Pfeiffersches Drüsenfieber: Symptome, Ansteckung, Behandlung

Beim Pfeifferschen Drüsenfieber (Mononukleose) kommt es zu erkältungsähnlichen Symptomen, vor allem Fieber und geschwollenen Lymphknoten. Auslöser ist das Epstein-Barr Virus (EBV)

von apotheken-umschau.de, aktualisiert am 23.05.2018
Junges Paar küsst sich

Pfeiffersches Drüsenfieber heißt im Volksmund auch "Kusskrankheit"


Pfeiffersches Drüsenfieber – kurz zusammengefasst

  • Pfeiffersches Drüsenfieber ist eine ansteckende Krankheit, die durch eine Infektion mit Epstein-Barr-Virus (EBV) ausgelöst wird
  • Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich durch Speichelkontakt, zum Beispiel beim Küssen
  • Die Symptome sind oft unspezifisch und ähneln denen einer Erkältung. Typischer sind: leichtes Fieber, geschwollene Lymphknoten, starke Müdigkeit, entzündete Mandeln
  • Durch Nachweis bestimmter Veränderungen im Blutbild lässt sich das Pfeiffersche Drüsenfieber erkennen
  • Eine EBV-Infektion kann einige Wochen andauern
  • Die Therapie besteht in erster Linie in Ruhe, viel Schlaf und wenig körperlicher Anstrengung

Was ist Pfeiffersches Drüsenfieber?

Pfeiffersches Drüsenfieber ist eine ansteckende Krankheit, die durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) ausgelöst wird und vor allem Jugendliche und junge Erwachsene betrifft. Der Krankheitsname geht auf den Kinderarzt und Internisten Emil Pfeiffer (1846 bis 1921) zurück, der die Krankheit erstmals beschrieb und sie aufgrund der Hauptsymptome – Fieber und angeschwollene Lymphknoten – "Drüsenfieber" nannte. Sie wird auch als Morbus Pfeiffer, Mononukleose, infektiöse Mononukleose, Mononucleosis infectiosa, Kusskrankheit, "Studenten-Kuss-Krankheit" oder Monozyten-Angina bezeichnet. Über 90 Prozent aller Erwachsenen tragen das Virus in sich.

Was löst die Krankheit aus? Wie lange ist die Inkubationszeit?

Der Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers ist das Epstein-Barr Virus (EBV), welches zu den Herpesviren gehört. Es wird auch als Humanes Herpesvirus 4 (HHV 4) bezeichnet.

Bei der Erstinfektion gelangen die Epstein-Barr Viren zunächst in den Rachenraum, wo sie die Zellen der Mund- und Nasenschleimhaut (Epithelzellen) und einen bestimmten Typ weißer Blutkörperchen, die B-Lymphozyten, befallen. Während der Inkubationszeit, also der Zeit bis erste Symptome auftreten, vermehren sich die Viren in den Zellen. Diese kann vier bis acht Wochen dauern. Anschließend verbreiten sich die Viren über den Blutkreislauf in den lymphatischen Geweben (Mandeln, Lymphknoten, Milz) sowie weiteren Organen, zum Beispiel der Leber.

Ansteckung: Wie wird EBV übertragen? Bleibt man ansteckend?

Die Ansteckung mit dem Epstein-Barr Virus erfolgt in erster Linie oral, das heißt durch Speichelkontakt, wie es zum Beispiel beim intensiveren Küssen der Fall ist. Aber auch, wer aus demselben Glas wie ein Infizierter trinkt oder die gleiche Gabel benutzt, kann sich anstecken. Darüber hinaus deuten Untersuchungen daraufhin, dass das Virus auch durch andere Körperflüssigkeiten übertragen wird, zum Beispiel beim Geschlechtsverkehr.

Menschen  können sich bei anderen anstecken, die sich mit dem Virus zwar infiziert haben, bei denen das Pfeiffersche Drüsenfieber aber noch nicht ausgebrochen ist – also während der Inkubationszeit. Aber auch nach Abklingen der Krankheit können sich die Viren noch über Monate in höherer Konzentration im Speichel befinden.

Nach einer Infektion verbleibt der Erreger lebenslang im menschlichen Körper und siedelt sich in den sogenannten B-Gedächtniszellen an, die eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr spielen. Das Virus kann in niedriger Konzentration immer mal wieder mit dem Speichel ausgeschieden werden. Das bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass die Krankheit erneut ausbricht. Das Virus befindet sich hierbei – fast immer ohne Symptome auszulösen – im Speichel von längst wieder Gesunden. So kann es effektiv auf andere Menschen, zum Beispiel von den Eltern auf die Kinder, übertragen werden. Dies ist möglicherweise der Grund, warum über 90 Prozent der Erwachsenen das Virus bereits in sich tragen – und vermutlich auch der häufigste Übertragungsweg.

Symptome: Wie äußert sich Pfeiffersches Drüsenfieber?

Die Krankheit kann sehr unterschiedlich verlaufen. Kleinkinder weisen häufig nur Symptome einer leichten Erkältung auf oder die Infektion bleibt sogar gänzlich unbemerkt. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind die Symptome meist deutlicher ausgeprägt, die Infektion kann einige Wochen in Anspruch nehmen.

Pfeiffersches Drüsenfieber beginnt oft mit eher unspezifischen Beschwerden, die denen einer Grippe oder Erkältung ähneln: Kopf- und Gliederschmerzen, Halsweh, leichtes Fieber (38 bis 39°C), Krankheitsgefühl.

Dann kommen die typischen Symptome hinzu: Sehr häufig tritt eine Mandelentzündung (Angina tonsillaris) auf, bei der die Mandeln mit einem weißlichen Belag bedeckt sind. Dieser greift jedoch nicht auf die Umgebung der Mandeln über.

Gleichzeitig schwellen die Lymphknoten an Hals und Nacken an. Aber auch in anderen Körperregionen, wie zum Beispiel unter den Armen oder in der Leistengegend, können Lymphknotenschwellungen auftreten. Die Lymphknoten werden erbsen- bis kirschengroß, sind aber nur wenig schmerzhaft.

Lymphsystem

Ein weiteres Symptom ist eine ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung, die Mediziner als Fatigue bezeichnen. Häufig vergrößert sich auch die Milz. Seltener kann es zu einer vergrößerten Leber, Appetitlosigkeit, Schwindel und Nachtschweiß kommen.

Gelegentlich tritt ein Hautausschlag auf, der von kleinen Rötungen bis hin zu quaddelartigen Schwellungen mit starkem Juckreiz (multiformes Exanthem) reichen kann. Das Antibiotikum Amoxicillin kann einen solchen Ausschlag begünstigen. Dies bekommen Betroffene teilweise vom Arzt verschrieben, um die oben genannte Mandelentzündung zu behandeln, wenn noch nicht klar ist, dass es sich um eine EBV-Infektion handelt. Bei dem durch das Penicillin ausgelösten Hautausschlag handelt es sich nach derzeitigem Wissensstand nicht um eine Penicillinallergie, sondern um einen arzneimittelinduzierten, nicht-allergischen Ausschlag.

Sehr seltene Komplikationen stellen unter anderem Atemnot durch eine Verengung der Atemwege sowie ein Milzriss dar. Eine gerissene Milz ist lebensbedrohlich und damit ein chirurgischer Notfall!

Die typischsten Symptome

  • Leichtes (wiederkehrendes) Fieber
  • geschwollene Lymphknoten

Dauer / Reaktivierung / chronischer Verlauf / Spätfolgen

In der Regel klingt die Infektion nach wenigen Wochen ab und ist meist nach etwa zwei Monaten ausgeheilt. Etwa zehn Prozent der Patienten haben jedoch nach sechs Monaten noch immer Beschwerden. Besonders Müdigkeit und Erschöpfung können sich lange hinziehen. Dabei handelt es sich aber nicht um eine chronisch aktive EBV-Infektion, sondern um einen verlängerten Heilungsprozess des Pfeifferschen Drüsenfiebers. Fast 100 Prozent aller Fälle heilen folgenlos aus.

Die chronisch aktive EBV-Infektion ist in Deutschland eine Rarität – und nicht mit chronischen Erschöpfungszuständen zu verwechseln. Eine chronisch aktive Infektion  kommt in asiatischen Ländern, zum Beispiel in Japan, vor. Dabei verspüren Patienten anhaltend oder wiederkehrend die Beschwerden des Drüsenfiebers, also Fieber, geschwollene Lymphknoten, teilweise vergrößerte Leber und Milz.

Wie alle anderen Herpesviren verbleibt auch das Epstein-Barr Virus lebenslang im Körper. EBV kann von Zeit zu Zeit wieder reaktiviert werden, dies verläuft jedoch meist ohne Symptome. Eine erneute Infektion mit Fieber, Mandelentzündung und/oder angeschwollenen Lymphknoten tritt also in der Regel nicht mehr auf. Eine EBV-Reaktivierung ist jedoch für Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr von Bedeutung.

Eine Infektion mit dem Epstein-Barr Virus kann die Entstehung bestimmter Krebsarten begünstigen, zum Beispiel des selten vorkommenden Nasopharynxkarzinoms, des Burkitt Lymphoms und des Morbus Hodgkin. Das Burkitt-Lymphom tritt vermehrt in Äquatorial-Afrika auf und betrifft häufig Kinder. Hierzulande kann es eine Rolle spielen, wenn Menschen ein eingeschränktes Immunsystem haben, zum Beispiel nach einer Organtransplantation. Dann kann sich auch ein Morbus Hodgkin leichter entwickeln als bei Menschen mit gesundem Abwehrsystem.

Bevölkerungsstudien deuten daraufhin, dass Pfeiffersches Drüsenfieber das Auftreten einer Multiplen Sklerose begünstigen kann.

Immer wieder diskutieren Forscher darüber, ob das Epstein-Barr Virus möglicherweise am Auftreten eines Chronic Fatigue Syndroms (CFS) beteiligt sein könnte. Bislang gibt es hierfür aber keinen wissenschaftlichen Beweis. Die bisherigen Studien sind sehr widersprüchlich.

Diagnose: Wie stellt man Pfeiffersches Drüsenfieber fest?

Bevor ein Arzt die Diagnose Pfeiffersches Drüsenfieber stellen kann, muss er andere Erkrankungen ausschließen, die sich mit ähnlichen Symptomen äußern. Entzündete Mandeln weisen zum Beispiel auch auf eine gewöhnliche Mandelentzündung hin. Deshalb ist eine genaue Untersuchung nötig.

Charakteristische Veränderungen des Blutbilds liefern eindeutige Hinweise für eine Infektion mit dem Epstein-Barr Virus. Die Infektion geht mit einer auffälligen Erhöhung der Lymphozytenzahl (Lymphozytose) einher. Die Lymphozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen und spielen eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr.

EBV-Schnelltest auf Antikörper

In einem EBV-Schnelltest lassen sich bestimmte Antikörper gegen das Virus im Blut nachweisen. Zu Beginn der Infektion treten IgM-Antikörper (Immunglobulin M) auf, später IgG-Antikörper (Immunglobulin G). Oft sind auch die Leberwerte erhöht.

Erst nach mehreren Wochen erscheinen Antikörper gegen die sogenannten nukleären Antigene (EBNA-, Epstein-Barr Nuclear Antigen-IgG). Wird in der Blut-Untersuchung EBNA-IgG nachgewiesen, kann der Arzt eine frische Infektion mit dem Epstein-Barr Virus ausschließen. Denn diese Antikörper treten erst einige Wochen bis Monate nach einer Erstinfektion auf.

Therapie: Wie lässt sich eine akute EBV-Infektion behandeln?

Viel Ruhe, genügend Schlaf und wenig körperliche Anstrengung sind zunächst die wichtigsten Maßnahmen, um das Pfeiffersche Drüsenfieber auszukurieren. Schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol können Kopfschmerzen, Halsschmerzen und Fieber lindern. Die Einnahme von Paracetamol sollten Patienten vorher mit dem Arzt abstimmen, da der Wirkstoff in hoher Dosis der Leber schaden kann und diese während der Infektion manchmal vergrößert ist.

Bei sehr schweren Verlaufsformen des Pfeifferschen Drüsenfiebers können Mediziner die Wirkstoffe Ganciclovir oder Aciclovir geben, welche die Virusvermehrung unterdrücken. Treten lebensbedrohliche Schwellungen des Lymphgewebes im Rachenbereich auf, kommt zusätzlich Kortison infrage. Komplikationen, wie beispielsweise ein Milzriss, bedürfen einer sofortigen Operation.

Wann darf man wieder in die Arbeit? In die Schule? Wann ist Sport wieder erlaubt?

Wer Pfeiffersches Drüsenfieber hat, sollte erst dann wieder arbeiten oder in die Schule gehen, wenn die Beschwerden abgeklungen sind. Besonders die Müdigkeit und Erschöpfung sollten deutlich nachgelassen haben.

Mit körperlicher Aktivität sollten Betroffene erst wieder beginnen, wenn sie sich ausreichend fit und erholt fühlen – frühestens vier bis sechs Wochen nach Auftreten der akuten EBV-Infektion. Auf bestimmte Sportarten sollten Patienten zunächst verzichten, da bei vielen von ihnen die Milz vergrößert sein kann und ein erhöhtes Risiko besteht, dass es zu einem potenziell lebensgefährlichen Milzriss kommt. Zu diesen Sportarten zählen Kontaktsportarten wie Fußball, Basketball, Hockey, Gymnastik, aber auch Kraft- und Kampfsportarten.

Hans Helmut Niller

Beratender Experte

Privatdozent Dr. Hans Helmut Niller ist Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie. Seit 2007 ist er Oberarzt am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Regensburg. Er fungiert dort auch als Forschungsgruppenleiter und Dozent. Während seiner Habilitation beschäftigte sich Niller mit dem Epstein-Barr Virus und untersuchte, wie das Virus Tumore verursachen kann.

Quellen:


Ambinder, RF: The role of Epstein-Barr virus in Hodgkin lymphoma. UpToDate (Abgerufen März 2018)

Balfour Jr HH, Dunmire SK, Hogquist KA: Infectious mononucleosis. Clinical & Translational Immunology. 2015

Gluckman SJ: Clinical features and diagnosis of chronic fatigue syndrome. UpToDate (Abgerufen März 2018)

Auwaerter PG: Patient education: Infectious mononucleosis in adults and adolescents. UpToDate (Abgerufen März 2018)

Lennon P, Crotty M, Fenton, JE: Infectious mononucleosis, Clinical Review. BMJ 2015, 350:h1825

Aronson MD, Auwaerter PG: Infectious mononucleosis in adults and adolescents. UpToDate (Abgerufen März 2018)

Niller HH, Bauer G. Epstein-Barr virus: Clinical Diagnostics. Methods in Molecular Biology. 1532:33-55. 2017

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