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Erysipel: Therapie

Zur Behandlung des Erysipels verordnet der Arzt Antibiotika, meistens Penicillin. Wichtig ist, die Eintrittspforte der Bakterien zu finden und zu beseitigen, um Rückfällen vorzubeugen

aktualisiert am 13.01.2015
Krankenschwester hängt Infusionsbeutel bei Wundrose (Erysipel) auf

Eine Wundrose wird mit Penicillin behandelt. Der Arzt verabreicht das Medikament als Tablette, bei komplizierten Fällen auch als Infusionen über die Vene


Wer Symptome eines Erysipels feststellt, sollte sich rasch an einen Arzt wenden. Die frühzeitige Therapie ist wichtig, um ernsten Komplikationen vorzubeugen (siehe auch Kapitel Symptome und Komplikationen).

Therapie der Wahl bei Erysipel: Antibiotika

Das Erysipel wird im Normalfall mit dem Antibiotikum Penicillin behandelt. Dieses Medikament tötet die Streptokokken ab, welche die Erreger des Erysipels sind, oder bremst zumindest ihr Wachstum. Alle Streptokokken sind gegenüber Penicillin empfindlich, das heißt es sind keine Resistenzen bekannt. Deutlich anders verhält es sich beispielsweise bei einer begrenzten Phlegmone, die meist durch gegenüber Penicillin resistente Staphylokokken verursacht wird (siehe dazu Kapitel Übersicht).

Besteht eine Allergie gegen den Wirkstoff (Penicillinallergie), verordnet der Arzt ein anderes passendes Antibiotikum. Bei diesen anderen Antibiotika können in seltenen Fällen Resistenzen gegenüber Streptokokken vorkommen. Bleibt der Therapieerfolg aus, muss das Medikament daher gegen ein wirksames Antibiotikum ausgetauscht werden.

Bei einer ausgeprägten Infektion, bei Befall des Gesichtes oder bei gleichzeitigen Durchblutungsstörungen im befallenen beziehungsweise infizierten Areal verabreicht der Arzt das Medikament anfangs per Infusion über die Vene, damit im Gewebe genügend hohe Wirkspiegel ankommen. In leichteren Fällen genügen Tabletten – beispielsweise bei einem Eryspel am Bein bei einem jungen Menschen.

Zeigt Penicillin innerhalb von drei Tagen keine merkliche Wirkung, sollte die Diagnose überprüft und überlegt werden, ob nicht doch eine begrenzte Phlegmone oder gar keine Infektion vorliegt, sondern eine Stauungsdermatitis. Letztere ist Folge einer venösen Insuffizienz ("Venenschwäche"). Sie kann im akuten Stadium ähnlich aussehen wie ein Erysipel, geht aber nicht mit Fieber oder Unwohlsein einher.

Die Antibiotika-Behandlung erstreckt sich bei einem Erysipel in der Regel über mindestens acht bis zehn Tage. Bei manchen Patienten kommt es zu Krankheitsrückfällen (Rezidiven). Dann mindert gemäß einer neuen Studie (erschienen im New England Journal of Medicine) über ein Jahr als Tablette eingenommenes Penicillin die Anzahl der Rezidive. Eine zuvor oft angewandte, aber wissenschaftlich nicht eindeutig belegte (also nicht evidenzbasierte) Therapie bestand in der Injektion eines sogenannten Depotpenicillins etwa alle drei Wochen.

Die Behandlung akuter Symptome bei Wundrose

Die betroffene Hautpartie sollte anfangs möglichst wenig bewegt, die erkrankte Gliedmaße zwischendurch hoch gelagert werden, sofern nichts Gegenteiliges verordnet wurde. Eine strenge Bettruhe ist in der Regel nicht angezeigt. Feuchte, kühlende Umschläge, beispielsweise getränkt mit einer antiseptischen Lösung, werden zwar als Erleichterung empfunden, sollten aber nur zu Beginn und nicht nach der Penicillingabe angewendet werden, da sie möglicherweise die Durchblutung durch Verengung der Gefäße behindern.

Patienten mit Gesichtsrose sollen wenig sprechen und auf passierte Lebensmittel umsteigen bis die Therapie greift. So bleiben Sprech- und Kaubewegungen auf ein Minimum reduziert. Das senkt das Risiko, dass sich die Infektion womöglich auf das Gehirn ausbreitet.

Wenn Erysipel-Patienten längere Zeit liegen, steigt die Gefahr, dass sich ein Blutgerinnsel – eine Thrombose – in ihren Venen nahe der Infektion bildet. Dieses Risiko nimmt weiter zu, wenn gleichzeitig eine Venenschwäche besteht. Der Arzt kann in solchen Fällen "blutverdünnende", gerinnungshemmende Spritzen verordnen, um einer Thrombose vorbeugen.

Sind die Entzündungszeichen etwas abgeklungen, legt der Mediziner eventuell einen Kompressionsverband an der betroffenen Gliedmaße an.

Wichtig bei Erysipel: Rückfällen vorbeugen

Alle Faktoren, die ein Erysipel begünstigen, sollten so weit als möglich ausgeschalten werden, um Rückfälle (Rezidive) zu verhindern (siehe dazu auch Kapitel Ursachen).

Häufig sind die Krankheitserreger über kleine Abschürfungen, Risse (Rhagaden) oder Kratzer in den Körper gelangt. Solche Hautschäden entstehen zum Beispiel durch eine Hautpilz-Infektion. Bei Fußpilz etwa weicht die Haut zwischen den Zehen auf und reiß ein. Das ebnet Infektionen den Weg. Ziel ist es, solche Hautverletzungen zur Abheilung zu bringen. Die Therapie richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Viele Informationen zu den einzelnen Themenschwerpunkten erhalten Sie hier:

  • Ratgeber: Thrombose, Kapitel Venenschwäche
  • Ratgeber: Durchblutungsstörungen der Extremitäten (PAVK)

Ein Lymphstau (das Lymphödem) gilt als wichtiger Risikofaktor für eine Wundrose. Wenn die Lymphflüssigkeit nicht richtig abfließt, sammelt sie sich im Gewebe an. Dadurch leidet die Nährstoff- und Sauerstoff-Versorgung der Haut, die Infektionsgefahr wächst. Das Lymphödem kann aber nicht nur der Ausgangspunkt für ein Erysipel sein. Oft ist es auch die Folge einer Wundrose (siehe Kapitel Symptome und Komplikationen). Ist die akute Wundrose vollständig ausgeheilt, und besteht weiterhin ein Lymphstau, kommt eventuell eine Lymphdrainage infrage.

Die Hautbarriere stärken

Die Haut dient als Schutzbarriere gegen "Eindringlinge" wie Streptokokken oder Staphylokokken. Ist die Haut in einem guten Zustand, treten weniger Risse und Verletzungen auf – und damit gibt es auch weniger mögliche Eintrittspforten für Krankheitserreger. Wer seine Haut sorgfältig pflegt, beugt einer Wundrose vor:

  • Lieber nicht zu häufig, zu heiß oder zu lange duschen oder baden. Das kann die Haut austrocknen und schwächen.
  • Trockene oder spröde Haut regelmäßig mit passenden Pflegeprodukten eincremen. Zur Reinigung seifenfreie sogenannte Syndets verwenden. Sie schonen den Säureschutzmantel der Haut. Bei der Auswahl geeigneter Produkte hilft die Apotheke.
  • Wichtig: Patienten mit Krampfadern, chronischer Venenschwäche oder Lymphstau (Lymphödem), müssen ganz besonders auf Hautveränderungen achten – und sie umgehend beim Arzt abklären lassen. Nicht selbst "herumdoktern", sondern frühzeitig medizinischen Rat einholen!
  • Patienten mit chronischem Juckreiz sollten sich behandeln lassen, da durch häufiges Kratzen Streptokokken unter die Haut verschleppt werden können.
  • Wer an Diabetes mellitus erkrankt ist, lässt seine Füße am besten regelmäßig von Fachleuten (Podologen, medizinischen Fußpflegern) begutachten und pflegen. Viele weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie im Beitrag: "Fußpflege für Diabetiker".