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Magenkrebs: Symptome, Ursachen, Therapie

Magenkrebs geht meistens von entarteten Zellen in der Magenschleimhaut aus. Frühe Anzeichen fehlen häufig oder sind unspezifisch, weshalb das Magenkarzinom oft erst spät endeckt wird

aktualisiert am 05.12.2019
Magenkrebs (Schematische Darstellung)

Ein Karzinom kann zu Engstellen am Magenausgang führen


Definition: Was ist Magenkrebs?

Als "Magenkrebs" werden normalerweise Tumoren des Magens bezeichnet, die ihren Ursprung in der Magenschleimhaut haben. Da diese Magenkarzinome üblicherweise von den Drüsenzellen der Magenschleimhaut ausgehen, gehören sie zu den sogenannten Adenokarzinomen.

Neben den klassischen Magenkarzinomen können auch andere Tumorarten im Magen vorkommen, so zum Beispiel:

  • Leiomyosarkome, die vom Muskelgewebe in der Magenwand abstammen
  • Gastrointestinale Stromatumoren (GIST), die zu den Weichteiltumoren zählen
  • MALT-Lymphome, die zu den bösartigen Erkrankungen des Lymphgewebes gehören

Dieser Text beschränkt sich auf das klassische Magenkarzinom, das von der Magenschleimhaut ausgeht.

 

Magenkrebs gehört zu den wenigen Krebsarten, deren Häufigkeit in den westlichen Ländern in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen hat. Manche Wissenschaftler führen das auf die Kühl- und Gefrierschränke und den dadurch verminderten Verzehr von durch Einsalzen, Pökeln oder Räuchern haltbar gemachten Fleisches zurück (mehr dazu im Abschnitt "Ursachen").

Trotzdem ist Magenkrebs nach wie vor auch in Deutschland verbreitet. Zirka 15.000 neue Fälle treten hierzulande jährlich auf. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei etwa 72, für Frauen bei 75 Jahren. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.

Symptome: Was sind Anzeichen für Magenkrebs?

Im Anfangsstadium verursacht Magenkrebs nur wenige oder gar keine Symptome. Oft wird die Erkrankung daher erst entdeckt, wenn der Tumor bereits über dieses Stadium, in dem die Heilungserfolge am größten sind, hinaus fortgeschritten ist. Ist der Tumor nicht mehr operabel, sind die Heilungschancen schlecht.
Kommt es zu Symptomen, sind diese oft sehr unspezifisch und lassen nicht unbedingt an Magenkrebs denken, zum Beispiel:

Daher gilt: Bei wiederholten Beschwerden im oberen Bauchbereich sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen. Er kann die Ursache abklären.

Heliobacter

Ursachen und Risikofaktoren

In ihrem Erbmaterial enthält jede Zelle des Körpers Anweisungen, welche Aufgaben sie zu erfüllen und wann sie sich zu teilen hat. Darüber hinaus ist festgelegt, unter welchen Umständen sie "Selbstmord" zu begehen hat, beispielsweise bei fortgeschrittenem Alter, bestimmten genetischen Veränderungen oder gestörter Funktion. Man spricht in diesem Zusammenhang vom sogenannten programmierten Zelltod (Apoptose).
Manche Zellen aber verändern sich so, dass dieser Schutzmechanismus bei ihnen nicht mehr einwandfrei arbeitet. In der Regel stirbt eine solche Zelle nach einiger Zeit trotzdem. Selten kommt es vor, dass sie sich auch den anderen Kontrollmechanismen des Körpers vollständig entzieht und sich unkontrolliert in kurzen Abständen teilt. Ein Tumor entwickelt sich. Die Entartung von Zellen und damit die Entstehung von Krebs – zum Beispiel im Magen – kann durch bestimmte Risikofaktoren gefördert werden.

Zu den Risikofaktoren für Magenkrebs zählen unter anderem:

  • Infektion mit Helicobacter pylori
  • Rauchen
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • häufiger Verzehr von stark gesalzenen, gepökelten, geräucherten oder stark gegrillten Lebensmitteln
  • Magenkrebs bei Eltern, Geschwistern oder Kindern
  • vorausgegangene Magenoperationen
  • perniziöse Anämie
  • bestimmte erbliche Veranlagungen für Krebs (Karzinomprädispositionssyndrome) wie die Veranlagung für das sogenannte hereditäre diffuse Magenkarzinom (HDGC) oder das hereditäre nonpolypöse kolorektale Karzinom (HNPCC)
  • höheres Alter

HDGC-Anlageträger und HNPCC-Patienten haben ein im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöhtes Magenkarzinom-Risiko. Bei ihnen wird regelmäßig eine Magenspiegelung durchgeführt, um Magenkrebs frühzeitig zu erkennen.

Der wichtigste Risikofaktor für ein Magenkarzinom ist eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Helicobacter pylori kommt weltweit im Magen jedes zweiten Menschen vor, auch in Deutschland sind 48 Prozent der Erwachsenen betroffen. Helicobacter pylori verursacht eine bestimmte Art der Magenentzündung, eine sogenannte Typ-B-Gastritis. Chronische Entzündungen können die Entstehung von Tumoren begünstigen. Außerdem ist das Bakterium auslösender Faktor für die Mehrheit aller Magengeschwüre.

Eine Magenschleimhautentzündung die durch das Bakterium Helicobacter pylori verursacht ist, kann mit Medikamenten mittlerweile zuverlässig behandelt werden. Dies ist nicht nur aufgrund der Beschwerden durch die Gastritis zu empfehlen, sondern auch wegen des erhöhten Magenkrebsrisikos.

Diagnose

Hat der Arzt den Verdacht auf eine Magenerkrankung, wird er den Patienten genau zu seinen Symptomen und den Ernährungsgewohnheiten befragen. Anschließend untersucht er ihn. Dabei sucht er unter anderem nach geschwollenen Lymphknoten und nach einer Geschwulst im Bauchbereich.

Um eine Magenerkrankung zu diagnostizieren ist jedoch meist der Blick in das Organ nötig.  Eine Magenspiegelung (Gastroskopie) macht dies möglich. Dabei schluckt der Patient eine Art Schlauch, den der Arzt vom Mund aus durch die Speiseröhre bis in den Magen vorschiebt. Dieses schlauchartige Gerät ist am vorderen Ende mit einer Lichtquelle und einer kleinen Videokamera ausgestattet, so dass sich damit die Innenwand des Magens auf einem Monitor begutachten lässt. Mit Hilfe einer kleinen Zange kann der Arzt Gewebeproben entnehmen, anhand derer später zum Beispiel eine Entzündung, ein Befall mit Helicobacter pylori, aber auch Magenkrebs nachgewiesen oder ausgeschlossen werden kann.

Staging: Wie weit hat sich der Tumor ausgebreitet?

Wird bei der Untersuchung der Gewebeproben festgestellt, dass es sich um Magenkrebs handelt, folgt das sogenannte Staging: In mehreren weiteren Untersuchungen erfasst man Stadium und Ausbreitung der Erkrankung.

Beim endoskopischen Ultraschall (der so genannten Endosonografie) wird ein Ultraschallkopf in den Magen eingeführt, was wie bei der Gastroskopie ebenfalls über den Mund geschieht. Mit dieser Untersuchung lässt sich genau bestimmen, wie weit der Tumor die Magenwand bereits durchdrungen hat.

Mit Hilfe von weiteren Ultraschalluntersuchungen (zum Beispiel vom Bauch) und einer Computertomografie von Brust, Bauch und Becken wird nach eventuell vorhandenen Tochtergeschwulsten (Metastasen) gesucht.

Welche Metastasen gibt es bei Magenkrebs?

Magenkrebs breitet sich auf dem Lymphweg, über das Blut oder direkt weiter entlang der benachbarten Organe aus. Metastasen liegen daher zum Beispiel häufig in der Leber oder in den Lymphknoten des Bauchraums sowie der Lunge. Es können sich auch Metastasen in den Eierstöcken (Krukenberg-Tumor) oder im sogenannten Douglas-Raum zwischen Gebärmutter und Enddarm bilden.

Um bei örtlich fortgeschrittenen Tumoren, die operiert werden sollen, auszuschließen, dass der Tumor sich bereits auf das Bauchfell ausgebreitet hat, nimmt der Arzt eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) vor.

Bei Symptomen, die auf Tochtergeschwulste (Metastasen) im Knochen hinweisen (zum Beispiel Knochenschmerzen), kann eine Skelettszintigrafie durchgeführt werden. Bei dieser Untersuchung wird dem Patienten eine schwach radioaktive Substanz (der sogenannte "Tracer") in eine Vene gespritzt. Diese Substanz lagert sich vorübergehend im Knochen ein. Da der Knochenumbau in den Randgebieten von Metastasen erhöht ist, reichert sich hier mehr Tracer an und diese Stellen erscheinen im Szintigramm dunkler.

Es gibt auch bestimmte Tumormarker, die der Arzt im Blut bestimmen kann. Diese Werte haben jedoch für die Diagnose keine Bedeutung, sondern dienen allenfalls als Vergleichswerte um den Erfolg der Behandlung feststellen zu können.

Im Labor lässt sich anhand der Gewebeprobe aus der Magenspiegelung der Wachstumstyp des Tumors (Laurén-Klassifikation) und der Differenzierungsgrad der Tumorzellen ("Grading") feststellen. Die beiden Haupttypen bei der Laurén-Klassifikation sind das intestinale Magenkarzinom, das eher polypenartig und oberflächlich wächst, und das diffuse Magenkarzinom, das in die Magenwand einwächst, oft schwer von der Umgebung abzugrenzen ist und frühzeitig in die Lymphknoten streut.

Therapie

Die Ausdehnung, der Wachstumstyp und die Lage des Tumors bestimmen das Ausmaß der Operation. Tumore, die noch auf die innerste Magenwandschicht (Schleimhaut) beschränkt sind, können im Rahmen einer Magenspiegelung entfernt werden (endoskopische Resektion).

Hierbei werden nur der Tumor und das direkt benachbarte Gewebe herausoperiert. Bei tiefer eingewachsenen Tumoren muss entweder ein Teil oder der gesamte Magen einschließlich umliegender Lymphknoten entfernt werden - eventuell auch noch der untere Teil der Speiseröhre oder die Milz und ein Teil der Bauchspeicheldrüse. Um die Nahrungspassage wiederherzustellen wird der Rest des Magens beziehungsweise das Ende der Speiseröhre mit dem Dünndarm verbunden.

Eine zusätzliche (sowohl vor als auch nach der Operation durchgeführte) Chemotherapie verbessert die Überlebenschancen von Patienten mit örtlich fortgeschrittenen Tumoren, die im Übergangsbereich zwischen Speiseröhre und Magen liegen oder wenn der Tumor  wiederkehrende Magenblutungen oder eine Verengung des Verdauungstraktes verursacht.

Hat der Tumor ins Bauchfell gestreut (Peritonealkarzinose), so kann bei einem Teil der Patienten durch die operative Entfernung der befallenen Bauchfellanteile kombiniert mit einer sogenannten hyperthermen intraperitonealen Chemotherapie (hierbei werden die Medikamente direkt in den Bauchraum verabreicht) möglicherweise das Überleben verlängert werden. Eine solche Behandlung sollte vorzugsweise im Rahmen einer klinischen Studie erfolgen.


Lässt sich der Tumor nicht komplett entfernen, wird auf eine Operation verzichtet. In diesem Fall kann eine Behandlung mit Medikamenten (Chemotherapie, eventuell kombiniert mit zielgerichteten Wirkstoffen) die Symptome lindern, das Überleben verlängern und die Lebensqualität verbessern.

Die Immuntherapie mit so genannten Checkpoint-Hemmern wird auch beim Magenkarzinom intensiv erprobt. Es zeichnet sich ab, dass diese Wirkstoffe sich bald als eine weitere Behandlungmöglichkeit etablieren könnten. Hierbei ist zu erforschen, welche Untergruppen von Magenkrebs-Patienten tatsächlich einen Nutzen von der Immuntherapie haben.

Wichtig bei Magenkrebspatienten ist auch, die Ernährung weiterhin zu sichern. Ist der Magen durch den Tumor stark verengt, kann die Einlage eines Kunststoff- oder Metallröhrchens (eines sogenannten Stents) helfen, wieder eine Nahrungspassage zu ermöglichen. Alternativ kann durch eine Operation eine Umgehung der verengten Stelle hergestellt werden. Gelingt beides nicht, ist gegebenenfalls eine künstliche Ernährung nötig – zum Beispiel über einen dünnen Schlauch, der durch die Bauchhaut in den Magen oder Dünndarm gelegt wird (Ernährungsfistel, PEG-Sonde).

Viele Patienten leiden nach der Operation unter Verdauungsproblemen. Diesen kann mit entsprechenden Maßnahmen jedoch zumindest zum Teil vorgebeugt werden. Bei operierten Patienten sollte der Spiegel von Vitamin B12 im Blut überwacht und bei zu niedrigen Werten das Vitamin zugeführt werden. Auch der Ernährungszustand sollte regelmäßig beurteilt werden (Gewichtskontrolle).

Prognose/Überlebenschancen

Die Überlebensrate im Einzelfall hängt vom Stadium des Tumors ab. Im Frühstadium, wenn der Tumor noch auf die Schleimhaut beschränkt ist, sind die Heilungschancen gut. Kann der Tumor aufgrund seiner Größe jedoch nicht vollständig entfernt werden oder hat er bereits metastasiert, sinken die Überlebenschancen deutlich.

Quellen:

Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg.

 

Weitere Quellen:

Robert Koch Institut, Zentrum für Krebsregisterdaten: Magenkrebs (Magenkarzinom) Online: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Magenkrebs/magenkrebs_node.html (Abgerufen am 04.12.2019)

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Magenkarzinom, Langversion 2.01 (Konsultationsfassung), 2019 AWMF Registernummer: 032/009OL http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/magenkarzinom/ (abgerufen am 04.12.2019)

PATIENTEN-INFORMATION.DE: Magenkrebs Online: https://www.patienten-information.de/kurzinformationen/krebs/magenkrebs (Abgerufen am 04.12.2019)

 

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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