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Das erste selbst gemalte Bild, das Foto von der Weihnachtsfeier: Es gibt schöne Sachen, die Kita-Kinder mit nach Hause bringen. Und weniger erfreuliche: Viren, Bakterien und Parasiten zum Beispiel. Jetzt, wo die Tage ungemütlicher werden und Kinder mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, haben viele Krankheiten Hochsaison.

Ganz verhindern lassen sich Infektionen nicht, zumindest wenn es keine Impfung gibt; Kleinkinder nehmen gerne alles in den Mund, Abstand halten sie ­sowieso nicht. Damit ihr wisst, was euch erwartet und wie eure Kleinen gut durch die nächste Krankheitswelle kommen, haben wir mit Kinderarzt Dr. Stephan Hiedl die gängigsten Kita-Krankheiten beleuchtet. Bei Fragen zur Therapie helfen Kinderärztin oder -arzt und natürlich die Apotheke vor Ort weiter.

Atemwegsinfektionen

Um die zehn Atemwegsinfekte pro Jahr sind in den ersten drei Lebensjahren keine Seltenheit. Meist sind Viren die Auslöser. Vor einigen Erregern, etwa Grippe, können Impfungen schützen. Händewaschen und Masken helfen, Ansteckungen in der Familie zu verhindern. Die kleine Patientin oder der kleine Patient sollte viel schlafen, ausreichend trinken und inhalieren. Bei Fieber und Schmerzen helfen Fiebersenker (keine Acetylsalicylsäure!), abschwellende Nasentropfen bei verstopfter Nase. Geht es dem Kind sehr schlecht, ärztliche Hilfe suchen. Zurück in die Kita geht’s erst, wenn das Kind wieder fit ist.

Magen-Darm-Infekte

Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, Fieber – Kinder leiden immer wieder unter Magen-Darm-Infekten. Viren, Bakterien oder Einzeller können Auslöser sein. Oft werden sie übertragen, wenn sich Kinder infiziertes Spielzeug in den Mund stecken oder sich in der Nähe eines kranken Kindes aufhalten. Kinder trocknen leichter aus, daher sollten sie viel trinken – vor allem leicht gesalzenen Tee oder Brühe. Auch Elektrolyte aus der Apotheke helfen. Behält das Kind nichts mehr bei sich, ist Blut im Stuhl, hat es starke Schmerzen oder Fieber, muss es zu Arzt oder Ärztin, ebenso wenn es apathisch ist und wenig Urin produziert. Vorbeugen können Händewaschen und die Rotaviren-Impfung. Ist das Kind symptomfrei, darf es in die Kita.

Mutter mit Sohn

Magen-Darm-Erkrankung bei Kindern

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Läuse

Oh nein, schon wieder! Die kleinen Krabbler lösen bei Kindern Juckreiz und bei Eltern Bestürzung aus. Denn Läuse leben auf der Kopfhaut, ernähren sich von Blut und sind sehr hartnäckig. Um sie loszuwerden, müssen die Haare mit einem speziellen Shampoo oder einer Lotion gereinigt und gründlich ausgekämmt werden. Den Kontakt mit Befallenen vermeiden und Hygieneregeln beachten, etwa Handtücher und Bettwäsche regelmäßig bei über 60 Grad waschen! Eltern sind verpflichtet, der Kita den Befall zu melden. Nach der ersten Kopfbehandlung kann das Kind wieder in die Betreuung.

Windpocken

Überall Pusteln, die schrecklich jucken, aufplatzen und ­verkrusten. Zum Glück sind Windpocken in Deutschland durch die Impfung, die es gibt, nicht mehr so häufig. Selten kann man sie trotz Impfung ­bekommen, meist verläuft die Erkrankung dann aber milder. ­Windpocken können in seltenen Fällen lebensgefährlich werden. Die Krankheit wird durch das hochansteckende Varizella-­Zoster-Virus verursacht, das über Tröpfchen oder direkten Hautkontakt übertragen wird. Erkrankte können als Erwachsene eine schmerzhafte Gürtelrose bekommen. Gegen den Juckreiz helfen bestimmte Cremes und Lotionen. Kinder mit Windpocken müssen isoliert werden – vor allem von Menschen, die keinen Immunschutz haben und von Schwangeren. Sie dürfen erst wieder in die Kita, wenn alle Pusteln Krusten gebildet haben – meist nach sieben Tagen.

Keuchhusten

Ein tiefer, bellender Husten, hochansteckend und wirklich hartnäckig – Keuchhusten, auch Pertussis genannt, ist eine Infektionskrankheit, die meist durch das Bakterium Bordetella pertussis verursacht wird. Es wird über Tröpfchen übertragen. Obwohl die Infektion durch die Impfung seltener geworden ist, bleibt Keuchhusten gefährlich – auch da der Impfschutz begrenzt ist. Der Arzt oder die Ärztin behandelt die Symptome medikamentös, gegebenenfalls mit Antibiotika. Frühestens
fünf Tage nach Beginn der Antibiotikatherapie dürfen Kinder wieder in die Kita gehen – ohne Medikamente frühestens drei Wochen nach Krankheitsbeginn.

„Die Kita ist eine gute Schule für das Immunsystem“

Wann Kinder daheim bleiben sollten, erklärt der Münchner Kinderarzt Dr. Stephan Hiedl

Herr Dr. Hiedl, wann sollte mein Kind nicht in die Kita?

