Was sind Myome?

Wenn die Periode zur Qual wird und mit starken Blutungen, Unterleibsschmerzen und Krämpfen einhergeht, können Myome dahinterstecken. Die knotigen Wucherungen gehen von der muskulären Schicht der Gebärmutter aus und zählen zu den häufigsten gutartigen Tumoren bei Frauen. Viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie eine solche Geschwulst in oder an der Gebärmutter haben. „Myome werden meist erst dann diagnostiziert, wenn sie Beschwerden verursachen“, erklärt Professor Julia Radosa, leitende Oberärztin an der Klinik für Gynäkologie, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg. „In etwa sechs von zehn Fällen rufen Myome keine Krankheitssymptome hervor.“

Myome können sich an verschiedenen Stellen der Gebärmutter bilden - zum Beispiel unter der Schleimhaut (submukös), in der Muskelschicht (intramural) oder an der Außenseite (subserös)

Myome können sich an verschiedenen Stellen der Gebärmutter bilden - zum Beispiel unter der Schleimhaut (submukös), in der Muskelschicht (intramural) oder an der Außenseite (subserös)

Wie viele Frauen sind betroffen?

Schätzungsweise die Hälfte aller Frauen in Deutschland entwickelt im Laufe ihres Lebens ein Myom. Die hormonabhängigen Knoten entstehen meist zwischen dem 25. und 50. Lebensjahr und betreffen laut einer Studie etwa 20 Prozent der Frauen Anfang 30 und über 60 Prozent der Frauen Ende 40. In der Regel treten nach den Wechseljahren keine neuen Myome auf, vorhandene können schrumpfen.

Ursachen: Warum ensteht ein Myom?

„Warum genau Myome entstehen, ist bis heute nicht geklärt“, sagt Radosa. Die gutartigen Tumoren bilden sich unter dem Einfluss der weiblichen Geschlechtshormone aus den Muskelzellen der Gebärmutter. Es gibt Faktoren, die mit dem Auftreten der Knoten in Verbindung gebracht werden: „Neben dem Alter spielt wohl die genetische Veranlagung eine Rolle.“ Auch Diabetes mellitus, Bluthochdruck und starkes Übergewicht können laut Studien das Myomrisiko erhöhen.

Symptome: Wie machen sich Myome bemerkbar?

Myome verursachen nicht immer Symptome. Viele Frauen bemerken die Knoten gar nicht. Kommt es zu Beschwerden, unterscheiden sich diese je nach Lage und Größe der Myome. Am häufigsten sind Blutungsstörungen, wie starke oder verlängerte Monatsblutungen, oft begleitet von krampfartigen Regelschmerzen. Auch Zwischenblutungen sind möglich. „Die Blutungen können so stark sein, dass sie zu einer Blutarmut führen“, erklärt Radosa. „Symptome können dann Schwindel, Blässe oder geminderte Leistungsfähigkeit sein.“

Große Myome können auf die benachbarten Organe im Unterbauch drücken und deren Funktion stören. Meist sind Harnblase, Harnleiter oder Darm betroffen, was zu starkem Harndrang, Harnstau, Verstopfung oder Durchfall führen kann. Durch den Druck auf Nervenenden können Myome Rücken-, Seiten-, Nieren- oder Beinschmerzen auslösen. Außerdem sind Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und ein störendes Fremdkörper- oder Völlegefühl möglich. In den Wechseljahren nehmen Beschwerden durch Myome oft ab. Alle beschriebenen Symptome können auch andere Ursachen haben.

„In speziellen Fällen können sich Myome auch negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken oder zu Fehlgeburten führen“, sagt Radosa. Die Knoten sind aber selten alleinige Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch. In der Schwangerschaft können Myome verschiedene Komplikationen verursachen, die von der Lage und Größe der Knoten abhängen.

Wie werden Myome festgestellt?

Symptomlose Knoten werden oft nur zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt. Der Frauenarzt oder die Frauenärztin können bei der gynäkologischen Untersuchung größere Myome ertasten oder Wucherungen in der Nähe des Muttermundes mit einer Untersuchung per Spiegel (Spekulum) sehen. Zur Myomdiagnostik gehört auch eine Ultraschalluntersuchung, entweder durch die Scheide oder über die Bauchdecke. In seltenen Fällen sind weitere bildgebende Untersuchungen, wie zum Beispiel eine Magnetresonanztomografie (MRT), hilfreich.

