Schlafstörungen – Diagnose: Den Schlafstörern auf der Spur

Wer dauerhaft schlecht schläft, sollte zum Arzt gehen. Gespräche, körperliche Untersuchungen und ein Schlaftagebuch helfen meist, die Ursache zu finden. Manchmal bringt auch erst der Aufenthalt in einem Schlaflabor Klarheit

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 04.04.2018
Sprechstunde

Hartnäckige Schlafstörungen am besten vom Arzt abklären lassen


Die internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) beziehungsweise der Schlafstörungen (ICSD-3) teilt diese in verschiedene Gruppen und Schweregrade von leicht bis schwer ein. Die Einordnungen werden von Zeit zu Zeit den neuesten Erkenntnissen aus der Schlafforschung angepasst. Sie geben dem Arzt hilfreiche Instrumente an die Hand, wenn es darum geht, eine Schlafstörung zu diagnostizieren.

Im Vordergrund steht für ihn jedoch, was der Patient berichtet, wie er seine Schlafprobleme wahrnimmt, in welcher Form sein Alltag dadurch beeinträchtigt wird und welche Beschwerden er sonst noch hat.

Plötzliches Einschlafen

Allerdings haben nicht wenige Menschen zwar den subjektiven Eindruck, schlecht oder zu wenig zu schlafen, fühlen sich aber tagsüber körperlich und geistig fit. Das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit am Tag sind wichtige Kriterien für den Arzt, wenn er eine Schlafstörung beurteilen soll. So bezeichnen Schlafexperten Schlafstörungen auch korrekter als den nicht erholsamen Schlaf.

Denn auf der anderen Seite gibt es Menschen, die Störungen ihres Schlafs nicht wahrnehmen, die also das Gefühl haben, normal zu schlafen. Am Tage sind sie jedoch unausgeschlafen oder sogar schläfrig und leiden wiederholt unter Konzentrations- und Leistungsschwächen.

Häufige Fragen zur Schlafqualität, die der Arzt stellt (Auswahl):

  • Wie äußern sich die Schlafprobleme? Wann gehen Sie zu Bett, wie lange benötigen Sie ungefähr, um einzuschlafen. Wachen Sie nachts auf, wenn ja, wie oft? Wann wachen Sie morgens auf?
  • Wie ist Ihr Befinden am Tag? Sind Sie oft müde und unkonzentriert? Fühlen Sie sich häufig niedergeschlagen und lustlos?
  • Nicken Sie untertags immer wieder ein, vielleicht auch in unpassenden Situationen?
  • Schnarchen Sie oder haben Sie nächtliche Atemaussetzer (nach Angabe von anderen)?
  • Haben Sie körperliche Beschwerden? Zum Beispiel Atemprobleme, Gelenk- oder Kopfschmerzen, Herzbeschwerden, Muskelschmerzen, Muskelzuckungen, Kribbeln in Armen oder Beinen?
  • Leiden Sie an einer bestimmten Krankheit?
  • Nehmen Sie Medikamente ein, zum Beispiel Mittel gegen Bluthochdruck, Asthma, Allergien?
  • Nehmen Sie Schlafmittel ein?
  • Wie sieht Ihre Lebens- und Arbeitssituation aus? Müssen Sie oft reisen, auch in andere Zeitzonen? Leisten Sie Schichtarbeit?
  • Stehen Sie privat oder beruflich sehr unter Stress? Gibt es Dinge, die Sie belasten, Ihnen Angst machen?
  • Fühlen Sie sich oft antriebslos, traurig und niedergeschlagen?
  • Wie sieht Ihr Schlafbereich aus (Schlafzimmer, Bett, Matratze, Temperatur, Luftzufuhr)? Wie die Umgebung (Lärm, Helligkeit, Luftqualität)?
  • Wie viel Kaffee trinken Sie am Tag und wann? Wie viel Alkohol? Was essen Sie abends?
  • Wie gestalten Sie Ihre Abende?
  • Haben Sie die Sorge, wenn Sie ins Bett gehen, dass Sie wieder nicht gut schlafen werden?
Senioren im Bett - Frau kann nicht schlafen, weil der Mann schnarcht

Um Schlafgewohnheiten und Beschwerden noch genauer erfassen zu können, ist es sehr hilfreich, ein Schlaftagebuch zu führen und über eine oder zwei Wochen die Schlafgewohnheiten und -erfahrungen aufzuschreiben. Die Fragenliste des Arztes liefert dafür wesentliche Anhaltspunkte. Relevant sind zum Beispiel die Bettzeiten, die eigentliche Schlafdauer, Art und Häufigkeit des Aufwachens, störende nächtliche Einflüsse, und wie die Schlafqualität subjektiv eingeschätzt wird.

Wertvoll sind auch Beobachtungen des Schlafpartners hinsichtlich Auffälligkeiten wie Atempausen und wiederkehrende Beinbewegungen des betroffenen Partners im Schlaf (siehe ebenfalls Fragensammlung oben).

Blutdruckmessen

Der Krankengeschichte, die der Arzt erfragt, falls sie ihm noch nicht vertraut ist, folgt meist eine eingehende körperliche Untersuchung, um eventuell noch unbekannte Gesundheitsprobleme aufzudecken. Hier kommen zum Beispiel Bluthochdruck oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), Atemwegsbeschwerden oder Magenleiden infrage.

Gegebenenfalls schließen sich verschiedene Labortests an, um zum Beispiel mögliche Schilddrüsenstörungen oder Nierenleiden zu erkennen. Ein Elektrokardiogramm (Messung der Herzstromkurve) sowie Ultraschalluntersuchungen geben Aufschluss über die Funktion des Herzens und anderer innerer Organe, etwa der Leber und wichtiger Gefäße.

Je nach Ergebnis der Untersuchungen wird der Hausarzt seinen Patienten möglicherweise an einen Arzt einer anderen Fachdisziplin überweisen. Zuständig können unter anderem ein Internist, Lungenfacharzt, Hals-Nasen-Ohren-Arzt, ein auch schlafmedizinisch ausgebildeter Zahnarzt, Kieferorthopäde oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurg, manchmal auch ein Diabetologe oder ein Hormon- und Drüsenspezialist (Endokrinologe) sein.

Für Probleme im Bereich der Nerven und des Gehirns ist ein Neurologe zuständig. Vermutet der Arzt eine psychische Erkrankung hinter den Schlafproblemen, werden ein Psychotherapeut oder Psychiater die nächsten Ansprechpartner sein.

Zentrale Aufgaben bei der Diagnose und Therapie von Schlafstörungen übernehmen schließlich Schlafmediziner. Ihre Untersuchungen führen sie ambulant, teilstationär und stationär durch. Am Anfang stehen häufig spezielle Schlaffragebögen und Punktekataloge (Indices, Skalen), mit denen sie die Schlafstörung und das Ausmaß der damit verbundenen Beschwerden genauer erfassen können. Eine übermäßige Tagesschläfrigkeit (Hypersomnie) etwa diagnostizieren sie mit Hilfe sogenannter Wachheits- oder Vigilanztests.

Auch Untersuchungen zum Beispiel der motorischen Aktivität (Bewegungsmessung oder Aktometrie) werden ambulant eingeleitet. Dabei registriert ein Bewegungsmesser am Handgelenk die Bewegungen im Schlaf- und Wachzustand über 24 Stunden, natürlich auch bei unterbrochenem Schlaf. Dies läuft ebenfalls etwa zwei Wochen und wird dann über einen Computer analysiert.

Die eigentlichen Schlafuntersuchungen finden während eines ein- bis dreitägigen Aufenthalts im Schlaflabor statt. Schlaffragebögen und Schlaftagebuch werden auch zur Therapiekontrolle herangezogen.

Schlaflabor

Untersuchung im Schlaflabor

Die meisten Auslöser für eine Insomnie kann der Arzt durch eingehendes Befragen und die üblichen körperlichen Untersuchungen klären. Sollte er den Verdacht haben, dass eine andere, innere Schlafproblematik hinter den Beschwerden steckt, so zum Beispiel eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus, Atemaussetzer im Schlaf (Schlafapnoe) oder eine Bewegungsstörung wie das Restless-Legs-Syndrom, wird es sinnvoll sein, den Betroffenen noch eingehender in dieser Richtung zu untersuchen.

Dies kann in einem Schlaflabor erfolgen. Universitätskliniken und große spezialisierte Krankenhäuser verfügen teilweise über schlafmedizinische Abteilungen mit entsprechenden Untersuchungseinrichtungen.

Ein Schlaflabor besteht aus Schlafräumen, die mit einem Untersuchungszimmer verbunden sind. Der Patient wird an verschiedene Messgeräte angeschlossen, die sich im Untersuchungszimmer befinden, und mit deren Hilfe ein Polysomnogramm erstellt wird.

Die Messungen zeichnen unterschiedliche Organaktivitäten auf, wie die Gehirnströme (Elektroenzephalogramm, EEG), die Augenbewegungen, um den REM-Schlaf einzuordnen (Elektrookulogramm, EOG), die Herztätigkeit (Elektrokardiogramm, EKG), die Muskelaktivitäten an den Beinen und am Kinn (Elektromyogramm, EMG). Sie vermerken zudem die Atmung durch die Nase, eventuelles Schnarchen, die Atembewegungen von Brustkorb und Bauch sowie die Sauerstoffsättigung des Blutes.

Ergänzende Videoufnahmen können bei bestimmten Fragestellungen wie zum Beispiel Bewegungsstörungen im Schlaf hilfreich sein.

Falscher Eifer: Ins Büro trotz Krankheit

Eine ambulante Polygraphie mit einfacheren Systemen setzen Schlafmediziner zur Diagnosestellung einer schlafbezogenen Atemstörung ein, wenn diese aufgrund hinweisender Beschwerden bereits relativ wahrscheinlich ist.

Die Polygraphie kann auch zur Abklärung einer möglichen schlafbezogenen Atemstörung bei Patienten mit bekannten Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems dienen.

Die Therapie von Schlafstörungen richtet sich einmal nach der Ursache. Es geht aber stets auch darum, die Schlaf- und Lebensgewohnheiten so zu verbessern, dass Schlafen und Wachen in ihrem natürlichen Rhythmus ablaufen können und ein möglichst hohes Maß an Erholung bringen (siehe dazu Kapitel "Therapie und Selbsthilfe"). In den folgenden Kapiteln erfahren Sie mehr über die wichtigsten Ursachen für unruhige Nächte (siehe auch Kapitelübersicht oben am Anfang des Textes).