Magenschleimhautentzündung: Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei akuter Gastritis kann es reichen, den Magen zu schonen. Wird die Entzündung durch Helicobacter pylori ausgelöst, erfolgt häufig eine spezielle Therapie
aktualisiert am 01.12.2017

Bei einer entzündeten Magenschleimhaut können säurehemmende Mittel helfen

Image Source/RYF

Wichtig: Wer immer wieder oder anhaltend unter Beschwerden wie Magenschmerzen, Übelkeit oder Verdauungsbeschwerden leidet, sollte sich frühzeitig vom Arzt untersuchen lassen.

Behandlung der akuten Gastritis

Meiden, was den Magen reizt

  • Alkohol regt die Magensäurebildung an und kann die Schleimhaut reizen, deshalb besser darauf verzichten
  • Auch Rauchen greift die Magenschleimhaut an, weshalb Sie zumindest während der akuten Phase keine Zigaretten rauchen sollten. Sinnvoller wäre es, insgesamt aufzuhören
  • Da bestimmte Medikamente – insbesondere Schmerzmittel – die Magenschleimhaut angreifen können, sprechen Patienten am besten mit ihrem Arzt über die Wirkstoffe, die sie einnehmen. Manchmal kann es sinnvoll sein, einzelne Medikamente vorübergehend wegzulassen oder durch andere zu ersetzen. Das sollte aber nur in Rücksprache mit dem Arzt geschehen.
  • Kaffee, säurehaltige Fruchtsäfte und scharfe Gewürze meiden, ebenso wie Fettiges, Gebratenes, Geräuchertes und Süßes. Alle können die Magensäurebildung stimulieren

Ernährung bei Gastritis

Während einer akuten Gastritis verschlägt es Patienten oft den Appetit und sie vertragen nur kleine Mengen leichtverdaulicher Kost. Ärzte empfehlen häufig, ein bis zwei Tage sogar nichts zu essen oder eben nur leichte Mahlzeiten. Trinken sollten Erkrankte allerdings normal – vorzugsweise stilles Wasser oder milden Tee. Bei Kräutertees am besten in der Apotheke nachfragen, ob diese bei einer entzündeten Magenschleimhaut geeignet sind.

Je nachdem, wie es den Patienten bekommt, sollten sie wieder mit kleinen Essensportionen starten. Als magenbekömmlich gelten zum Beispiel Lebensmittel wie Haferschleim, Zwieback, geriebener Apfel, gekochter weißer Reis, fettarm zubereitete Suppen oder Kartoffelbrei. Einigen Betroffenen hilft es auch, älteres oder trockenes Brot zu essen. Fettarme Milch und Milchprodukte gelten im Allgemeinen auch als gut verträglich. Allerdings muss jeder für sich selbst herausfinden, was ihm bekommt oder auf was die Beschwerden wieder zunehmen.

Medikamente

Arzneien, die die Magensäure abpuffern oder deren Ausschüttung vermindern, können die Beschwerden lindern. Zugleich kann die Entzündung besser ausheilen. Wichtig: Die Einnahme mit dem Arzt abklären, auch wenn manche Mittel rezeptfrei sind.

  • Antazida puffern die Magensäure ab, wirken aber nur kurz. Dazu gehören zum Beispiel Calcium-, Magnesium- und Aluminiumsalze, die es unter anderem als Kautabletten oder Beutelchen gibt
  • H2-Rezeptor-Blocker (Antihistaminika) drosseln die Magensäureproduktion. Beispiele sind Ranitidin und Cimetidin
  • Protonenpumpenhemmer blockieren die Säurebildung noch stärker. Wirkstoffe sind unter anderem Omeprazol und Pantoprazol
  • Prokinetika wie Metoclopramid, Domperidon oder pflanzliche Mittel mildern Übelkeit und Erbrechen
  • Zusätzlich kommen krampflösende oder verdauungsfördernde Mittel infrage
Magenmedikamente: Säure-Stop

Für wen sich Magensäurehemmer eignen

Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol lindern Sodbrennen und schützen die Magenschleimhaut »

Tabletten

Sodbrennen: Welche Medikamente helfen

Gelangt Magensäure in die Speiseröhre, wird es unangenehm. Spezielle Arzneimittel können die Beschwerden lindern »

Hausmittel

Einigen Menschen, deren Magenschleimhaut entzündet ist, hilft eine angepasste Ernährung, wie im obigen Abschnitt beschrieben. Während manche beispielsweise trockenes Brot essen, setzen andere auf Haferbrei. Manchmal lindert auch eine Wärmflasche oder schon eine wärmende Decke das Unwohlsein. Auch Heilerde ist ein traditionell eingesetztes Mittel, das Magensäure binden soll.

Lernen, mit Stress besser umzugehen

Chronischer Stress in der Arbeit und/oder im Privatleben kann eine Magenschleimhautentzündung begünstigen und auch deren Heilung behindern. Ein guter Marker für eine stressbedingte Ursache ist, wenn sich die Beschwerden im Urlaub oder am Wochenende bessern. Wem Stress auf den Magen schlägt, der sollte typische Auslöser dafür erkennen und anschließend lernen, besser mit ihnen umzugehen. Gleichzeitig wirken sich Entspannungsmethoden positiv aus. Welche Verfahren sich am besten eignen, muss der Einzelne für sich herausfinden.

Therapie der chronischen Gastritis

Typ-A-Gastritis

Der Typ-A Gastritis liegt nach heutigem Wissen ein Fehler im Abwehrsystem zugrunde, der sich nicht beheben lässt. Eine "magenfreundliche" Lebensweise (siehe Abschnitt "Meiden, was den Magen reizt") empfiehlt sich. Je nach Fall kommen auch hier säurepuffernde oder -hemmende Medikamente (Antazida, H2-Rezeptor-Blocker, Protonenpumpenhemmer) zum Einsatz. Wichtig sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen, denn das Risiko für Magenkrebs erhöht sich durch die Erkrankung – allerdings nur gering.

Bei einer Typ-A-Gastritis produzieren die Magenzellen oft kaum noch Intrinsic Factor (siehe Kapitel Ursachen und Formen). Die Folge: Vitamin B12 kann nicht mehr aus dem Dünndarm aufgenommen werden. Das lebenswichtige Vitamin muss dann regelmäßig gespritzt werden. Liegt eine Frühform der A-Gastritis zusammen mit einer Helicobacter-Besiedelung vor, lässt sich die Gastritis eventuell durch die Therapie der Helicobacter-Infektion heilen.

Typ-B-Gastritis

Der Typ-B-Gastritis liegt fast immer eine Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori zugrunde. Eine Therapie ist nicht immer nötig. Bereitet das Bakterium aber Beschwerden, kommt in der Familie Magenkrebs vor oder müssen dauerhaft Tabletten zur Hemmung der Blutgerinnung eingenommen werden, empfehlen Ärzte in vielen Fällen eine sogenannte Eradikationstherapie, durch die der Keim beseitigt wird.

Helicobacter-Eradikation

Um das Bakterium aus der Magenschleimhaut zu entfernen, bekommen Patienten vom Arzt oder der Ärztin eine spezielle Therapie verschrieben – eine Kombination aus verschiedenen Arzneimitteln. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Für 7 bis 14 Tage die beiden Antibiotika Clarithromycin und Metronidazol, plus einen Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol
  • Für 7 bis 14 Tage die Antibiotika Clarithromycin und Amoxicillin, plus einen Säurehemmer
  • Für normalerweise 10 Tage die Antibiotika Tetracyclin und Metronidazol, plus einen Protonenpumpenhemmer sowie ein Bismutsalz
  • Für 7 Tage drei Antibiotika (Clarithromycin, Metronidazol, Amoxicillin) und einen Säurehemmer
  • Für 10 Tage die Antibiotika Levo- oder Moxifloxacin und Amoxicillin, plus einen Protonenpumpenhemmer

Welche dieser Kombinationen zum Einsatz kommt, hängt unter anderem davon ab, ob der Patient auf ein Antibiotikum allergisch reagiert oder Resistenzen vorliegen. Wegen zunehmender Antibiotikaresistenzen in der Bevölkerung wird immer häufiger die Quadrupeltherapie (vier Medikamente, siehe oben an dritter Stelle) verschrieben. Lassen Sie sich vom Arzt und in der Apotheke genau erklären, wie Sie die Tabletten einnehmen sollten, welche Nebenwirkungen möglich sind und was Sie sonst beachten sollten. Manche der Antibiotika machen die Haut beispielsweise lichtempfindlicher oder Sie dürfen sie nicht mit Milchprodukten anwenden.

Nach frühestens vier bis sechs Wochen überprüft der Arzt, ob die Therapie erfolgreich war. Bei neun von zehn Patienten lässt sich die Infektion auf diese Weise effektiv bekämpfen. Eine Neuinfektion nach erfolgreicher Therapie ist im Erwachsenenalter sehr selten. Manchmal wirkt die Antibiotika-Kombination jedoch nicht. Dann muss der Arzt andere Antibiotika verschreiben und das Ergebnis erneut überprüfen.

Typ-C-Gastritis

Hier müssen nach Möglichkeit die Ursachen beseitigt werden. Magenreizende Stoffe sollten gemieden werden. Auch bei dieser Form der Magenschleimhautentzündung können Säureblocker sinnvoll sein. Müssen Patienten dauerhaft Medikamente einnehmen, die die Magenschleimhaut belasten (z.B. Schmerzmittel), rät der Arzt üblicherweise, die Tabletten zusammen mit einem "Magenschutz" zu nehmen – also in Kombination mit einem Säurehemmer. Auch bei der Typ-C-Gastritis können regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig sein, um Komplikationen wie Magengeschwüre rechtzeitig zu erkennen.

Medikamente Tabletten

Schmerzmittel: Welches hilft wann?

Paracetamol, Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac: Viele halten Schmerzmittel für ähnlich. Doch bei Wirksamkeit und Nebenwirkungen gibt es teils große Unterschiede »


  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4

Lesen Sie auch:

Sodbrennen

Sodbrennen: Ursachen, Diagnose, Therapie »

Sodbrennen kann mehrere Ursachen haben, zum Beispiel eine Refluxkrankheit. Schlimm sind mitunter die Folgeerkrankungen »

Bauchschmerzen

Magengeschwüre: Ein Keim als Übeltäter »

In den meisten Fällen löst der Keim Helicobacter pylori ein Magengeschwür aus. Wie Ärzte dem Bakterium auf die Spur kommen und wie man ihn wieder loswird »

Verdauungsorgane

So werden Sie Magenbeschwerden los »

Völlegefühl, Bauchkrämpfe oder Sodbrennen plagen viele Menschen nach dem Essen. Was Sie dagegen tun können »

Luftaufstoßen - normal?

Wie viel Luftaufstoßen ist normal? »

Ein Rülpser kann viele Ursachen haben, die meisten sind harmlos. Nimmt das Aufstoßen überhand, sollten Sie es abklären lassen und ein paar Tipps beachten »

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages