Kalte Füße – Ursachen: Nerven, Hormone und Psyche

Teile des Nervensystems und bestimmte Hormone dirigieren das Wechselspiel zwischen Körper und Psyche. So kommen kalte Füße etwa bei Ängsten, Essstörungen oder Hormonerkrankungen vor

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 16.10.2018
Lange Strümpfe

Stress und Ängste lassen auch die Füße frieren


Stress, Angst, Depressionen: Manchmal frieren auch die Füße

Die Psyche beeinflusst zahlreiche Körpervorgänge. Über das vegetative Nervensystem und unterschiedliche Hormone wirken sich seelische Schwankungen auch auf die Durchblutung und die Gefäßregulation aus. Daher können Menschen, die innerlich stark angespannt sind, vielfältige körperliche Beschwerden entwickeln und auch unter kalten Füßen leiden. Allerdings stehen bei Depressionen und weiteren psychischen Krankheiten andere Symptome im Vordergrund.

Am deutlichsten treten die Folgen von Überreaktionen des Nervensystems und mangelhaft durchbluteter Extremitäten bei einer Angstattacke auf, wenn die Betroffenen hyperventilieren.

Symptome einer Angstattacke: Kalte, feuchte Hände und Füße können Teil der Angstsymptome sein. Doch in der Regel überwiegen auch hier andere körperliche Beschwerden wie Herzrasen, Schweißausbrüche, Atemnot, Schwindel.

Ausführliche Informationen zu Angststörungen und Angstattacken finden Sie im Ratgeber "Angst":

Magersucht (Anorexia nervosa): Kalte Füße als ein Folgesymptom von vielen

Essstörungen wie Magersucht oder, nicht immer so offensichtlich, Bulimie (Ess-Brech-Sucht) sind psychische Erkrankungen, die mit der Zeit lebensgefährdende körperliche Folgen haben. Durch den extremen Gewichtsverlust, den Magersüchtige mit allen Mitteln bis hin zur Nahrungsverweigerung herbeiführen, geraten Stoffwechsel und Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht.

Körperliche Symptome: Kennzeichnend ist die stetige, starke Gewichtsabnahme. Bei den betroffenen Frauen bleibt häufig die Monatsblutung aus. Sie frieren leicht, haben kalte Hände und Füße. Magersüchtige Männer leiden oft unter Potenzstörungen. Vielen Erkrankten fallen die Haare aus. Es treten Hautprobleme, Muskelschwäche auf, die Leistungsfähigkeit fällt deutlich ab.

Bedrohliche Herzrhythmusstörungen und eine mögliche Nierenschwäche gehören zu den Erkrankungen, die eine unbehandelte Magersucht nach sich zieht.

Mehr Informationen zu Ursachen, Folgen und Therapiemöglichkeiten liefert der Ratgeber "Magersucht (Anorexie)":

Fibromyalgiesyndrom: Chronische Schmerzen, Müdigkeit, zudem oft frierende Hände und Füße

Die Ursachen für dieses Krankheitsbild, das sich durch andauernde Schmerzen vor allem in Muskeln und Gelenken äußert, sind noch nicht geklärt. Eine familiäre Veranlagung sowie Schädigungen von kleinen Nervenfasern spielen möglicherweise eine Rolle. Mit dem Krankheitsbild können auch Depressionen einhergehen, jedoch nicht bei allen Betroffenen.

Symptome: Die Beschwerden treten oft in wechselnder Intensität auf. Stresssituationen, Schlafmangel oder Wetterwechsel können sie verstärken. Schmerzen in unterschiedlichen Körperbereichen, wie im Rücken, im Nacken, in den Armen und Beinen sind charakteristisch. Dazu kommen kennzeichnend Symptome wie Müdigkeit und Schlafstörungen. Viele Betroffene leiden zudem unter Magen-Darm-Problemen, kalten Händen und Füßen, häufigem Schwitzen oder Frieren sowie unter Depressionen.

Lesen Sie mehr zu Ursachen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Fibromyalgiesyndrom":

Hormonstörungen: Erhöhtes Kälteempfinden, auch in den Füßen

Eine Reihe von Hormonen beeinflusst das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel wesentlich. Das wirkt sich auf die Durchblutung unterschiedlicher Körperbereiche sowie auf das Wärme- oder Kälteempfinden aus. Beispielhaft seien hier die Schilddrüsenhormone erwähnt. Sie wirken außerdem auf das zentrale Nervensystem im Gehirn, auf den Energieumsatz und darauf, wie Befehle von den Nerven auf die Muskulatur übertragen werden. Ist die Funktion der Schilddrüse gestört, entstehen Ungleichgewichte in vielen Körperbereichen. Auch die Durchblutung der Extremitäten kann davon betroffen sein.

Schilddrüsenunterfunktion

Besonders Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) entwickeln frühzeitig Gefäßerkrankungen im Rahmen einer Arteriosklerose (siehe Kapitel "Blutdruck, Gefäßschäden"). Ihr Wärmeempfinden ist ebenfalls gestört.

Symptome: Wer an einer Schilddrüsenunterfunktion leidet, verträgt Kälte nicht so gut und friert häufig. Kalte Füße sind damit oft verbunden. Sie stellen aber nur einen kleinen Teil einer Vielzahl möglicher Beschwerden dar. Dazu gehören unter anderem Müdigkeit, Gewichtszunahme, verringerte Leistungsfähigkeit, Verstopfung, Haarausfall.

Ausführlich über Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie informiert der Ratgeber "Schilddrüsenunterfunktion":

Nebennierenrindeninsuffizienz

Eine schlecht angepasste Gefäßregulation tritt bisweilen auch bei anderen hormonellen Erkrankungen auf, etwa bei Funktionsstörungen der Nebennierenrinde (Nebennierenrindeninsuffizienz, Morbus Addison).

Symptome: Die vorherrschenden Symptome sind hier Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, unklare Bauchschmerzen, Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen. Neben weiteren Symptomen besteht auch eine Neigung zu niedrigem Blutdruck mit orthostatischer Hypotonie (mehr dazu ebenfalls im Kapitel "Blutdruck, Gefäßschäden"). In diesem Zusammenhang stehen dann eine verstärkte Kälteempfindlichkeit und häufig kalte Füße.

Weitere Informationen zu dieser Hormonstörung finden Sie im Ratgeber "Nebennierenrindeninsuffizienz".