Gesichtsschmerzen – weitere Ursachen: Von Gesichtsrose bis Herzinfarkt

Neben unterschiedlichen Nervenschmerzen können auch Krankheiten wie Herpes zoster, Multiple Sklerose, klassische Autoimmunerkrankungen und sogar ein Herzinfarkt Schmerzen im Gesicht auslösen

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 04.12.2018
Migräne

Eine Gesichtsrose (Herpes zoster) kann sich auch durch Schmerzen oberhalb des Auges ankündigen


Gürtelrose - Gesichtsrose (Herpes zoster)

Die Gürtelrose ist eine entzündliche Viruserkrankung, die bestimmte Nervenknoten befällt, mit starken Schmerzen in den betroffenen Hautarealen verbunden ist und Ausschläge mit Bläschen und Pusteln hervorruft. Oft kommt es auch zu Fieber und Abgeschlagenheit. Das verantwortliche Varizellen-Zoster-Virus wird in der Kindheit bei einer Windpockeninfektion aufgenommen (seltener unbemerkt) und überdauert dann in Nervenknoten. Später kann es wieder "aufgeweckt" und aktiviert werden, beispielsweise wenn das Immunsystem geschwächt ist. Je nachdem, wo das geschieht, kommt es dann zur Gürtel- oder Gesichtsrose.

Die Schmerzen setzen in der Regel einige Tage vor den Hautveränderungen ein. Im Gesicht verlaufen sie oft im Bereich des ersten Astes des Trigeminusnerven, also von der Schläfe zur Stirn, oberhalb des Auges. Das Krankheitsbild heißt dann Zoster ophthalmicus. Bei Übergreifen auf das Auge kann eine schwere Binde- und Hornhautentzündung entstehen. Es können auch Abschnitte um das Ohr betroffen sein (Zoster oticus).

Taubheitsgefühle und Kribbeln kommen nicht selten dazu. Es ist also ein umfassenderes Krankheitsbild, das mit Elementen einer Neuropathie und Neuralgie sowie Allgemeinsymptomen (etwa Fieber, Abgeschlagenheit und Hautausschlag) einhergehen kann. Um chronische Schmerzen (sogenannte postzosterische Neuralgie als Folgeerkrankung) zu vermeiden, ist eine rechtzeitige Behandlung des Herpes zoster mit einem Medikament, das die Virusvermehrung hemmt (Virostatikum), sehr wichtig. Mehr dazu im Ratgeber "Gürtelrose":

Was ist eine Trigeminusneuropathie?

Der Drillings- oder Trigeminusnerv gehört zu den Hirnnerven (siehe Kapitel "Gesichtsschmerzen: Trigeminusneuralgie").

Eine Trigeminusneuropathie kann zum Beispiel Folge einer Kopf- oder Gesichtsverletzung sein. Symptome: Neben Minderung der Gefühlswahrnehmung bis hin zu "Taubheit" im betroffenen Kiefer- oder Gesichtsbereich kann es paradoxerweise auch zu starken, brennenden Schmerzen mit einschießenden Schmerzattacken kommen (Anaesthesia dolorosa). Der Alltag einschließlich Essen, Trinken, Sprechen ist dann für die Betroffenen massiv beeinträchtigt.

Schmerzquellen: Weitere mögliche Ursachen für eine (symptomatische) Trigeminusneuropathie:

  • Erkrankungen / Schädigungen im Gehirn oder im Gesichtsbereich: Entzündungen oder Gewebeschädigungen im zentralen Nervensystem wie bei Multipler Sklerose, Hirninfarkt (Schlaganfall), Gürtelrose (hier als Gesichtsrose; mehr dazu weiter unten), Druckschäden durch Blutgefäße oder Geschwülste, etwa Tumoren. Des weiteren krankhafte Veränderungen im Bereich der Schädelknochen, Nebenhöhlen und Kieferknochen, außerdem Kopfverletzungen.
  • Körperliche Krankheiten mit "Systemcharakter", also mehrere Organe betreffend, daher auch Systemkrankheiten genannt: Im Hinblick auf eine Trigeminusneuropathie reichen die Beispiele von der inzwischen wieder etwas häufiger diagnostizierten Syphilis über Vergiftungen, etwa mit Thallium oder Alkohol (als Genussgift: Alkoholkrankheit) bis hin zu sogenannten Autoimmunkrankheiten. Dazu gehören zum Beispiel Gefäßentzündungen (Vaskulitis-Erkrankungen) und Bindegewebsentzündungen (Kollagenosen) wie Sarkoidose, systemischer Lupus erythematodes (SLE), Riesenzellarteriitis.
    ! Zur Erklärung: Bei einer Autoimmunerkrankung kommt es zu fehlgeleiteten Immunreaktionen mit Entzündungen im Körper. Neuropathien durch Alkohol oder Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes zeigen sich meist als Polyneuropathien (siehe oben).

Weitere Arten von Nervenschmerzen

Neben der Trigeminusneuralgie können, allerdings seltener, im Gesicht auch andere Nervenschmerzen auftreten, die eigene Bezeichnungen haben. Dazu gehört die Glossopharyngeusneuralgie (Schmerzen im Bereich des Nerven, der Zunge, Rachenraum, Paukenhöhle und Ohrspeicheldrüse versorgt). Auch hier kann der gleichnamige Nerv gereizt sein. Es liegt keine andere erkennbare Erkrankung zugrunde.
Symptome: Die oft heftigen, plötzlich einsetzenden Schmerzattacken werden vielfach durch Sprechen, Husten, Kauen oder Schlucken ausgelöst. Sie treten meist einseitig vor allem in der Nähe des Ohrs, hinten an der Zunge, im Bereich des Rachens und der Rachenmandeln auf. Dauerschmerzen sind ebenfalls möglich, allerdings nur selten.

Je nachdem, an welchen Bahnen die Schmerzattacken verlaufen, lassen sich noch weitere Neuralgien diagnostizieren, wie die Intermediusneuralgie. Bei dieser ist der Intermedius-Nerv betroffen, ein Teil des Gesichtsnervs (Fazialisnerv). Die einseitigen Schmerzattacken treten im Gehörgang und in der Tiefe des Ohrs auf.

Schmerzanfälle, die vor allem auf einer Seite in der Augenhöhle, dem inneren Augenwinkel und an den Nasenwurzeln einsetzen und bis zum Ohr, in den Rachen und Oberkiefer ausstrahlen, können auf das Sluder-Syndrom hindeuten. Mediziner vermuten hinter diesem dem Cluster-Kopfschmerz ähnlichen Beschwerdebild eine Entzündung eines mitbeteiligten Nervenknotens.

Eine weiteres Thema ist die sogenannte Optikusneuritis (der Fachbegriff bezeichnet eine Entzündung des Sehnervs): Darauf können ein- oder beidseitige Schmerzen hinter den Augen, die bei Augenbewegungen stärker werden und Sehstörungen nach sich ziehen, hinweisen. Die Beschwerden legen sich oft nach wenigen Wochen. Auch die Optikusneuritis tritt nicht selten im Rahmen einer Multiplen Sklerose auf.

Eine Lähmung des Gesichtsnervs (Fazialisparese), ein vielgestaltiges Krankheitsbild, kann im Vorfeld mit Schmerzen seitlich im Gesicht und hinter dem Ohr einhergehen. Mehr Informationen dazu gibt der Ratgeber "Gesichtslähmung". 

Herzinfarkt

Treten Kieferschmerzen, oftmals auf der linken Seite im Unterkiefer, auf, kann das auch auf ein akutes Herzproblem hinweisen. Besonders wenn sie mit Brustschmerzen als Leitsymptom für einen Herzinfarkt verbunden sind. Dieses kann allerdings auch fehlen.

Oft zeigen noch weitere Symptome die Notfallsituation an, wie Engegefühl in der Brust, Schmerzen, die in den Arm ausstrahlen, Blässe, kalte Schweißausbrüche, Übelkeit, Angstgefühle, Kreislaufschwäche. Rufen Sie im Notfall unverzüglich den Rettungsdienst: Notruf 112, und leisten Sie erste Hilfe.

Therapie der unterschiedlichen Nervenschmerzen

Voraussetzung ist immer eine sorgfältig neurologische Diagnose. Häufig eignen sich vergleichbare Therapiemaßnahmen wie bei der Trigeminusneuralgie, bestimmte Antidepressiva, Antiepileptika, bei Bedarf auch stärkere Schmerzmittel. Spezielle Medikamente kommen zum Beispiel bei einer Multiplen Sklerose (siehe Link weiter oben) oder bei Autoimmunkrankheiten zur Anwendung. Ansonsten richtet sich die Therapie nach der Grunderkrankung.