Blähungen, Luft im Bauch: Selbsthilfe, Therapie

Eine ärztliche Therapie ist bei Blähungen häufig nicht notwendig. Den Lebensstil umstellen, dazu ein paar Hilfsmittel – so lässt sich das Problem meistens in den Griff bekommen
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 12.12.2016

Tee-Blend für den gebeutelten Darm: Fenchelsamen, Kümmel, Anis, Pfefferminz, dazu wohlige Wärme auf den Bauch

PhotoDisc, Fotolia/Barbro Bergfeldt/2011, W&B/Martin Ley

Kleine Änderungen – große Wirkung

Die erste Gegenmaßnahme bei Blähungen (Flatulenz) besteht darin, den persönlichen Lebensstil zu überprüfen. Ein paar Veränderungen können schon Wunder wirken. Ganz vornean rangiert der Verzicht auf stark blähende oder individuell nicht gut verträgliche Speisen.

Auch Getränke wie Limonaden und Mineralwässer mit Kohlensäure, Milchdrinks, manche Fruchtsäfte sowie Diät- und Light-Produkte mit dem Zuckeraustauschstoff Sorbit oder Fruktosezusatz sind Kandidaten für die Streichliste.

Statt weniger, aber üppiger Mahlzeiten empfehlen sich mehrere kleine Portionen am Tag. Auch größere Mengen gesunder Getränke sind dem Darm willkommen. Genüssliche Zubereitung erhöht die Lust aufs Essen. Dadurch wird auch die Verdauung auf ihren Einsatz vorbereitet. Sie beginnt schon im Mund, wo uns angesichts einer köstlichen Speise sprichwörtlich das Wasser, also der Mundspeichel, zusammenläuft. Langsames Essen und gründliches Kauen sind weitere Pluspunkte für die Verdauung.

Und: Regelmäßige Bewegung im Freien bringt den ganzen Körper in Schwung – vom Kopf bis zu den Gliedern. Auch der Darm tut sich wesentlich leichter.

Eine klare Verzichtansage gibt es dann noch fürs Rauchen. Dass es höchst ungesund ist, weiß jeder. Weniger bekannt ist, dass es das unwillkürliche Verschlucken von Luft verstärken kann. Bleibt noch der Hinweis, dass auch Alkohol mehr schadet als nutzt.

Ballaststoffreiche Ernährung: ja oder nein?

Ernährungsmediziner empfehlen, täglich 30 Gramm Ballaststoffe aufzunehmen. Einfach übersetzt heißt das: fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag. Dahinter steht die auch wissenschaftlich belegte Beobachtung, dass Menschen, die im Rahmen einer insgesamt gesunden Lebensweise viel Obst und Gemüse essen, seltener an sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Herzinfarkt und Krebs, zum Beispiel Darmkrebs, erkranken.

Das Problem: Besonders zu Anfang, wenn der Darm sich noch nicht an die Quellstoffe gewöhnt hat, rebelliert er oft und neigt zu Blähungen. Am besten geht man behutsam vor und lässt stark blähende Obst- und Gemüsesorten weg. Dazu zählen zum Beispiel Rosenkohl, Weißkohl, Rotkohl, manche Rohkostsalate, Hülsenfrüchte, Schwarzwurzeln, Spargel, Lauch- und Zwiebelgewächse, Feigen, Bananen, Dörrobst wie Backpflaumen oder getrocknete Aprikosen. Vollkornprodukte sind, in Maßen verzehrt, meistens verträglich. Sie ersetzen aber kein frisches Obst und Gemüse, sondern werden dazugerechnet, um auf das wünschenswerte Ballaststoff-Soll zu kommen.

Bei einem sehr empfindlichen Darm ist es besser, sich mit etwas weniger, zum Beispiel drei Portionen Obst und Gemüse sowie Ballaststoffen aus Getreide zu begnügen. Wer das schafft, ist schon auf einem guten Weg. Generell, besonders aber bei ballaststoffreicher Ernährung ist es wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu trinken: Zwei Liter pro Tag sollten es normalerweise schon sein, bei Hitze oder starkem Schwitzen beim Sport noch mehr. Diese Regel gilt nur dann nicht, wenn der Arzt etwas anderes verfügt hat. Dabei immer auch auf die Kalorien der Getränke achten. Vorzugsweise empfehlen sich ungesüßte Tees und stille Mineralwässer, dazu Saftschorlen, die man sich am besten selbst mixt, ohne Extra-Süße und Kohlensäure.

Es gibt aber auch Situationen, in denen Ballaststoffe nicht empfehlenswert sind, zum Beispiel in akurten Krankheitsphsen chronisch entzündlicher Darmerkrankungen wie der Crohn-Krankheit (Morbus Crohn), bei einer Darmverengung, vor bestimmten Eingriffen am Darm, bei akuter Divertikelkrankheit (Divertikulitis), manchmal auch bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronische Pankreatitis).

Wann Diät?

Bei einigen Erkrankungen der Verdauungsorgane ist eine Diät Bestandteil der Therapie. Im Einzelfall empfiehlt sich eine umfassende Ernährungsberatung, zum Beispiel bei:

  • Zöliakie (glutensensitive Enteropathie): glutenfreie Ernährung zeitlebens.
  • Fruktoseintoleranz (intestinale Fruktose-Malabsorption): Kleine Mengen Fruktose sind häufig verträglich, das ist aber individuell sehr unterschiedlich. Der angepasste Speiseplan kann in einer zunächst fruktose- und eher auch ballaststoffarmen Karenzphase mit leicht verdaulichen Mahlzeiten beginnen. Solche Karenzphasen werden häufig bei der Diätbehandlung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten vorgeschaltet. Anschließend kann man schrittweise seine persönliche verträgliche Dosis austesten und die Ernährung darauf aufbauen. Auf Obst und Gemüse sollte man nicht verzichten, sondern wählen, was einem bekommt. So manche Fruchtsorte verträgt man zum Beispiel nach einer Hauptmahlzeit recht gut. Zucker sollte man nur in kleinen Mengen verzehren, denn er enthält ja Fruktose. Von Alkoholika, Bier, Wein, Softdrinks und Colagetränken heißt es dagegen eher Abstand nehmen.
  • Laktoseintoleranz (Laktoseunverträglichkeit): Laktosearme- oder laktrosefreie Kost; fermentierte Milchprodukte mit lebenden Lactobazillen werden meistens gut vertragen, zum Beispiel Joghurt; gegebenenfalls ein Laktasepräparat zur Hand zu haben, kann zum Beispiel unterwegs sinnvoll sein.
  • Leber- und Gallenerkrankungen: leichte, eher fettarme Kost, bei Lebererkrankungen wie zum Beispiel fortgeschrittener Leberzirrhose ist häufig eine Eiweißbeschränkung nötig.
  • Crohn-Krankheit, Kurzdarmsyndrom: eventuell Nahrungsergänzung mit mittelkettigen Triglyzeriden (sogenannte MCT-Fette). Außerhalb akuter Phasen wird eine ballaststoffreiche Ernährung mit ausreichendem Kalorienangebot empfohlen. Mögliche Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind dabei zu berücksichtigen. Bei einem Kurzdarm, der gerade bei Crohn-Patienten mitunter auch Folge von Eingriffen am Darm ist, hängt es unter anderem von der Länge und Funktion des verbliebenen Dünndarmes ab, welche Form der Ernährung und Nahrungszufuhr möglich ist.
  • Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronische Pankreatitis): Unbedingt Alkohol- und Rauchverzicht, mehrere kleine Mahlzeiten bei möglichst normaler Kost mit ausreichendem Kalorien-, Vitamin- und Nährstoffgehalt. Verdauungssprobleme lassen sich häufig mit der Einnahme von Bauchspeicheldrüsenenzymen (Pankreatin) zu den Mahlzeiten auffangen. Leichtere Kost eher nur als Vorstufe zum normalen Kostaufbau. MCT-Fette nur dann, wenn keine Substitutionsbehandlung mit Bauchspeicheldrüsenenzymen erfolgt.
  • Magenerkrankungen: Je nach Krankheitsbild reichen die Ernährungsformen hier von einer leichten Vollkost, bei der die Betroffenen selbst ausprobieren, was ihnen bekommt, auf Alkohol, Koffein und scharf Gewürztes aber verzichten sollten, über eine flüssige Zusatznahrung bis hin zu einer Sondennahrung.

