Die Behandlung der Hautkrankheit ruht auf vielen Säulen. Folgende Maßnahmen können bei Neurodermitis Linderung verschaffen:

Die passende Kleidung wählen

Die Haut von Neurodermitis-Geplagten ist leicht reizbar. Bei bestimmten Textilien ist daher Vorsicht geboten. Dazu zählen vor allem Kleidungsstücke aus synthetischen Fasern wie Polyester. Neben der Schweißbildung leidet die Haut da­runter, dass sie durch das dichte Fasergeflecht wenig Luft bekommt und weiter gereizt wird.

Bei Textilien aus Wolle ist die Sache anders gelagert: Hier kann die physische Reibung der rauen Oberfläche Hautprobleme verursachen. Besser geeignet ist Kleidung aus weichen Fasern, die Schweiß aufsaugen und sich gut waschen lassen, zum Beispiel Kleidungsstücke aus Baumwolle, Leinen oder Seide.

Stress vermeiden

Nicht alle Betroffenen reagieren auf dieselben Reize. Was sich aber bei den meisten auf die Haut auswirkt: Stress – negativer wie positiver. Ein Streit mit dem Partner kann einen Schub anfeuern, genauso aber die Vorfreude auf eine Urlaubsreise. „Innere Unruhe wühlt den Körper auf und löst Juckreiz aus“, erklärt Professorin Petra Staubach-­Renz, Oberärztin an der Hautklinik der Universitätsmedizin Mainz.

Wer dann kratzt, setzt oft einen Teufelskreis in Gang: Die Haut juckt noch stärker, zudem kann sie sich entzünden. Um Verletzungen vorzubeugen, sollten die Fingernägel daher kurz geschnitten sein. Das Wichtigste jedoch: nicht kratzen.

Besser ist, leicht auf die juckende Stelle zu klopfen, sie sanft zu zwicken oder zu massieren. Helfen kann auch ein Kratzklotz, der anstelle der Haut malträtiert wird. Die Bewegungsmuster nachzuahmen kann den Juckreiz lindern. Stress zu vermeiden gelingt zwar nicht immer. „Entspannungsübungen können aber helfen, ihm entgegenzuwirken“, so Staubach-Renz.

Ausgewogen essen

Wer übermäßig viel Zucker, Weißmehlprodukte, tierische Fette oder Fast Food konsumiert, schadet damit auch der Haut. Das gilt besonders für empfindliche Neurodermitishaut. Wichtig ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Bei manchen Betroffenen verschlechtern auch einzelne Lebensmittel den Hautzustand. Das kann auf Lebensmittel mit viel Zitronensäure zutreffen, etwa Zitronen oder Orangen. Oder solche, die viel Histamin enthalten wie alter Käse oder Rotwein. Oft spielen auch pollenbedingte Kreuzallergien eine Rolle. Dann können etwa Kern- und Steinobst die Hautentzündung verstärken.

Abkühlung suchen

Auch das Wetter wirkt sich auf Neurodermitishaut aus. Schlägt es um oder wechselt die Jahreszeit, kann das einen Schub auslösen. Im Sommer geht es vielen Patientinnen und Patienten besser. Die trockene Heizungsluft fällt dann zum Beispiel weg.

„Manche Betroffene leiden jedoch bei Wärme mehr als bei Kälte“, beobachtet Staubach-Renz. Durch das Schwitzen trocknet die ohnehin oft trockene Haut weiter aus. Zudem wird die Hautbarriere aufgeweicht, sodass Bakterien leichter eindringen und Entzündungen auslösen können. Dann heißt es vor allem: raus aus der prallen Sonne, luftige Outfits anziehen und, ganz wichtig, auf passende Hautpflege achten.

Nicht rauchen

Die Rußpartikel im Tabakrauch verschlimmern gerötete und entzündete Neurodermitisstellen. Dabei ist es unerheblich, ob man den Ruß aktiv inhaliert oder ihm passiv ausgesetzt ist – wie zum Beispiel bei Kindern von rauchenden Eltern. Hautärztin Staubach-Renz betont: „Der Haut geht es besser, wenn nicht geraucht wird.“

Den Pollen entfliehen

„Viele Neurodermitiker haben zusätzlich Heuschnupfen oder allergisches Asthma“, sagt Staubach-Renz. Deren Immunsystem sei empfindlich und reagiere allergisch auf Umwelteinflüsse. Die Pollen werden nicht nur eingeatmet, sondern irritieren auch die Haut selbst. Das kann Schübe verstärken.

Tägliches Eincremen stärkt die Barriere. Zudem: den Pollenkontakt möglichst gering halten. Morgens lüften, Fenster tagsüber geschlossen halten, abends die Haare waschen. Wer einen Urlaub plant, fährt am besten in pollenarme Regionen, etwa ans Meer.

Übrigens: Auch starke Infekte können Schübe auslösen. Staubach-Renz: „Fieber führt dazu, dass die Haut schwitzt und weiter austrocknet.“ Die Hautreizungen wiederum können den Genesungsprozess stören. Bestimmte Cremes oder Salben helfen, den akuten Schub einzudämmen.

Richtig pflegen

Die passende Hautpflege ist ein wichtiger Therapiebaustein (siehe Interview weiter unten). Da Pflegeprodukte empfindliche Neurodermitishaut reizen können, sollte man bei der Auswahl vorsichtig sein. Echte Seifen sind für Neurodermitiker ungeeignet, da deren basischer pH-Wert (9–10) den Säureschutzmantel der Haut angreift. Auch alle Produkte, die stark schäumen, sollte man eher meiden. Diese trocknen die Haut aus.

Hautärztin Staubach-Renz rät, generell sparsam mit Waschmitteln umzugehen und möglichst nur kurz zu duschen oder zu baden, um der Haut nicht zu viel Feuchtigkeit zu entziehen. Anschließend gilt immer: gründlich eincremen.

„Früher hieß es, Neurodermitiker sollten Cremes mit Duft- und Konservierungsstoffen grundsätzlich meiden“, sagt Staubach-Renz. Mittlerweile wisse man, dass erfolgreiche Hautpflege ganz entscheidend auch mit Wohlbefinden zusammenhängt. „Wenn ein Produkt gut riecht, benutzt man es lieber und fühlt sich wohl in der eigenen Haut.“

Interview mit einer Expertin: „Tägliche Pflege verhindert Schübe“

Nikola Ferner ist pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) in einer Apotheke in München

Nikola Ferner ist pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) in einer Apotheke in München

Frau Nikola Ferner, die tägliche Hautpflege ist für Neurodermitiker unerlässlich. Warum?

Deren Haut ist generell sehr trocken. Daher ist die Basistherapie so wichtig, um die Hautbarriere zu stärken – unabhängig davon, ob man aktuell unter einem Neurodermitisschub leidet oder nicht. Das Ziel ist, diesen zu vermeiden, zu lindern oder die Phasen zwischen den Schüben zu verlängern. Dabei spielen zwei Faktoren eine besondere Rolle: die Reinigung und die Stärkung der Haut.

Was gilt es beim Waschen zu beachten?

Betroffene sollten eher Duschgels und Badezusätze mit hautneutralem pH-Wert (5,0–5,5) verwenden. So bleibt der Schutzfilm der Haut erhalten. Ich rate zu parfümfreien Mitteln, die allenfalls Zusätze zur Geruchsverbesserung enthalten. Sinnvoll sind auch Produkte, die schon beim Waschen rückfettend wirken. Heißes Duschen und lange Badegänge hingegen vermeiden.

Und wie kann man die Hautbarriere stärken?

Wichtig ist, Cremes und Lotionen zu verwenden, die auf den jeweiligen Hautzustand abgestimmt sind. Diese zweimal täglich in ausreichender Menge anwenden. Lotionen speichern Feuchtigkeit in der Haut, Cremes reichern sie mit Fetten an. Manche Produkte bewirken beides. Geeignete Lotionen enthalten oft Urea (Harnstoff). Urea wirkt wie ein Schwamm und speichert Wasser in der Haut. Andere feuchtigkeitsspendende Wirkstoffe sind etwa Glyzerin oder Dexpanthenol.

Welche Cremes empfehlen Sie?

Nachfettend wirkende Cremes erhöhen die Widerstandsfähigkeit der Haut: Bewährt hat sich etwa Gamma-Linolensäure, die in Traubenkernöl oder Nachtkerzenöl enthalten ist. Bei akuten Schüben können zink- oder kupferhaltige Sprays helfen, ebenso wie rezeptfreie Kortisonsalben oder kühlende Mittel mit Aloe vera. Wichtig sind hautberuhigende Zusatzstoffe.

Viele Kliniken bieten für Kinder und Erwachsene spezielle Neurodermitis-Sprechstunden an. Kontakte finden Sie hier: www.neurodermitisschulung.de

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