Behandlung: Welche Therapien gibt es?

Myome lassen sich operativ, medikamentös oder mit radiologisch-interventionellen Verfahren entfernen oder verkleinern. „Es gibt Kriterien, wann eine Methode geeignet ist und wann nicht“, sagt Dr. Anke Esber, Fachärztin an der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Fortpflanzungsmedizin des Universitätsklinikums Jena. Die Unterschiede sind jedoch fließend und vom Patientinnenwunsch abhängig. „Eine individuelle Beratung ist unerlässlich.“ Dabei sollten die möglichen Vor- und Nachteile der jeweiligen Behandlungsmethode und etwaige Kosten zur Sprache kommen. Entscheidend bei der Therapiewahl sind das Alter der Frau, ihre Familienplanung, das Ausmaß der Beschwerden sowie Anzahl, Größe und Lage der Myome. Esber sagt: „Oberstes Behandlungsziel ist, dass die Patientin beschwerdefrei wird, wobei ihre Gebärmutter möglichst erhalten bleiben und nur minimal verletzt werden soll.“

Operation

Operiert wird daher heute meist minimalinvasiv: Bei der Myomausschälung wird die Wucherung während einer Gebärmutter- oder Bauchspiegelung abgetragen. Wenn die Beschwerden besonders stark ausgeprägt sind und Myome nicht auf andere Therapien ansprechen, muss manchmal eine komplette Entfernung der Gebärmutter erwogen werden. Voraussetzung hierbei ist, dass die Familienplanung der Patientin abgeschlossen ist.

Hormonpräparate

Mit Hormonpräparaten lässt sich die Zeit bis zu einer geplanten Operation oder dem Eintritt der Wechseljahre überbrücken. Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analoga (GnRH-Analoga) und andere Gegenspieler des Geschlechtshormons Östrogen helfen, das Myomwachstum vorübergehend zu bremsen. Die Medikamente haben jedoch zum Teil starke Nebenwirkungen und sind nicht für eine langfristige Therapie geeignet.

Embolisation

Alternativ zur Operation kommt in bestimmten Fällen eine Embolisation infrage. Dabei spritzt der Arzt unter Röntgenkontrolle Kunststoffpartikel in die Arterie, die das Myom mit Blut versorgt. Das Gefäß verstopft, der Knoten wird nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und schrumpft in der Folge, wodurch myombedingte Beschwerden nachlassen können.

Fokussierte Ultraschalltherapie

Ist das Myom nicht allzu groß und liegt günstig, kann es mittels einer MRT-gesteuerten fokussierten Ultraschalltherapie behandelt werden. Dabei werden gebündelte, hochenergetische Schallwellen auf den Knoten gelenkt, wodurch das Gewebe punktgenau erhitzt wird und abstirbt. Diese Behandlung ist noch nicht bei jeder gesetzlichen Krankenkasse im Leistungskatalog enthalten, private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten teilweise oder ganz.

Radiofrequenzablation

Ähnlich wie beim fokussierten Ultraschall wird das Myom auch bei der transzervikalen Radiofrequenzablation gezielt erhitzt und dadurch in der Folge zum Schrumpfen gebracht. Radiofrequenzenergie wird hierbei über Elektroden direkt in den Knoten geleitet. Der Zugang erfolgt durch den Gebärmutterhalskanal. Zurzeit wird das Verfahren nur in wenigen Zentren angeboten.

Symptomlose Myome: Regelmäßige Kontrollen reichen meist

Verursachen Myome keine Beschwerden, reicht es normalerweise aus, wenn der Frauenarzt oder die Frauenärztin die Knoten regelmäßig kontrolliert. Es gibt jedoch Ausnahmen: „Wachsende oder neu auftretende Myome nach den Wechseljahren sollten operativ entfernt und untersucht werden“, erklärt Esber, „sonst ist eine Unterscheidung zwischen einem gutartigen Myom und einem seltenen bösartigen Sarkom nicht sicher möglich.“ Radosa ergänzt: „Ein Sonderfall sind auch Frauen mit Kinderwunsch. Bei ihnen kann manchmal auch ohne Beschwerden eine Myombehandlung sinnvoll sein, um die Fruchtbarkeit zu verbessern oder Komplikationen in der Schwangerschaft zu vermeiden.“

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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