"Entlüftung" aus der Apotheke

Verschiedene Heilpflanzen, etwa Anis, Fenchel, Kümmel, Pfefferminz in Form von Tees oder Präparate mit Pfefferminz- und Kümmelöl wirken entblähend (karminativ), krampflösend und entlasten so den Darm. Kurzfristig leisten auch Entschäumerpräparate aus der Apotheke mit Wirkstoffen wie Dimeticon oder Simeticon gute Dienste.

Leichter durch die Schwangerschaft

Blähungen gehören zu den typischen Schwangerschaftsbeschwerden. Im Prinzip gelten dieselben Ratschläge wie zu normalen Zeiten: Auf blähende Speisen und Getränke verzichten, sich bewegen und viel trinken, vor allem ungesüßte Getränke und kochsalzarmes Mineralwasser. Mehrere kleine Portionen mit leicht bekömmlicher Kost, etwa fünf bis sechs Mahlzeiten, helfen ein Völlegefühl zu vermeiden. Ballaststoffe in Form von frischem Obst, möglichst nicht sehr blähendem Gemüse und Vollkornprodukten gehören auf jeden Fall zum Ernährungsprogramm. Achten Sie auf eine hygienische Lagerung und Zubereitung, waschen Sie vor der Zubereitung die Hände und rohes Obst, Gemüse gründlich. Verwenden Sie dieselben Küchenutensilien nicht ohne Zwischenreinigung für rohe und gekochte Lebensmittel (DGE 2013; auf www.baby-und-familie.de finden Sie weitere Infos: https://www.baby-und-familie.de/ernaehrung-schwangerschaft).

Mit Gymnastik halten sich auch Schwangere körperlich fit, solange der Bauch das eben mitmacht. Später liegt der Akzent mehr auf Atemtechniken und Entspannungsübungen, zum Beispiel in einem Geburtsvorbereitungskurs. Bei Bauchkrämpfen helfen leichte Bauchmassagen, milde Wärme (Wärmflasche) und entblähende Tees. Ausgeprägte Blähungsbeschwerden lindern von Mal zu Mal entschäumende Präparate mit Wirkstoffen wie Dimeticon oder Simeticon, die auch in der Schwangerschaft erlaubt sind.

Sanfte Tipps für Babys Bauch

Die richtige Still- und Füttertechnik trägt dazu bei, dass das Baby nicht zu viel Luft schluckt. Eine kleinere Nahrungsportion vor dem ganz großen Hunger hilft zu vermeiden, dass das Baby zu heftig an der vollen Brust saugt und sich am ersten Schwall Milch verschluckt. Oder Sie legen zuerst eine feucht-warme Kompresse auf die Brust und streichen etwas Milch aus. Bei Fläschchennahrung darauf achten, dass das Saugerloch immer die richtige Größe hat. Es muss zum Babyalter und zur Nahrung passen. Wenn Sie die Flasche umdrehen, darf der Inhalt nur tröpfchenweise austreten. Der Sauger soll beim Trinken immer ganz mit Milch gefüllt sein, sonst zieht das Baby Luft mit. Das Fläschchen nicht schütteln, damit keine Luftblasen entstehen. Stillende Mütter sollten blähende Speisen weglassen, da diese auch dem Baby zu schaffen machen können.

