Baby und Familie

Nachdem im Mai 2021 ein Impfstoff für Kinder ab 12 Jahren zugelassen wurde, gibt es nun bald auch einen Impfstoff gegen Covid-19 für Kinder von 5 bis 11 Jahren. Entwickelt wurde dieser von Biontech und Pfizer. Die EMA hat den Impfstoff in seiner Wirksamkeit geprüft und am 25. November 2021 zur Zulassung empfohlen. Die EU-Kommission muss noch offiziell zustimmen, das aber gilt als Formsache. In Deutschland stehen nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ab dem 20. Dezember 2,4 Millionen Dosen des Impfstoffs für Kinder zur Verfügung. Weitere Lieferungen seien in den ersten Monaten des neuen Jahres zu erwarten.

Was auch noch aussteht, ist die Einschätzung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Diese wird in den kommenden Wochen sämtliche bestehenden und neuen Daten weltweit prüfen und dann ihre Einschätzung veröffentlichen. Eltern mit Kindern der Altersgruppe von 5 bis 11 haben vermutlich jetzt schon unzählige Fragen im Kopf: Soll ich mein Kind gleich impfen? Oder gar nicht? Soll ich auf die Empfehlung der Stiko warten? Was sind die Nebenwirkungen? Hier finden Sie Einschätzungen.

Wie ist die Datenlage zur Impfung für Fünf- bis Elfjährige?

„Bisher können wir nur auf die zu Verfügung gestellten Daten des Herstellers zurückgreifen. Es gibt noch keine ausreichend repräsentative Erfahrung aus anderen Ländern“, so der Kenntnisstand von Dr. Martin Terhardt, Kinder- und Jugendarzt in Berlin und Mitglied der Stiko. Klar ist, dass die Impf-Dosis bei 10 Mikrogramm liegt und damit einem Drittel der Impfdosis von älteren Kindern ab 12 Jahren entspricht. Die Nebenwirkungen sind wohl vergleichbar mit denen bei Jugendlichen und umfassten zum Beispiel Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit oder Kopfschmerzen. Ob und wie häufig seltenere Komplikationen wie Herzmuskelentzündungen bei Jungen auch in der Altersgruppe ab fünf vorkommen, bleibt noch abzuwarten. Dafür reicht nach Einordnung von STIKO-Mitglied Martin Terhardt die Zahl der Studienteilnehmer noch lange nicht aus. Eine Herzmuskelentzündung aufgrund der Impfung heilt aber meist unkompliziert ab. Zudem kann auch eine Covid-19-Erkrankung eine Herzmuskelentzündung auslösen.

Welche Kinder sollten sich zeitnah impfen lassen?

Für Dr. Jakob Armann, Kinderarzt an der Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendmedizin des Uniklinikums Dresden gibt es eindeutige Risikogruppen bei Kindern im Alter zwischen 5 und 11 Jahren. Bei diesen Kindern ist er sehr froh, wenn sie sich impfen lassen können: „Anhand der aktuellen Datenlage zu Akutverläufen im Kindesalter zählen Kinder mit Trisomie 21 zur Risikogruppe. Außerdem zählen Kinder mit angeborenen Immundefekten und Kinder mit zyanotischen Herzfehlern dazu.“ Bei Risikokindern erwartet auch Martin Terhardt eine rasche Impfung, „denn sie haben im Falle einer Infektion auch ein sehr hohes Risiko, schwer zu erkranken.“

Da es noch keine Empfehlung der Stiko gibt, sprechen Eltern am besten mit dem behandelnden Kinderarzt oder der Kinderärztin, ob und wann er die Impfung für ihr Kind als sinnvoll erachtet. Die Stiko will ihre Empfehlung bis Ende Dezember abgeben.

Erklärvideo zu mRNA-Impfstoffen

Welche Risiken müssen bei gesunden Kindern abgewogen werden?

Bei den gesunden Kindern in der Altersgruppe 5 bis 11 ist die Risikoabwägung schwerer zu treffen. Das Risiko der Erkrankung ist deutlich geringer. Das Wissen über mögliche seltene Impfnebenwirkungen wie eine Myokarditis ist für diese Altersgruppe noch begrenzt. Es geht immer darum, den Nutzen einer Impfung gegen potentielle Risiken von Impf-Nebenwirkungen abzuwägen. Bei Risikokindern ist der Nutzen höher einzustufen als bei kerngesunden, weil sie durch eine Erkrankung ein entsprechend höheres Risiko hätten, das durch die Impfung reduziert wird. „Grundsätzlich finde ich es immer gut, wenn es einen Impfstoff gibt, der zugelassen und sicher bewertet ist“, so Kinderarzt Armann, „aber nur weil es diesen Impfstoff gibt, heißt das natürlich nicht, dass jeder und jede diesen Impfstoff auch braucht.“

Wie hoch ist das Risiko für PIMS/ Long-Covid bei nicht-geimpften Kindern?

Wieder stellt sich für Kinderarzt Jakob Armann die Frage nach dem individuellen Krankheitsrisiko eines Kindes. Bei der akuten Erkrankung ist das Risiko für einen schweren Verlauf für ein eigentlich gesundes Kind laut Armann vernachlässigbar. Dann gibt es eine mittelfristige Komplikation etwa vier bis sechs Wochen nach einer Infektion: PIMS. „Hier ist es so, dass es wirklich alle treffen kann und nicht nur die Vorerkrankten“, so Armann. PIMS sei aber sehr selten, gut behandelbar und die Häufigkeit habe mit der Delta-Variante abgenommen.

Bei Long-Covid fehlten solide, belastbare Daten. „Was wir relativ sicher wissen, ist, dass die Zahl bei Kindern unter einem Prozent der Infizierten liegt.“ Auch werden die Long-Covid-Symptome über die Zeit besser. Kinder seien zudem nach aktueller Kenntnislage deutlich weniger von Long-Covid betroffen als Erwachsene.

Sollten Eltern die Entscheidung der Stiko abwarten?

Die Stiko will ihre Empfehlung zur Corona-Impfung für Kinder von fünf bis elf Jahren vor Jahresende abgeben. „Unser Ziel ist es, diese Empfehlung bis Ende Dezember, möglichst bis zum Start der Auslieferung des Kinder-Impfstoffs an die Länder, fertigzustellen“, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens den Zeitungen der Funke-Mediengruppe Ende November.

Aus seiner Praxis weiß Kinderarzt Martin Terhardt, dass manche Eltern schon mit den Hufen scharren, um ihre Kinder endlich impfen zu lassen. Der Druck ist enorm. Kinder wurden teils stark und für lange Zeit isoliert, um vor einer Infektion geschützt zu werden. Trotzdem rät Martin Terhardt als Stiko-Mitglied, auf eine entsprechende Empfehlung zu warten. Je höher die Datenlage, desto sicherer auch die Nutzen-Risiko-Abwägung. Kinderarzt Jakob Armann pflichtet bei: „Wer zuhause ein gesundes Kind hat, das nicht in die genannten Risikogruppen fällt, der kann daher auch unbesorgt noch etwas warten, bis mehr Daten vorliegen.“ In der Studie, auf die die Entscheidung der EMA fusst, war der Impfstoff an etwa 1300 5 bis 11-Jährigen verimpft worden. Aber: Bei dieser geringen Zahl lassen sich seltene Nebenwirkungen nicht sicher erfassen.

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Wie entscheidet die Stiko?

Welche Impfungen braucht mein Kind? Generationen von Eltern kennen die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) als Richtschnur in dieser Frage

Corona: Kinder impfen, um nichtgeimpfte Erwachsene zu schützen?

In erster Linie sollen Kinder dann geimpft werden, wenn bei ihnen das Risiko besteht, dass sie durch Infektion einen schweren Krankheitsverlauf haben. „Wenn ich ein Kind nur impfe, um einen ungeimpften 70-Jährigen zu schützen, damit er keinen schweren Verlauf hat“, so Kinderarzt Jakob Armann, „dann nehme ich Nebenwirkungen beim Kind in Kauf, um jemanden anderen zu schützen.“ Seiner Meinung nach keine Lösung bei Kindern.

Wie lange sollte der Abstand zu weiteren Impfungen sein?

Generell gibt es verschieden Impfstoffarten, die unterschiedlich funktionieren. Für die Verwendung bei Kindern kommt in Deutschland derzeit nur der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer infrage. Er gilt, da er keine Erreger enthält, als mit den sogenannten Totimpfstoffen gleichgesetzt und könnte auch mit anderen Impfungen mit Totimpfstoff kombiniert werden. Zu typischen Impfungen mit Totimpfstoffen, die bei Kindern angewendet werde, zählen: Tetanus, Diphterie und HPV.

Ein Impfabstand von wenigstens 14 Tagen ist nur notwendig zwischen dem Covid-19-Impfstoff und Lebendimpfungen. Anders als Totimpfungen enthalten Lebendimpfungen vermehrungsfähige Viren. Zu den Lebendimpfstoffen zählen beispielsweise die Vakzine gegen Masern, Mumps, Windpocken oder Röteln.

Werden Impfkomplikationen nach einer Covid-19-Impfung erfasst?

Ja. Dafür zuständig ist in Deutschland das Paul-Ehrlich-Institut. Verdachtsfälle von Impfkomplikationen werden dort nach einer Impfung von den Ärzten oder den Geimpften direkt gemeldet. Die meisten normalen, relativ häufigen Impfreaktionen oder die selteneren Impfkomplikationen treten in den ersten Tagen bis Wochen nach der Impfung auf. Alles, was später als nach zwei Monaten auftritt, ist für Kinderarzt und STIKO-Mitglied Martin Terhardt nur sehr selten mit der Impfung zu erklären.

Dass das Paul-Ehrlich-Institut seine Aufgabe erfüllt, hat sich nach der anlaufenden Impfung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen gezeigt. Es kam vermehrt zu Meldungen über Herzmuskelentzündungen bei jungen Männern nach einer Covid-19-Impfung mit den mRNA-Impfstoffen. Diese traten im Verhältnis zu den verimpften Dosen aber nur selten auf. In diesem Zusammenhang wird das Nutzen-Risiko-Profil von der Stiko immer wieder neu geprüft.

Zuletzt wurde deswegen die Empfehlung für den Impfstoff Spikevax von Moderna bei Menschen unter 30 Jahren aufgehoben. Das Ergebnis ist nun, dass der Impfstoff von Moderna für Personen unter 30 Jahren nicht mehr empfohlen ist, da bei ihm das Risiko für eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) höher ist als bei dem Impfstoff von Biontech/Pfizer. Deshalb sollen Menschen unter 30 und Schwangere nur noch mit Biontech geimpft werden. Bei den 5- bis 11-Jährigen ist über die Gefahr einer Herzmuskelentzündung aufgrund der aktuell noch geringen Datenlage noch nicht genügend bekannt. Das Paul-Ehrlich-Institut erfasst aber nach der Zulassung natürlich auch hier die gemeldeten Verdachtsfälle, so dass sich im Laufe der Zeit ein entsprechendes Bild ergibt.

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