Ein krankes Kind gehört nicht in die Kita. Man tut ihm damit nichts Gutes und riskiert die Ansteckung anderer Kinder. Je jünger die Kinder sind, die in die Betreuung kommen, umso anfälliger sind sie. Andererseits ist eine Kita auch eine gute Schule für das Immunsystem. Es ist wie ein Sprung ins Bällebad: jeder Ball ein Virus. Eltern muss bewusst sein, dass eine Kita trotz vorbildlicher Hygiene nicht steril ist.

Wann darf die Kita mein Kind nach Hause schicken?

Wenn es eine Körpertemperatur über 38,5 Grad hat, wenn es angestrengt atmet, dauerhaft hustet, dünnflüssigen Stuhl hat, der in der Windel verschwindet, wenn es erbricht, einen ungeklärten Ausschlag oder entzündete Augen hat.

Muss ich Bescheid sagen, wenneine Erkrankung bei meinem Kind diagnostiziert wurde?

Ja, vor allem bei meldepflichtigen Krankheiten. Das sind etwa Keuchhusten, Windpocken, Corona, Scharlach und Meningokokken. Eine Gesundschreibung braucht es hingegen nur bei wenigen Krankheiten, etwa Tuberkulose oder Borkenflechte.

Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Fieber, Halsschmerzen, juckende Bläschen: Auslöser für die Hand-Fuß-Mund-Krankheit sind vor allem Coxsackie-Viren, von denen es 16 Untertypen gibt. Einmal gehabt, heißt also nicht: überstanden. Meist heilt die Krankheit von selbst ab, fiebersenkende Arzneien können helfen – in Praxis oder Apotheke nachfragen. Die beste Vorbeugung ist Hygiene: Hände waschen und Oberflächen mit einem Desinfektionsmittel abwischen, denn die Infektion wird noch wochenlang durch Speichel, Urin oder Stuhl übertragen. Das Kind sollte zu Hause bleiben, bis es sich besser fühlt und die Bläschen verheilt sind.

Kleines Kind mit Hautkrankheit

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Bindehautentzündung

Hinter dem medizinischen Begriff ­Konjunktivitis verbirgt sich die so weitverbreitete und ansteckende Bindehautentzündung: tränende Augen, eine gerötete Bindehaut, verklebte Lider. Dafür sind Bakterien, Viren und selten Pilze verantwortlich. Meist heilt die Bindehautentzündung von selbst ab, antibiotikahaltige Augentropfen helfen bei einer bakteriellen Bindehautentzündung – von Kinderärztin oder -arzt beraten lassen. Um andere zu schützen, sollte das Kind zu Hause bleiben, bis die Symptome abklingen. Hände einseifen, Handtücher regelmäßig waschen und Augen nicht reiben sind wichtige Schritte, um sich und andere zu schützen.

Scharlach

Halsschmerzen, Fieber und ein „scharlachroter“ Ausschlag – Scharlach wird durch Gruppe-A-Streptokokken verursacht und ist extrem ansteckend. Ein Antibiotikum ist daher ein Muss. Hygiene und Abstand helfen dabei, andere nicht zu infizieren. Bei einem Verdacht auf Scharlach sofort Arzt oder Ärztin kontaktieren. Eine unbehandelte Streptokokken-Infektion kann nämlich schwere Komplikationen verursachen. Kinder dürfen so lange nicht in die Kita, bis sie 24 Stunden nach der ersten Antibiotika-Einnahme fieberfrei sind.

Borkenflechte

Borkenflechte, auch als Impetigo contagiosa bekannt, ist eine gelbkrustige Hauterkrankung, die bei Kindern häufig auftritt. Sie wird durch Bakterien verursacht, die infizierten Hautstellen jucken stark. Antibiotische Salben helfen, beim Auftragen Spatel oder Handschuhe verwenden! Um sich zu schützen, ist es wichtig, Hautkontakt zu vermeiden, Handtücher nicht zu teilen und regelmäßig die Hände zu waschen. Die Krankheit ist hochansteckend, Kinder sollten erst wieder in die Kita, wenn sie nicht mehr infektiös sind – also etwa 24 Stunden nach Beginn einer Therapie mit Antibiotika.

Neurodermitis

Eiterflechte: Hautinfektion trifft oft Kinder

Mediziner nennen sie Impetigo contagiosa, umgangssprachlich heißt die Erkrankung auch Eitergrind, Borkenflechte oder Grindblasen. Wie es dazu kommt und wie Ärzte sie behandeln zum Artikel

Ringelröteln

Ringelröteln werden durch das Parvovirus B19 ­verursacht, sie haben außer dem Namen nichts mit Röteln gemeinsam. Das Fatale: Das Virus ist besonders ansteckend, bevor sich Symptome zeigen. Das sind oft Fieber und ein roter, juckender Hautausschlag, der sich in girlandenförmigen Mustern auf Wangen und Bauch ausbreitet. Für die meisten Kinder verläuft die Infektion harmlos und klingt nach wenigen Tagen ab. Wichtig: Lebt eine Schwangere im Haushalt, Arzt oder Ärztin kontaktieren.

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Junge mit Schnupfen

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Quellen: