Harninkontinenz: Symptome

Mediziner unterscheiden verschiedene Formen der Inkontinenz

aktualisiert am 23.03.2017
Frau hält sich den Bauch

Plötzlicher, übermäßig starker Harndrang ist ein typisches Symptom bei Dranginkontinenz


Belastungsinkontinenz

Bei dieser Form kommt es zu einem unwillkürlichen Urinverlust, sobald sich der Druck im Bauchraum erhöht. Das ist zum Beispiel der Fall bei körperlicher Belastung wie dem Anheben oder Tragen schwerer Gegenstände, ebenso beim Husten, Niesen, Lachen oder Pressen. Der Urinverlust kann dabei sehr gering sein (wenige Tropfen), aber es kann auch zu einem Urinverlust im Strahl kommen. In sehr ausgeprägten Fällen geht Urin schließlich bei jeder Bewegung, schon beim Stehen oder sogar im Liegen ab. Typischer Weise verspürt der Betroffene keinen Harndrang, bevor der Urin ungewollt verloren geht.

Diese Form der Inkontinenz hieß früher auch Stressinkontinenz. Die Bezeichnung ist allerdings missverständlich. Denn das Wort "Stress" bezieht sich in diesem Zusammenhang nur auf körperliche Belastungen, nicht auf seelischen Druck. Mediziner sprechen deshalb heute lieber von Belastungsinkontinenz.

Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz)

Betroffene spüren immer wieder einen plötzlichen, übermäßig starken Harndrang, obwohl die Blase noch gar nicht voll ist. Oft schaffen sie es nicht mehr rechtzeitig zur Toilette. Der Urin geht schwallartig ab. Dieser überfallsartige Harndrang kann sehr häufig, manchmal mehrmals pro Stunde auftreten.

Mischinkontinenz

Symptome der Belastungsinkontinenz treten dabei gemeinsam mit Symptomen der Dranginkontinenz auf.

Überlaufinkontinenz

Bei voller Blase fließen ständig kleine Mengen Urin ab, die Blase "läuft über". Patienten haben das Gefühl, dass es ständig "tröpfelt". Dies tritt immer dann auf, wenn die Blase sich aufgrund eines Hindernisses (z.B. vergrößerte Prostata) oder einer Nervenschädigung nicht mehr richtig entleeren kann und somit die Blase längerfristig übermäßig voll wird. Zusätzlich kann es zu einem permanenten Harndrang kommen.

Reflexinkontinenz

Betroffene spüren nicht mehr genau, wann die Blase gefüllt ist und können auch die Entleerung nicht mehr steuern. Die Blase entleert sich in unregelmäßigen Abständen von selbst, oft aber nicht vollständig. Ursache hierfür sind Störungen im Bereich der Nerven, die die Blase steuern. Dies kann im Rahmen einer Querschnittslähmung, aber auch bei Parkinson-Krankheit, Multipler Sklerose, Schlaganfall, Alzheimer-Krankheit oder einer anderen Demenzerkrankung der Fall sein.

Extraurethrale Inkontinenz

Es geht ständig Urin verloren, doch die eigentliche Ursache liegt außerhalb der Harnwege (extraurethral). Zum Beispiel kann eine Fistel vorliegen. Dabei handelt es sich um ein neu entstandenes, also "unnatürliches" Verbindungskanälchen, das zum Beispiel von der Blase in die Scheide oder in den Darm führt. Über diese Fistel geht dann ständig Urin verloren, ohne dass der Patient Einfluss darauf nehmen kann.

Enuresis = nächtliches Einnässen

Bis zum vierten Lebensjahr haben die meisten Kinder gelernt, nachts nicht mehr ins Bett zu machen. Sind die Nächte bei älteren Kindern noch nicht "trocken", sollte vorsichtshalber der Arzt um Rat gefragt werden. Es kann zum Beispiel ausschließen, dass eine Fehlbildung der Harnwege vorliegt. Oft handelt es sich jedoch nur um eine harmlose Entwicklungsverzögerung, die – falls erforderlich – auch gut behandelt werden kann.


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