Schlafapnoe: Symptome und Behandlung

Bei einem Schlafapnoe-Syndrom kommt es im Schlaf immer wieder zu Atemaussetzern, häufig verbunden mit Schnarchen. Betroffene fühlen sich untertags müde und erschöpft

von apotheken-umschau.de, aktualisiert am 22.10.2018
Mann schläft

Schnarchen, lange Atempause, nach Luft schnappen – typische Symptome der Schlafapnoe


Kurz zusammengefasst: Was ist eine Schlafapnoe?

Bei einer Schlafapnoe kommt es während des Schlafes immer wieder zu Atempausen (medizinisch: Apnoe = griechisch für Windstille). Das kann mit Schnarchen verbunden sein, muss aber nicht. Die Betroffenen bemerken ihre Atemstillstände oft gar nicht. Häufig sind es die Bettpartner, denen die Atemaussetzer auffallen.

Die Atempausen stören die Schlafqualität, so dass es zu Symptomen wie starker Müdigkeit am Tag und Konzentrationsschwäche kommen kann. Vor allem in monotonen Situationen nicken Menschen mit Schlafapnoe-Syndrom leicht ein. Die Atemaussetzer können die Gesundheit gefährden und zum Beispiel zur Entwicklung eines Bluthochdrucks beitragen.

Es gibt verschiedene Therapieansätze. Besonders bewährt hat sich die Behandlung mit einer speziellen Atemmaske, die Betroffene nachts tragen.

Symptome: Wie zeigt sich eine Schlafapnoe?

Bei einer Schlafapnoe stockt während des Schlafs immer wieder die Atmung. Diese Atemaussetzer dauern mindestens 10 Sekunden, durchschnittlich 20 bis 30 Sekunden. Sie können aber auch minutenlang anhalten.

Oft ist es der Partner, der diese Atempausen bemerkt: Im typischen Fall schnarcht der Bettgenosse eine Weile laut und regelmäßig, bis die Atemgeräusche plötzlich über längere Zeit komplett aussetzen – um dann mit einem lauten Schnarch- oder Atemgeräusch wieder zu beginnen. Eine Schlafapnoe kommt aber auch ohne Schnarchgeräusche vor.

Schnarchen ist nicht zwangsläufig gefährlich. Und nicht jede kurze Atempause im Schlaf ist bedenklich. Eine Schlafapnoe liegt vor, wenn in einer Stunde mehr als fünf Atemaussetzer auftreten, die jeweils mindestens zehn Sekunden andauern.

Besteht der Verdacht auf ein Schlafapnoe-Syndrom, sollte vorsichtshalber ein Arzt aufgesucht werden. Denn eine unbehandelte Schlafapnoe kann negative Folgen haben – die Lebenserwartung sogar verkürzen.

Häufiges Symptom: Tagesmüdigkeit

Weil die Betroffenen – oft ohne es zu merken – nachts immer wieder für wenige Sekunden wach werden, bringt der Schlaf nicht mehr die nötige Erholung. Häufige Folge ist eine starke Tagesmüdigkeit. Die Patienten fühlen sich oft schlapp, unkonzentriert und weniger leistungsfähig. Ihr Gedächtnis lässt nach. Libido und Potenz können verringert sein.

Viele Patienten mit Schlafapnoe neigen dazu, untertags immer wieder unwillkürlich und plötzlich für wenige Sekunden einzunicken (Sekundenschlaf). Dies kann während der Arbeit oder im Straßenverkehr gefährlich werden.

Manchmal deuten morgendliche Kopfschmerzen und ein morgendlich trockener Mund auf eine Schlafapnoe hin.

Welche Folgen hat eine Schlafapnoe?

Gerät die Atmung im Schlaf ins Stocken, wird der Körper kurzzeitig in eine Art Alarmzustand versetzt. Er aktiviert das autonome Nervensystem, wobei Blutdruck und Herzfrequenz ansteigen können.

Wird Bluthochdruck festgestellt, sollte immer auch an eine Schlafapnoe als möglichen (Mit-)Auslöser gedacht werden. Bluthochdruck wiederum erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Herzschwäche und Schlaganfall.

Weil viele Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom untertags leicht einschlafen, erhöht sich die Unfallgefahr, die Leistungsfähigkeit sinkt. Auch das psychische Wohlbefinden kann leiden.

Ursachen: Wie entsteht eine Schlafapnoe?

Nach der Ursache unterscheiden Ärzte zwei Formen der Schlafapnoe, manchmal liegt auch eine Mischform vor:

1) Obstruktive Schlafapnoe

Die häufigere obstruktive Schlafapnoe entsteht, weil die Atemwege verengt oder verlegt sind. Zwar erhält die Atemmuskulatur den Befehl vom Gehirn, aktiv zu werden, um Luft zu holen. Doch die Kraft der Muskeln reicht zunächst nicht aus, um Luft durch die blockierten Atemwege zu bekommen. Der Widerstand in den Atemwegen ist zu groß. Es entsteht eine Atempause.

Der Körper erhält in diesem Moment keinen Sauerstoff, so dass der Sauerstoffgehalt im Blut allmählich absinkt. Kohlenstoffdioxid sammelt sich im Gewebe und Blut an. Dies wird vom Körper registriert. Als Folge löst er quasi einen Alarm aus und regelt seine Aktivität schnell hoch – der Betroffene zeigt eine Weckreaktion und holt plötzlich tief Luft. Die Atmung ist wieder gesichert – bis zum nächsten Atemstillstand.

Auf diese Weise kann es zu zahlreichen Weckreaktionen pro Nacht kommen. Sie sind meistens so kurz, dass die Betroffenen sich am nächsten Morgen gar nicht daran erinnern können. Trotzdem sind die ständigen Schlafunterbrechungen lang genug, um einen erholsamen Schlaf unmöglich zu machen und eine einschränkende Tagesschläfrigkeit zu erzeugen.

Warum sind die Atemwege zu eng?

Verschiedene Faktoren können dazu beitragen, dass die Atemwege verlegt werden:

 

  • Anatomische Besonderheiten: Ein stark zurückliegender Unterkiefer kann den Atemwiderstand erhöhen. Oder eine vergrößerte Zunge oder große Mandeln engen den Rachenraum ein
  • Übergewicht: Zu viele Pfunde begünstigen nächtliche Atemaussetzer. Viele Patienten mit Schlafapnoe sind übergewichtig
  • Rückenlage: Im Schlaf entspannen sich viele Muskeln, sodass in der Rückenlage zum Beispiel die Zunge in den Rachen rutscht. Dadurch kann sie kurzfristig die Luftwege verschließen
  • Verstärkte Muskelentspannung: Alkohol, Medikamente (beispielsweise Schlafmittel) oder Drogen können zur Muskelentspannung beitragen und damit eine Schlafapnoe begünstigen

2) Zentrale Schlafapnoe

In etwa jedem zehnten Fall einer Schlafapnoe liegt die Ursache nicht in den Atemwegen, sondern im Gehirn – und zwar in der Steuerzentrale der Atemmuskeln. Diese Form heißt zentrale Schlafapnoe. Den Atemmuskeln fehlt kurzzeitig der Befehl vom Gehirn, aktiv zu werden. Erst wenn der Sauerstoffgehalt im Blut unter einen kritischen Wert sinkt, reagiert das Gehirn und sendet wieder den Impuls zur Atmung. Teilweise ist die Atmung vor dem Aussetzer besonders flach (sogenannte Cheyne-Stokes-Atmung). Die zentrale Schlafapnoe mit Ausfall der Atemsteuerzentrale kann beispielsweise durch einen Schlaganfall bedingt sein.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Der Arzt fragt nach den Beschwerden und der persönlichen Krankengeschichte. Zudem wird er den Patienten körperlich untersuchen.

Kann man auf eine Schlafapnoe testen?

Um erste Hinweise auf eine Schlafapnoe zu erhalten, eignet sich eine einfache orientierende Untersuchung des Schlafs. Dazu gibt der Arzt dem Patienten leihweise Messgeräte mit nach Hause. Vor dem Zubettgehen legt sich der Betroffene nach Anleitung Messsonden an. Sie registrieren in der Nacht den Atemluftstrom, Atembewegungen von Brust und Bauch, den Puls, die Sauerstoffsättigung des Blutes, die Körperlage und teilweise auch die Schnarchgeräusche. Eventuell deuten die Ergebnisse dieser Polygraphie bereits auf die Diagnose Schlafapnoe-Syndrom hin.

Untersuchung im Schlaflabor: Polysomnographie

Der Arzt kann den Patienten an ein Schlaflabor überweisen, wo der Schlaf gründlich analysiert wird (sogenannte Polysomnographie). Der Patient verbringt dort ein bis zwei Nächte. Während er schläft, erfolgen viele Messungen, die nicht schmerzhaft und nicht belastend sind: So werden Hirnströme, Herzrhythmus, Sauerstoffgehalt des Blutes und der Atemflusses an Mund und Nase registriert. Der Schlafende trägt außerdem einen Dehnungsgürtel, der die Atembewegungen erfasst. Mit einer Untersuchung der Augenbewegungen kann der Arzt die einzelnen Schlafphasen unterscheiden. Auch Blutdruck, Muskelspannung, Körperlage und Schnarchgeräusche werden ausgewertet.

Wird eine Schlafapnoe festgestellt, sind oft weitere Arztbesuche sinnvoll, etwa Untersuchungen durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt, einen Kieferchirurgen oder einen Neurologen.

Wie schwer ist die Schlafapnoe?

Die Stärke einer Schlafapnoe lässt sich messen.

Der Apnoe-Index (AI) gibt an, wie viele mindestens 10 Sekunden lange Atempausen der Patient pro Stunde Schlafzeit hat. Er liegt im gesunden Fall bei unter fünf pro Stunde. Je höher er ist, desto schwerer ist die Erkrankung.

In den Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) fließen auch Phasen mit sehr flacher Atmung ein. Ein Apnoe-Hypopnoe-Index von 15 pro Stunde oder mehr ist immer als krankhaft zu werten. Ein Apnoe-Hypopnoe-Index zwischen 5 und 15 gilt nur dann als krankhaft, wenn tagsüber Beschwerden wie beispielsweise Müdigkeit bestehen.

Wie wird ein Schlafapnoe-Syndrom behandelt?

Ein Schlafapnoe-Syndrom lässt sich mit verschiedenen Methoden behandeln. Welche am besten geeignet ist, hängt vom Einzelfall ab.

Bei einer leichten obstruktiven Schlafapnoe können schon einfache Maßnahmen dazu beitragen, die Zahl der Atemaussetzer zu verringern: Zum Beispiel empfiehlt es sich, Übergewicht abzubauen. Denn überflüssige Pfunde begünstigen eine Schlafapnoe. Auch sollte auf Alkohol, Rauchen und die Einnahme von Schlaftabletten verzichtet werden.

Teilweise eignen sich auch Hilfsmittel, welche die Rückenlage im Schlaf vermeiden. Dazu zählen Geräte, die einen Alarm aussenden, sobald sich der Betroffene auf den Rücken legt, oder beispielsweise ein Tennisball, der in den Rückenteil des Schlafanzugs eingenäht wird. Manchmal kann auch ein höheres Kissen helfen, so dass der Oberkörper höher gelagert ist.

In leichteren Fällen, oder wenn andere Therapien nicht greifen, können individuell angefertigte Biss-Schienen hilfreich sein, die nachts getragen werden (meist Unterkiefer-Protrusions-Schienen).

Am wirksamsten lässt sich ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom mit einer speziellen Atemmaske behandeln (siehe weiter unten). Operationen kommen in besonderen Fällen infrage.

Beim Schlafapnoe-Syndrom kann je nach Fall eine Behinderung verschiedener Schwere (Grad der Behinderung, GdB) anerkannt werden.

Schlafapnoe Schematische Darstellung

Behandlung der Schlafapnoe mit Atemmaske

Häufig wird der Arzt eine Beatmung mit einer speziellen Maske empfehlen: Der Betroffene legt sich nachts eine Atemmaske an. Sie ist an ein Gerät angeschlossen, das mit leichtem Überdruck Raumluft in Nase und zum Teil auch Mund bläst. Das verhindert, dass die Atemwege zusammenfallen und die Luftzufuhr unterbrochen wird.

Es gibt verschiedene Arten von Masken. Welche individuell am besten passt, sollte mit dem Arzt besprochen werden. Auch existieren unterschiedliche Beatmungsverfahren, je nach Beatmungsdruck:

  • CPAP = Continuous Positive Airway Pressure, kontinuierlicher Überdruck
  • BiPAP = Bilevel Positive Airway Pressure, der Druck wird an Ein- und Ausatmung angepasst
  • APAP = auto CPAP, der Druck wird vom Gerät bei jedem Atemzug neu ermittelt

Falls Patienten unter einem trockenen Nasen-Rachenraum leiden, kann die Luft eventuell mithilfe eines Befeuchters mit Wasser angereichert werden. In bestimmten Fällen wird der Luft zusätzlicher Sauerstoff beigemischt.

Die Handhabung der Maske sollten Patienten unter fachkundiger Anleitung lernen. Eine Einweisung erfolgt zumeist in einem Schlaflabor durch schlafmedizinisch geschultes Personal. Viele Patienten gewöhnen sich schnell an die nächtliche Beatmung und fühlen sich tagsüber schon bald wieder leistungsfähiger und ausgeruhter.  Andere kommen anfangs schlecht mit der Behandlungsform zurecht. Dann ist eine gute Schulung und Beratung besonders wichtig. Manchmal hilft es, verschiedene Modelle an Masken oder Geräten zu testen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Schlafapnoe-Selbsthilfegruppe kann nützlich sein.

Der Arzt wird regelmäßige Kontrollen vornehmen, um den Behandlungserfolg zu sichern.

Wann sind Operationen bei Schlafapnoe sinnvoll?

Sind vergrößerte Rachenmandeln oder Nasenpolypen die Ursache der Schlafapnoe, so können diese eventuell operativ entfernt werden.

In ausgewählten Fällen kann eine Operation helfen, die Atemwege zu weiten. Dazu ist eine Vielzahl an Operationstechniken möglich. Einige davon stellen einen geringen Eingriff dar (minimalinvasiv) und erfolgen mitunter in Teilnarkose. Andere sind belastender für den Betroffenen und erfordern eine Vollnarkose.

Kommen andere Therapieverfahren nicht infrage, hilft in bestimmten Fällen eventuell ein sogenannter Zungenschrittmacher.  Ein implantiertes Gerät stimuliert dabei den Nerv, der die Zungenmuskulatur steuert – den sogenannten Nervus hypoglossus. Das soll die Atemwege besser offenhalten.

Arzt und Patient sollten gemeinsam besprechen, ob ein operativer Eingriff sinnvoll erscheint und welche Technik die individuell passende ist. Dabei spielen unter anderem die Stärke sowie die Ursache der Schlafapnoe eine Rolle. Der Arzt sollte außerdem ausführlich zu möglichen Risiken des Eingriffs aufklären, zum Beispiel Blutungen, Infektionen oder Schmerzen.

Operiert werden Bereiche der oberen Atemwege. Auch eine Kieferchirurgie ist in manchen Fällen möglich, mit der sich Fehlstellungen von Ober- und Unterkiefer behandeln lassen.

Privatdozentin Dr. med. Ilonka Eisensehr

Beratende Expertin

Privatdozentin Dr. med. Ilonka Eisensehr ist Fachärztin für Neurologie. Sie studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie der Tufts University Boston und habilitierte sich an der Universität München über das Dopaminsystem und Schlaf-bezogene Bewegungsstörungen. Sie ist in eigener neurologischer Praxis in München tätig, außerdem Mitglied des Lehrkörpers der Universität München. Sie verfasste zahlreiche Publikationen zum Thema Dopaminsystem, Schlafmedizin und Epilepsie und ist Mitglied in vielen wissenschaftlichen Gremien. Ihre Schwerpunkte sind: Neurologische Diagnostik, Diagnostik und Behandlung von Bewegungsstörungen, Schlafstörungen sowie des Restless-Legs-Syndroms, außerdem Schlaganfall-Check inklusive Farbduplexsonographie.

Quellen:

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.: HNO-spezifische Therapie der obstruktiven Schlafapnoe bei Erwachsenen (Stand September 2015)

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Schlafmedizin der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V.: Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen (Stand März 2017)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin: Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörung, Kapitel Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen (Stand August 2017)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.