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Gesichtsschmerzen – Ursachen: Anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz

Schmerzen im Gesicht können sich zu chronischen Beschwerden ohne erkennbare Ursache entwickeln

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 04.12.2018
Migräne

Dauerschmerzen im Gesicht: Häufig bohrt der Schmerz auf einer Seite


Anhaltender idiopathischer (atypischer) Gesichtsschmerz

Schmerzquelle: Fachmediziner bezeichnen diesen Dauerschmerz ohne erkennbare Krankheitsursache als anhaltend idiopathisch, früher hieß er atypischer Gesichtsschmerz. Er kann die Spätfolge einer schon ausgeheilten Verletzung im Gesicht, an Zähnen oder Kiefer oder einer überstandenen Operation sein.

Konkrete Schäden in diesen Bereichen sind jedoch nicht mehr nachzuweisen. Auch lässt sich kein krankhafter neurologischer Befund erheben. Das Leiden wirkt sich wie andere chronische Schmerzerkrankungen häufig auf die Psyche aus.

! Wichtig: Der anhaltende idiopathische Gesichtsschmerz gilt nicht als psychisch bedingt. Vielmehr wird er einer bislang noch unklaren Störung im Zentralnervensystem zugeschrieben. Betroffen sind wohl überwiegend Frauen.

Mitunter tritt ein idiopathischer Gesichtsschmerz auch im Rahmen einer allgemeinen chronischen Schmerzerkrankung auf.

Auch wenn die Psyche nicht direkt ursächlich beteiligt ist, haben sich psychologische Schmerztherapien (siehe unten und im Kapitel "Gesichtsschmerzen: Therapien und Selbsthilfe") bewährt, um aufkommende seelische Belastungen besser in den Griff zu kriegen.

Symptome: Die Schmerzen sind mindestens zwei Stunden am Tage in gleichbleibender oder wechselnder Stärke vorhanden. Sie bestehen meistens über mehr als drei Monate. Nachts beim Schlafen haben die Betroffenen keine oder kaum Beschwerden. Sie beschreiben die Schmerzen als tief sitzend, dumpf, bohrend, brennend oder pulsierend. Die anhaltenden Gesichtsschmerzen beginnen vor allem auf einer Gesichtshälfte im Bereich des Oberkiefers um Mund, Nase und in der Falte von der Nase zum Mund hin, können sich aber auch auf das Kinn und weitere Bereiche bis zum Nacken ausbreiten, die Seiten wechseln oder beide erfassen, ebenso den Mund (oral).

Typischerweise gibt es keine einschießenden Schmerzattacken und auch keine auslösenden Faktoren, Trigger, wie bei der Trigeminusneuralgie. Gefühlsstörungen gehören ebenfalls nicht zum Krankheitsbild. Allerdings können Einflüsse wie Kälte oder Stress die Schmerzen verstärken, und einige Patienten berichten zum Beispiel von Taubheits- oder Wärmeempfindungen (siehe auch "Trigeminusneuralgie" im entsprechenden Kapitel dieses Beitrags).

Sprechstunde

Diagnose: Hier geht es in erster Linie darum, andere Schmerzformen auszuschließen. Dazu dienen eine möglichst genaue Beschreibung des Beschwerdebildes und gegebenenfalls weitere fachärztliche Untersuchungen (Neurologe, HNO-Arzt, Augenarzt). Auch gilt es, eine eventuelle kraniomandibuläre Fehlfunktion abzugrenzen (siehe dazu Kapitel "Gesichtsschmerzen: Fehlfunktionen im Zahn- und Kieferbereich").

Zu der langen Liste der Erkrankungen, die ähnliche Symptome im Gesicht auslösen können, gehören weitere, eher seltene Formen von Nervenschmerzen oder auch ein Herpes zoster (in diesem Fall als Trigeminusneuropathie, siehe dazu ebenfalls das Kapitel "Trigeminusneuralgie" und das Kapitel "Gesichtsschmerzen – weitere Ursachen").

Therapie: Häufig haben die Betroffenen schon viele Therapieversuche und teilweise unnötige Eingriffe, etwa an Zähnen und Kiefer, hinter sich. Wenn die Diagnose anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz ohne erkennbare organische Ursache feststeht, raten Fachärzte zu einer individuell ausgerichteten Behandlung.

Sogenannte trizyklische Antidepressiva können nicht nur stimmungsaufhellend wirken, sondern auch schmerzlindernd. Manche Patienten sprechen auf andere Antidepressiva oder krampflösende Mittel (Antiepileptika) an.

Akupunktur oder eine elektrische Nervenstimulation über die Haut können mitunter ebenfalls Erleichterung bringen. Neurologen empfehlen zudem Verhaltenstherapien, die den Betroffenen helfen, besser mit den Schmerzen umzugehen sowie Spannungen und Ängste abzubauen, sowie speziell ausgerichtete Hypnoseverfahren.