Kommt es doch zu Blähungen, haben sich folgende Maßnahmen bewährt: sanfte Bauchmassagen im Uhrzeigersinn, ein Wärmfläschchen (Vorsicht, es darf nicht zu heiß sein) an Babys Bauch legen, das Baby über die Schulter gelehnt oder bäuchlings in der "Fliegerstellung" herumtragen, damit es ergiebig sein Bäuerchen machen kann, einen Spaziergang mit ihm draußen machen (am besten in einer Tragehilfe), entblähender Kümmel- oder Fencheltee zwischendurch aus dem Fläschchen, eventuell für Säuglinge geeignete Suspensionen, die wiederum Dimeticon oder Simeticon enthalten.

Psyche unter Druck?

Falls die Blähungsbeschwerden vor allem mit psychischer Anspannung und Stress zusammenhängen, liegt ein Ansatzpunkt darin, die eigene Situation genau zu hinterfragen, Schwerpunkte zu setzen und weniger Wichtiges zurückzustellen. Manchmal sind auch eine psychologische Therapie oder eine Mediation hilfreich, um einen Konflikt zu entflechten und zu mehr Gelassenheit im Umgang mit anderen und sich selbst zu finden. Anregungen, wie man das Essen auf der ganzen Linie gesünder gestaltet, kann eine Ernährungsberatung geben.

Antibiotika

Halten Sie sich immer genau an die vom Arzt verordnete Dosis. Falls Sie auffällige Veränderungen wie Durchfall oder einen Hautausschlag feststellen, informieren Sie Ihren Arzt sofort darüber. Die Häufigkeit von Durchfällen nach einer Antibiotika-Therapie lässt sich durch Einnahme sogenannter Probiotika günstig beeinflussen. Das sind Präparate mit Bakterienkulturen wie zum Beispiel Saccharomyces boulardii oder Laktobazillus. Probiotika können die Regeneration der Darmflora unterstützen. Bei Bedarf wird der Arzt darauf zurückgreifen.

Ärztliche Therapie

Liegt der Flatulenz eine bestimmte Krankheit zugrunde, so zielt die Therapie natürlich auf das jeweils medizinisch Notwendige. Im Ursachen-Kapitel dieses Beitrags gibt es weitere Informationen zu den möglichen Behandlungswegen. Bei den allgemeinen Maßnahmen können neben einer Diät der Ersatz von Enzymen und Vitaminen eine Rolle spielen. Bei einer Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse (chronische exokrine Pankreasinsuffizienz) zum Beispiel kommt die Einnahme entsprechender Verdauungsenzyme infrage (siehe oben). Die Krankenkassen übernehmen hier auch die Kosten. Abführmittel bezahlen Krankenkassen zur Behandlung einer Verstopfung zum Beispiel im Zusammenhang mit einem Tumorleiden, einer Divertikulose / Divertikulitis oder einer Mukoviszidose, außerdem bei einer systemischen Darmlähmung. Eine Systemkrankheit wäre zum Beispiel eine autoimmune Erkrankung des Bindegewebes wie die systemische Sklerodermie. Auch bei einer neurogenen, also durch eine Nervenkrankheit bedingten Darmlähmung oder bei einer Schmerztherapie mit Opiaten sind Abführmittel Kassenleistung. Mangelt es an fettlöslichen Vitaminen oder Vitamin B12, wird der Arzt sie ersetzen.


  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Symptome-Finder

Wählen Sie:

Wissenswert

Verschiedene Lebensmittel

Lebensmittelunverträglichkeiten

Hinter Blähungen, Durchfall oder Bauchschmerzen können Unverträglichkeiten auf bestimmte Stoffe stecken. Hier ein Überblick »

...noch mehr "Bauch"-Symptome

Bauchmassage

Bauchschmerzen

Bauchschmerzen sind oft harmlos und vergehen wieder, können aber auch chronisch Probleme machen »

Spezials: Ernährung & Darm

Gesunde Ernährung: Ein Brot mit Käse und Salat gehört dazu

Ernährung: Basis für ein gesundes Leben

Wer sich ausgewogen ernährt, erhöht seine Chancen, länger gesund, beweglich und geistig fit zu bleiben »

Interaktiv

Körperatlas

Körperatlas

Einblicke ins Innenleben »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages