergewichtigen Personen ist eine laparoskopische Operation oft technisch erschwert. Weil aber gerade diese Patienten besonders von minimal-invasiven Eingriffen profitieren, sollte man prüfen, ob eine laparoskopische Operation nicht doch möglich und vertretbar ist.

Die laparoskopische Operation bösartiger Geschwülste, wie Magen-,  Dickdarm- oder Mastdarmkrebs, erfordert besondere Erfahrung. Denn hier ist es wichtig, den Tumor aus Radikalitätsgründen komplett einschließlich der zugehörigen Lymphknoten und häufig auch mit Teilen der Nachbarorgane zu entfernen. Das ist bei den meisten Eingeweidetumoren durch die offene Operation besser und für die Patienten mit größerer Sicherheit möglich. Neuere Vergleichsstudien belegen allerdings, dass gerade beim Dickdarm- und Mastdarmkrebs die laparoskopischen Operationen mit der gleichen Radikalität und damit Sicherheit für den Patienten erfolgen können wie offene Operationen.

Auch bei einem Darmverschluss (Ileus), schweren Gerinnungsstörungen sowie bakteriellen Infektionen des Bauchfells (Peritonitis) wird eine offene Operation der Bauchspiegelung vorgezogen.

Prof. Hartwig Bauer

© Foto Strauß

Beratender Experte: Professor Dr. Hartwig Bauer, Chirurg und ehemaliger Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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